Bildung auf die Ohren – Der Gold-Standard zur Veröffentlichung von Podcasts als OER

Der Gold-Standard für Podcast als OER
Der Gold-Standard für Podcast als OER, Grafik: Jula Henke, Agentur J&K – Jöran und Konsorten für OERinfo, Informationsstelle OER, CC BY 4.0.

Podcasts sind beliebt und sie lassen sich sehr gut auch als OER produzieren und veröffentlichen. Wie es gelingen kann, den bestmöglichen offenen Standard, den Gold-Standard für OER, für dieses Format zu erreichen, beschreiben Gabi Fahrenkrog und Chris Dies in diesem Beitrag.

Einleitung

Podcasts eignen sich grundsätzlich für den Einsatz in allen Bereichen der Bildung. Für das selbstgesteuerte Lernen im Kontext Lebenslangen Lernens eröffnen Podcasts mobile und flexible Lernwege. Beim Selbstlernen mit Podcasts können eigene Lernbedürfnisse festgelegt werden, sowie eigene Lernziele bestimmt, organisiert und reguliert werden. Darüber können Lernende den Lernort und die Lernzeit selbst bestimmen.

In institutionellen Kontexten können über Podcasts der Support der Lernenden, Transparenz der Lehre, Kontaktpflege zu den Alumni der Institution und eine Steigerung der Reputation der Institution erreicht werden. Außerdem können Podcasts zur Unterstützung des Lernens und Lehrens sowohl passgenau auf eine Zielgruppe zugeschnitten, als auch darüber hinaus für andere Interessierte konzipiert sein.

Um die Vorteile von Podcasts voll ausschöpfen zu können, sollten einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Gute Qualität der Aufnahme im Hinblick auf Lautstärke, Hintergrundgeräusche, Sprach- und Stimmqualität,
  • gute Qualität der Audiodatei im Sinne einer einfachen Navigation, angemessenen Kodierung in einem Standard-Dateiformat und
  • gute Qualität der Bereitstellung über gute Auffindbarkeit und Erreichbarkeit der Datei sowie Aktualität des Kanals, über den der Podcast zur Verfügung gestellt wird.

Das Format Podcast als OER

Podcasts eignen sich sehr gut, um als OER produziert und veröffentlicht zu werden. Sie können relativ einfach mit Open Source Software produziert und auch weiter genutzt werden. Es lassen sich beispielsweise Zitate zum Remixen rausschneiden. Ein Lizenzhinweis kann dem Medium entsprechend als gesprochener Text angefügt oder auch als Texthinweis in den schriftlichen Informationen, z.B. bei Podlove im Podcast-Player angezeigt werden.

Ein wesentlicher Vorteil von Podcasts aus der Sicht der Zuhörenden liegt darin, dass sie selbst entscheiden können, wann und wo sie den Podcast hören wollen. Podcasts können zudem zu einer höheren Inklusivität beitragen, denn mit ihnen werden Menschen angesprochen, die z.B. über Textmedien nicht so gut erreicht werden.

Besonderheiten

Es gibt eine Reihe von guter und frei verfügbarer Software für die Podcast-Produktion und Distribution. Daher ist es relativ einfach, selbst Podcast als OER zu produzieren und zu verbreiten.

Podcast-Ausstattung
Podcast-Ausstattung, Foto: Gabi Fahrenkrog, CC0.

Im Kontext von Lernen und Lehren können Podcasts zu sehr unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden: Zur Präsentation von Lehr-/Lerninhalten, für die Verbreitung von Mitteilungen und Informationen, zur Interaktion zwischen Nutzer*innen und Institutionen oder auch für die Zusammenarbeit (Kollaboration) bei bestimmten Themen oder Themenfeldern.

