Offenheit im Bildungsbereich: Open Education – ein historisch gewachsener Begriff

Open Education bezeichnet meist das bildungspolitische Ziel, Bildung frei verfügbar zu machen, und steht somit für einen jahrzehnte- bis jahrhundertealten Diskurs um die Öffnung des Zugangs zu Bildung. Nichtsdestotrotz zeigt sich keine eindeutige Definition für Open Education.

Wurzeln des Open Education-Baum: Zugang, Zusammenarbeit, Verknüpfung und Vernetzung, Ko-Kreation
Wurzeln des Open Education-Baum, Grafik: Jonathan Christian und Susanne Grimm, CC BY 4.0

Historie

In der historischen Herleitung des Begriffs Open Education können wir bereits bei Johann Amos Comenius beginnen. In seinem Werk Didactica Magna beschreibt er das Ziel der Pädagogik als „Alle alles ganz zu lehren“ weist ausdrücklich darauf hin, Kinder beider Geschlechter und aller Stände zu unterrichten. Das erste grundsätzliche Element von Open Education, der Zugang, ist hier schon offensichtlich formuliert (ZAWACKI et al. 2020, S. 321).

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Öffnung des Lernens und Lehrens passiert ab den 1970er Jahren mit dem Aufkommen progressiver Lernideen und der Gründung von Open Universities (DEIMANN 2018, S. 13). Für eine Annäherung an Open Education betrachten wir hier die vier Kriterien von CRONIN (2020), die sie als Merkmale von Open Education benennt. Zum besseren Verständnis sind die englischsprachigen Begriffe aufgeführt, da sich diese nicht immer direkt und in voller Sinnhaftigkeit übersetzen lassen.

  1. Access
    Zugang zu Bildung, freien Materialien, Open Scholarship
  2. Collaborate
    Die Zusammenarbeit mit anderen, über Grenzen von Institutionen, Systemen und räumlicher Entfernung hinweg
  3. (Co-)Create
    Das (gemeinsame) Erschaffen von Wissen in einer offenen Form
  4. Integrate
    Verknüpfen und vernetzen von formalen und informellen Lernpraktiken, verschiedenen Netzwerken, Identitäten und Zugehörigkeiten

Mehr als E-Learning

Heutzutage wird der Begriff Open Education meist ausschließlich mit Konzepten wie Massiv Open Online Courses (MOOCs), Open Educational Resources oder E-Learning verknüpft, wenn nicht sogar gleichgesetzt. Dies verkürzt allerdings die Bedeutung von Open Education hin zu einem Phänomen des Digitalen Zeitalters, welches primär auf die digitale Bereitstellung von freien Bildungsmaterialien abzielt.

Vielmehr ist Open Education aber immer auch mit der Agenda einer bildungspolitischen Bewegung assoziiert. Es geht also um ein aufklärerisches Bildungsideal, das beispielsweise das Open in Open Education viel weiter fasst als eine CC BY-Lizenz.

Im Gegensatz zu anderen Paradigmen der Openness-Bewegung, wie Open Access, Open Data oder Open Source, bleibt abschließend zu sagen, dass Open Education wissenschaftlich als Konzept wenig beleuchtet ist und wahrscheinlich keine klare Definition möglich ist. Vielmehr gibt es eine Reihe von Annäherungen an das, was das Ideal von Open Education bedeuten kann, über Vehikel wie z. B. Open Educational Practices oder Open Pedagogy.

In der Praxis

Um am bildungspolitischen Anliegen, Bildung für alle frei verfügbar zu machen, mitzuwirken, sollen hier zwei Wege aufgezeigt werden. Das erste ist das gesellschaftspolitische Mitwirken in organisierten Strukturen. So ist das Bündnis Freie Bildung seit 2014 Forum und Plattform für Akteurinnen und Akteure, die sich die Öffnung von Lehren, Lernen und Bildung zum Ziel setzen und sich der Förderung Freien Wissens widmen. Jedem steht die Mitarbeit dort offen und Neuankömmlinge werden immer gern begrüßt.

Zweitens kann sich jede und jeder in seiner täglichen Arbeit darum bemühen, seine Erkenntnisse und Ergebnisse möglichst frei verfügbar zu machen und Prozesse transparent zu gestalten. Wer als Lehrende*r tätig ist, sollte es seinen Lernenden ermöglichen, die oben aufgezählten Merkmale umsetzen zu können. Ziele von Open Education können somit auch auf individueller Ebene umgesetzt werden und in die tägliche Praxis integriert werden.

Literatur

CRONIN. C. (2019): Open education: Walking a critical path. In: D. Conrad, & P. Prinsloo (Eds.), Open(ing) Education: Theory and Practice. Leiden: Brill.
DEIMANN, Markus (2018): 2. Gegenstandsbestimmung: Was ist Open Education?. In: Markus Deimann (Eds.), Open Education (13-72). Bielefeld: transcript Verlag.
ZAWACKI-RICHTER et. al. (2020): Elements of Open Education: An Invitation to Future Research. In: The International Review of Research in Open and Distributed Learning, 21(3), S. 319-334.

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Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Luca Mollenhauer für OERinfo – Informationsstelle OER.

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