Wie ich Übersetzungen zu H5P-Inhaltstypen beitragen kann

Übersetzung von „Ich liebe Dich“
Translation, Foto (Ausschnitt) von Hannah Wright ( Unsplash License).

H5P ist ein sehr beliebtes OER-Werkzeug für interaktive Elemente. Wie man auch ohne Programmierkenntnisse falsche Übersetzungen von Inhaltstypen korrigieren oder fehlende Übersetzungen beisteuern kann, erklärt Oliver Tacke.

Einleitung

Die Software H5P ist recht beliebt, um Übungsaufgaben zu erstellen, die Lernende online bearbeiten können. Es kommt aber mitunter vor, dass sich in die Übersetzungen von Texten innerhalb des Programms Fehler einschleichen. Gerade bei neuen Funktionen kann es außerdem sein, dass die neuen Programmtexte noch gar nicht übersetzt worden sind. Dann steht man vor einer Mixtur aus Texten in englischer und in der eigenen Sprache. Das schöne bei H5P ist aber, dass es sich um ein offenes Software-Projekt handelt. Viele verbinden das – wenn überhaupt – damit, dass man mit programmieren kann. Tatsächlich kann man aber auch ohne Programmierkenntnisse falsche Übersetzungen von Inhaltstypen korrigieren oder fehlende Übersetzungen beisteuern.

Das Projekt H5P sieht für das Übersetzen von Inhaltstypen den Weg über github vor. Das ist eine Plattform, auf der mit dem Quelltext der Software gearbeitet werden kann. Innerhalb des Quelltextes von Inhaltstypen kann es prinzipiell für jede beliebige Sprache eine besonders formatierte Textdatei geben, die die gewünschten Übersetzungen enthält. Man muss letztlich nichts anders tun, als die Textdatei zu öffnen, die Übersetzung zu verändern und die Datei dann wieder ins Projekt zurückzuspielen – und zu warten, denn vom H5P-Kernteam prüft noch jemand, ob die Textdatei richtig formatiert ist.

Dieser Weg ist zwar praktikabel, aber für die meisten ungewohnt, wirkt „technisch“ und birgt noch einige weitere Schwachstellen. Eine davon ist Inkonsistenz. Es gibt beispielsweise im Editor mehrerer Inhaltstypen im englischen Original die Beschriftung „Optional media to display above the question“. Das zugehörige Feld erlaubt es bei einigen Inhaltstypen ein Bild oder ein Video als Einleitung einzubinden. Man könnte die Beschriftung eng an der Vorgabe mit „Medium, das wahlweise oberhalb der Aufgabe angezeigt wird“ übersetzen, aber auch mit „Optionale Medien, die über der Frage dargestellt werden“. Tatsächlich finden sich beide Übersetzungen in verschiedenen Inhaltstypen, weil es auf github ein immenser Aufwand wäre, die Übersetzungen zu vergleichen. Ein weiteres Manko ist, dass man sich nicht darüber informieren lassen kann, wenn neue zu übersetzende Begriffe hinzukommen. Und die Liste ließe sich fortsetzen.

Translate H5P

Sebastian Rettig hat sich die Offenheit des H5P-Projektes zunutze gemacht und die Plattform Translate H5P ins Leben gerufen, die den Problematiken des Übersetzens auf github begegnen soll. Sie basiert auf der ebenfalls offenen Software Weblate, die Sebastian so konfiguriert hat, dass sie die Textdateien von H5P verarbeiten kann, ohne dass man mit github selbst in Verbindung kommt. Bevor es ans Übersetzen geht, ist es ganz hilfreich, sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Neben einigen Hintergrundinformationen findet man auf der Website den Punkt „Translate!“, der einen zunächst zu einer Übersicht aller verwalteten Projekte führt. Das ist hier nur H5P. Zusätzlich kann man sich hier einen tabellarischen Überblick verschaffen, wie der allgemeine Stand der Dinge aussieht: Wie viel wurde schon übersetzt? Wie viele noch nicht übersetzte Wörter gibt es? Etc. Außerdem wird farblich hervorgehoben, wie es um die Qualität der Übersetzungen aussieht. die Länge des roten Balkens etwa gibt an, wie viele der schon existierenden Übersetzungen wohl noch überarbeitet werden sollten – beispielsweise, weil ein und derselbe Begriff über mehrere Inhaltstypen hinweg unterschiedlich übersetzt wurde.

Visualisierung zum Stand der Übesetzung
Screenshot der Visualisierung zum Stand der Übersetzung, nicht unter freier Lizenz

Über Klick auf „H5P“ gelangt man nun eine Etage tiefer. Man landet bei einer identisch aufgebauten Tabelle, in der man nun die einzelnen Inhaltstypen ausmachen kann und für diese jeweils dieselben Informationen erhält. Sie heißen hier leider nicht sprechend etwa “Multiple Choice”, sondern tragen den Namen des Verzeichnisses auf github. Es sollte allerdings keine größeren Probleme bereiten, die für einen selbst interessanten Inhaltstypen ausfindig zu machen.