Formen können dabei für Lernende sein:

  • Referate in Form von Podcasts
  • Ergebnisdarstellung von Projektarbeiten
  • Podcasts zur Reflektion
  • Sprachtraining
  • Audioguides

Für Lehrende sind u.a. diese Formen denkbar:

  • Inputs, Vorlesungs- und Seminarmitschnitte, auch angereichert um weitere Formate, wie z.B. Präsentationsfolien
  • Kommentare zu Übungen und Aufgaben
  • Ergänzende Informationen, z. B. Forschungsergebnisse, Literaturhinweise und aktuelle Bezüge
  • Interviews mit Lernenden, Expert*innen, Projektbeteiligten usw.
  • als Rückmeldung an Lernende
  • Live-Podcast als Audio-Konferenz

Das ideale OER beim Format Podcast

In der Vorbereitung und Planung eines Podcasts können bereits viele Aspekte abseits von technischen Fragen mit gedacht werden, die „Offenheit“ bedeuten.

Inhalte können so aufbereitet sein, dass sie auch außerhalb der potenziellen Zielgruppe als interessant wahrgenommen werden. Dazu kann z. B. auf ausgeprägte Fachsprache und auf die Verwendung von Fremdwörtern verzichtet werden. Offenheit wird aber auch signalisiert, wenn sich Zuhörende in das Podcast-Geschehen eingebunden fühlen und der Eindruck vermittelt wird, die Sprecher*innen haben sie beim Podcasten stets im Blick.

Dazu sollte etwa gehören, dass in den Podcasts auf zeitliche Bezüge verwiesen wird. Sprechen die Menschen im Podcast z. B. über Themen, die in der Vergangenheit oder der Zukunft liegen, ist es für Zuhörende hilfreich, wenn dies deutlich gemacht wird. Was Menschen tun, während sie podcasten, ist für Zuhörende nicht ersichtlich. Etwa zu erklären, wo der Podcast aufgezeichnet wird und was vielleicht außerdem gerade drumherum passiert, vermittelt den Zuhörenden einen authentischen Eindruck von der Podcast-Situation.

Technische Offenheit bezieht sich bei Podcasts auf die verwendete Software, auf das Dateiformat, auf die Frage der Auffindbarkeit und Zugänglichkeit sowie der Möglichkeiten zur Nachnutzung des Podcasts.

Grundsätzlich ist ein Podcast als OER durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Der Erstellung mit offener Software.
  • Die Bereitstellung der Dateien erfolgt in offene, nicht-proprietären Dateiformaten.
  • Es gibt einen offenen RSS-Feed, über den der Podcast abonniert werden kann.
  • Aspekte der Barrierefreiheit wurden berücksichtigt.
  • Es gibt Shownotes zum Podcast, in denen wenigstens genannte URLs verlinkt sind.
  • Der Podcast wird mit maschinenlesbaren Metadaten bereitgestellt.
  • Alle Bestandteile sind offen lizenziert (CC0 oder CC BY 4.0).
  • Alle Dateien sind über mindestens eine frei zugängliche Plattform verfügbar.

Software zur Produktion von Podcasts

Audiobearbeitung mit der Software Ultraschall
Audiobearbeitung mit Ultraschall, Foto: Gabi Fahrenkrog, CC0.

Für den Gold-Standard wird ein Podcast bspw. mit der offenen Software Ultraschall.FM oder Audacity produziert.
Beide Programme eignen sich auch als Schnittprogramm. Ultraschall.FM bietet sich in diesem Fall
besonders an. Es ist ein Open Source Projekt von Podcastenden für Podcastende. Für den Einsatz von Ultraschall.FM ist allerdings die vorige Installation der kostenpflichtigen Audiosoftware Reaper erforderlich (hier gibt es eine 60-Tage-Testversion mit dem vollen Funktionsumfang). Wird der Podcast von mehreren Akteur*innen an verteilten Orten aufgenommen, ist mindestens eine Software zur Realisierung des Audiochats nötig.

Außerdem wird der Podcast in einem offenen Dateiformat bereitgestellt (OGG, MP3 oder OPUS). Das Besondere an diesen Formaten ist, dass der Quellcode Open Source ist.

