Didaktik von OER

Didaktik von OER, Foto by Kylie Haulk on Unsplash

Didaktik von OER, Foto by Kylie Haulk on Unsplash

Im Grunde lassen sich Open Educational Resources mit jeder Didaktik verbinden, in der Lernmaterialien zum Einsatz kommen. Das volle Potenzial entfalten OER aber erst, wenn sie in pädagogische Konzepte eingebettet werden, die auf Offenheit basieren und Lernende dazu ermuntern, selbst OER zu erstellen.

Aufgaben mit Lebensdauer

David Wiley, Vordenker der OER-Bewegung, stellt in seinem Blogbeitrag „What is Open Pedagogy?“ eine erstaunliche Rechnung an. Durchschnittlich machen amerikanische Studierende sechs Stunden Hausaufgaben, hochgerechnet über ein Semester und multipliziert mit der Zahl der Studierenden ergibt dies 1.800.000.000 Stunden Hausaufgaben pro Semester. Schade ist: Der Löwenanteil der erledigten Aufgaben wird hinterher nicht mehr benötigt und landet im Papierkorb. Wiley fragt sich, ob es nicht sinnvoller und motivierender wäre, wenn Aufgaben so gestellt würden, dass sich die Ergebnisse weiterverwenden ließen? Hier kommen OER ins Spiel: Von Lernenden für zukünftige Lernende produziert, besitzen sie eine Relevanz – auch nach Kursende.

Von Open Educational Resources zu Open Educational Practices und Open Pedagogy

Lernszenarien, in denen Lerner*innen OER für andere erstellen, lassen sich zu den Open Educational Practices zählen. Ihre erfolgreiche Umsetzung hat eine Vorbedingung: Die offene pädagogische Haltung, deren Merkmale unter dem Stichwort Open Pedagogy zusammengefasst werden. Zu diesem Mind-Set gehören Werte wie Vertrauen, Kreativität und Gemeinschaftssinn sowie bestimmte Arbeitsweisen wie kollaboratives Vorgehen, Peer-Review und die Verwendung von Mitmach-Technologien.

Und zurück zur Didaktik von OER

Eine Didaktik von OER entwirft also Lern-Lehrszenarien, in denen Lernende OER erstellen. Diese Lernszenarien sollten möglichst viele Merkmale einer innovativen, offenen Pädagogik besitzen, die wiederum in der Unterrichtspraxis umgesetzt werden. Für die Ausarbeitung eines methodisch-didaktischen Konzeptes können sich Lehrende an folgenden Fragen orientieren:

  • Wie können Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu und unter den Lernenden schaffen?
  • Nach welchen Kriterien sollten Sharing-Technologien ausgewählt werden, um eine Zusammenarbeit unter den Lernenden zu befördern?
  • Welche Basiskompetenzen müssen die Lernenden mitbringen bzw. müssen im Vorfeld werden, um OER zu erstellen?
  • Welche Verknüpfung von BOYD und OER ist sinnvoll?
  • Wie lässt sich der Lernzuwachs durch die Erstellung von OER messen?
  • Wie lässt sich verhindern, dass Lernende nicht weitaus mehr Zeit darauf verwenden neue Technologien und Arbeitsweisen zu lernen als das Thema ihrer OER zu erschließen?
  • Wie können Ängste in Bezug auf den Peer-Review-Prozess abgebaut werden?
  • Welche Mischung von offenen und angeleiteten (z.B. als lehrerzentrierter Input) Anteilen wird im Kurs angestrebt bzw. ist sinnvoll, um Lernziele zu erreichen?
Autorin:Sigrid Fahrer, Foto privat
Dr. Sigrid Fahrer, Koordinatorin von OERinfo beim DIPF, fahrer[at]dipf.de, Foto: privat

Linktipps zu Didaktik und OER

Wir haben für Sie Websites, Literatur und Projekte mit konkreten Unterrichtsplänen, mit Ideen für OER-Projektarbeiten und mit Erfahrungsberichten samt didaktisch-methodischen Tipps zusammengestellt.

Lernschrittkonzept

Das Lernschrittkonzept, entwickelt für Berufsschulen vom Hessischen Kultusministerium, ist auf Kompetenzorientierung und Individualisierung von Lernprozessen ausgerichtet – und weist daher viele Berührungspunkte zur OER-Thematik auf. In der Projektbroschüre erfahren interessierte Lehrkräfte, wie sie Lernende auf ihrem Weg zum selbstbestimmten und individuellen Lernen begleiten können.
http://pb21.de/wp-content/uploads/2014/09/broschuere_lernschrittkonzept_2.pdf

Unterrichtsideen der edulabs-Community

In der Sammlung von Unterrichtsideen des Projekts edulabs, das ein Teil der OERinfo-Förderung war, finden sich auch Lerneinheiten, in denen OER produziert wird. Die Vorschläge rangieren von Wikipedia-Artikel in der Klasse erstellen, über interaktive Geschichten mit Storytelling-Tools erzählen bis hin zur Lernapps produzieren. Die Ideen lassen sich nach Stufen sortieren und sind frei nachnutzbar.
https://edulabs.de/oer/

Wikis in der Schule

Eine einfache Möglichkeit OER zu erstellen, ist ein Wiki anzulegen. Wikis sind Websites, deren Inhalte gemeinschaftlich erstellt und bearbeitet werden, die bekannteste unter ihnen dürfte die Online-Enzyklopädie Wikipedia sein. Das Portal „Wiki in der Schule“, informiert ausführlich über die unterrichtlichen und schulischen Einsatzmöglichkeiten und bietet Hilfestellung bei der technischen Umsetzung.
https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/245358/in-zehn-schritten-zum-unterrichtsbegleitenden-blog

Studierende erstellen Videos zu Nachhaltigkeitsthemen

An der Universität Hamburg haben sich Studierende intensiv mit Zukunftsperspektiven zur Nachhaltigkeit auseinandergesetzt und das in einem lernerzentrierte Kurskonzept. Dabei erhielten die Studierenden die Gelegenheit, in Gruppenarbeit ein selbstgewähltes Thema zu erarbeiten und in einem Video umzusetzen. Das Sammelwerk von Mirjam Braßler, Arnd Holdschlag und Ivo van den Berk stellt das Konzept und die Ergebnisse des Projekts vor.
https://jise.org/Volume30/n1/JISEv30n1p10.pdf

What is Open Pedagogy?

David Wiley umreißt in diesem Blogartikel sein Verständnis von offener Pädagogik und lässt Erkenntnissen aus John Hatties Studie „Visible Learning“ einfließen. Aus der Kombination der beiden Perspektiven leitet Wiley einige konkrete Tipps für eine offene Unterrichtsgestaltung und nachhaltige Aufgaben ab, an denen sich Lehrende orientieren können.
https://opencontent.org/blog/archives/2975

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Sigrid Fahrer, DIPF OERinfo – Informationsstelle OER.










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