Tools und Plattformen zur Bereitstellung von Podcasts
Der fertige Podcast wird frei zugänglich zur Verfügung gestellt über

  • einen RSS-Feed, der über neu verfügbare Inhalte, etwa neue Podcasts, auf einer Webseite informiert.
  • Content Management Systeme CMS wie der Software WordPress für Blogs, in Verbindung mit der Software Podlove zum Veröffentlichen von Podcasts.
  • Vimeo, einem Dienst, bei dem die selbst hochgeladenen Dateien zum Download bereitgestellt werden können.
  • YouTube, wobei dort eine Downloadfunktion nur über das Premium-Abo zur Verfügung steht.
  • Soundcloud ermöglicht es ebenfalls Podcasts hochzuladen und erstellt auch einen entsprechenden RSS-Feed. Hier ist es wichtig in den Einstellungen darauf zu achten, dass eine OER-Lizenz (CC0, CC-BY) gewählt wird und der direkte Download der Episoden möglich ist.

Beim Veröffentlichen auf einer Drittplattform wie YouTube oder Soundcloud unterliegt der Podcast den Nutzungsbedingungen der jeweiligen Plattform. Somit kann zukünftig nicht gewährleistet werden, dass der Podcast immer auffindbar sein wird. Die beste Variante zur Veröffentlichung bei der die volle Kontrolle über die Auffindbarkeit und Weiterverwendung besteht ist daher die Verwendung einer eigenen Website mit einem CMS wie WordPress und dem Plugin Podlove.

Podcasts nutzen und nachnutzen
Die einfache und damit offene Nutzung eines Podcasts kann gewährleistet werden durch

  • das Hinzufügen von Kapitelmarken, die es ermöglichen, die Themen einer Episode mit einer Zeitmarke zu versehen, so dass zwischen den Themen schnell navigiert werden kann.
  • Das Einfügen von Shownotes, die weiterführende Informationen zu den im Podcast erwähnten Personen, Institutionen, Webseiten usw. liefern.
  • Ergänzende Bilder und Grafiken im Beitrag, die einen Sachverhalt, der verbal schwierig zu beschreiben ist, unterstützend veranschaulichen.
  • Möglichkeiten des Rückkanals für Feedback und für den Austausch mit Zuhörenden, z. B. über eine Kommentarfunktion im Blog [Link zum Beitrag Weblogs einfügen].

Eine Nachnutzung von Podcast-Dateien ist einfach möglich, wenn

  • das Schnittprojekt und alle dazu gehörenden Audiodateien mit zum Download angeboten werden, damit
    • ein Podcast zitiert und einzelne Abschnitte herausgeschnitten werden können,
    • der Podcast bearbeitet und z.B. mit neuer Musik unterlegt werden kann.

Die Auffindbarkeit von Podcasts
Der Podcast ist gut auffindbar und offen zugänglich,

  • wenn er mit maschinenlesbaren Metadaten in Form von Schlagworten oder standardisierten OER-Metadaten veröffentlicht wurde,
  • wenn es für die Suche nach Podcasts unter freier Lizenz einen (maschinenlesbaren) Lizenzhinweis gibt,
  • wenn er über bekannte Wege und eingeführte Plattformen zur Veröffentlichung bereit gestellt wird.

Lizenzhinweis bei Podcasts
Der Lizenzhinweis kann bei Podcasts auf unterschiedliche Weise angebracht werden. Dem Medium entsprechend könnte der Lizenzhinweis innerhalb des Podcasts auch gesprochen werden. Dies ist allerdings kein übliches Vorgehen, zumal der Link zur Lizenz dann ebenfalls vorgelesen werden müsste.

Es gilt, laut Empfehlung bei den Fachleuten von iRights.info, dass der Lizenzhinweis so nah am Werk angebracht sein muss, wie es möglich ist, ohne den Eindruck der Gesamtpräsentation allzu sehr zu stören. Dabei kann sich der Lizenzhinweis aber grundsätzlich überall dort befinden, wo ihn die Betrachter*innen jeweils vermuten würden. Eine Einführung zur Frage, wie und wo ein Lizenzhinweis anzubringen ist, bietet auch das Video „Creative Commons Lizenzen und ihre korrekte Verwendung“.)

Angebracht werden kann der Lizenzhinweis also etwa in den Shownotes, im Begleittext zum Podcast oder auch innerhalb des Podcasts als gesprochener Text.

Eine Übersicht mit praxistauglichen Hinweisen und Tipps zur Kennzeichnung und Veränderung von Creative Commons Lizenzen bei OER bietet ein FAQ bei wb-web.
Für eine der korrekte Angabe der Lizenz bietet der Creative Commons Licence Chooser eine Unterstützung.

Die No-Go’s beim Format Podcast

Soll ein Podcast wirklich offen als OER verfügbar sein, eignen sich die Verwendung von proprietärer Software und Technik für die Produktion, sowie geschlossene Plattformen zur Veröffentlichung, nicht. Verzichtet werden sollte auf

  • die Verwendung von Software, die nicht Open Source ist,
  • proprietäre Dateiformate, die nur mit geschlossener und nicht frei verfügbarer Software genutzt und bearbeitet werden können,
  • die ausschließliche Veröffentlichung auf Spotify, Apple Podcast, Audible und andere Streaming-Plattformen, da hier die Podcast-Dateien nicht als Download verfügbar sind und nicht in den Podcatcher geladen werden können, (trotzdem kann für eine verbesserte Auffindbarkeit der RSS-Feed des Podcasts z.B. bei Apple gelistet werden)
  • Plattformen zur Veröffentlichung von Podcasts, für die eine Registrierung notwendig ist und die nur gegen Bezahlung genutzt werden können (Paywall).

Der „ist okay“-Standard
Ein vertretbarer Kompromiss zum Gold-Standard ist:
– Die Bereitstellung des Podcasts ohne Projekt-Files.
– Die Bereitstellung des Podcasts als Audiodatei mit gängigen Dateiformaten, z.B. mp4 oder m4a.
– Eine Produktion/Bearbeitung mit proprietärer Software und daraus resultierenden Dateiformaten, solange sie mit gängigen Programmen bearbeitet bzw. abgespielt werden können (Bsp.: Format AAC).

Offene und empfehlenswerte Tools für Podcasts

Tools für die Produktion/Erstellung und die Bearbeitung von Podcasts

  • Ultraschall.FM ist ein Open-Source-Add-On für die proprietäre Software Reaper für Aufnahme und Produktion der Podcasts.
  • Audacity ist ein Open Source Programm zur Bearbeitung von Audio-Dateien.
  • Studio-Link eine Open Source Software zum Aufzeichnen von Gesprächen via Audio-Chat und Telefon, zumeist an verteilten Orten.
  • Auphonic ist ein Online-Tool (auch als Smartphone-App für Android und iOS), um Audio- und Videodateien umzuwandeln, zu optimieren und mit weiteren Informationen auszustatten.

Kollaboration bei Podcasts

Insbesondere dann, wenn mehrere Personen zusammen ein Podcastprojekt umsetzen, kann die Vorbereitung, Konzeption und Planung sehr gut kollaborativ gestaltet werden. Die Aufzeichnung von Podcasts ist in den meisten Fällen ein kollaborativer Prozess, weil Podcasts oft als Gespräche zwischen zwei oder mehr Menschen stattfinden, die aufgezeichnet werden.

Im Bildungskontext bieten sich verschiedene Formen an, die kollaborativ erarbeitet und produziert werden, z. B. Ergebnisdarstellungen, Audio-Tutorials, Interviews oder Audio-Konferenzen.

Zum Weiterlesen

Sendegate – Forum der Podcast-Community
Wiki-Seite der Universität Halle: Podcast – Digital lehren
e-teaching.org – Didaktik und Einsatzmöglichkeiten von Podcasts
Educasting. Wie Podcasts in Bildungskontexten Anwendung finden (PDF)

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Gabi Fahrenkrog und Chris Dies für OERinfo – Informationsstelle OER.

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