Visualisierung der Übersetzungen pro Inhaltstyp
Screenshot zur Visualisierung der Übersetzungen pro Inhaltstyp, nicht unter freier Lizenz

Man kann nun beispielsweise auf „h5p-multi-choice“ klicken, um wiederum eine Etage tiefer zu gelangen. In dieser sieht man nun, für welche Sprachen bereits Übersetzungen vorliegen und wie es um diese steht. Hinter jeder Sprache prangt nun ein Button mit der Aufschrift „Translate“.

Dieser führt dann schließlich zu einer Seite, auf der man den englischen Ausgangstext und darunter ein Feld für die Übersetzung in die jeweilige Sprache sehen kann. Mit ein wenig Glück blickt man sogar schon auf einen Vorschlag, weil der zu übersetzende Text in einem anderen Inhaltstyp bereits übersetzt wurden. Vielleicht wird man aber auch darauf hingewiesen, dass es mehrere unterschiedliche Übersetzungen in unterschiedlichen Inhaltstypen gibt. Dann muss man sich entscheiden. Aber ohne eine kleine Hürde zu überwinden, kann man noch keine Übersetzungen einreichen. Dafür ist ein Konto auf der Plattform nötig.

Screenshot „Übersetzung“ von translate-h5p.tk
Screenshot „Übersetzung“ von translate-h5p.tk, nicht unter freier Lizenz

Schritt 1: Registrieren

Vor das Übersetzen haben die Götter das Registrieren gesetzt. Das funktioniert im Prinzip wie auf vielen anderen Plattformen im Netz auch und kommt wie bei vielen anderen Plattformen mit Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen daher. Nichts, vor dem man sich fürchten müsste.

Schritt 2: Einstellen

Nach dem Anmelden mit dem frisch angelegten Konto sollte der erste Weg über das noch leere Profilsymbol zu den Einstellungen („Settings“) führen. Loslegen könnte man zwar jetzt schon, aber ein paar Dinge machen das Übersetzer*innendasein doch deutlich angenehmer.

Man landet direkt auf der wichtigsten Unterseite: „Languages“. Hier kann man etwa die Oberfläche der Plattform selbst auf die eigene Sprache umschalten („Interface Language“).

Bei „Translated languages“ sollte man die Sprachen auswählen, in die man übersetzen kann. Diese kann man dann im Dashboard nämlich direkt ansteuern statt sich seinen Weg durch alle verfügbaren Sprachen zu bahnen.

Beim Punkt „Secondary languages“ sollte man schließlich angeben, welche Sprachen man eventuell versteht, auch wenn man sich nicht zutraut, in sie zu übersetzen. Sollten Texte bereits in diese Sprache übersetzt worden sein, werden sie zusätzlich zum Englischen Originaltext eingeblendet. Das kann dabei helfen, eine passende Übersetzung in die eigene Sprache zu finden.

Screenshot „Sprachauswahl“ von translate-h5p.tk
Screenshot „Sprachauswahl“ von translate-h5p.tk, nicht unter freier Lizenz

Die Einstellungen zu „Notifications“ können noch sehr hilfreich sein. Hier lässt sich festlegen, für welches Projekt diese gelten sollen – natürlich H5P – und dann sehr fein regeln, bei was für Änderungen man benachrichtigt werden möchte, etwa: „Hat das H5P-Kernteam beispielsweise neue Funktionen mit neuen Texten hinzugefügt, die übersetzt werden müssen?“ oder „Hat jemand einen Kommentar zu einer Übersetzung hinterlassen?“

Schritt 3: Übersetzen

Sind die Einstellungen erledigt, kann es auch schon losgehen. Man kann sich nun, wie eingangs gezeigt, zum Inhaltstyp seiner Wahl vorarbeiten oder sich den Texten widmen, die einem nun im Dashboard zum Bearbeiten vorgeschlagen werden. Der Button mit der Aufschrift „Vorschlagen“ („Suggest“) ist nun nicht mehr gesperrt, sondern kann angeklickt werden. Es handelt sich aber wirklich nur um einen Vorschlag, der zunächst noch von einer/einem Redakteur*in durchgesehen werden muss, um Missbrauch vorzubeugen – womöglich gibt es auch noch keinen für eine Sprache, dann kann man Sebastian kontaktieren und selbst eine/r werden. Er/sie kann dann letztlich auf Knopfdruck alle aufgelaufenen Übersetzungen automatisch in Richtung github übertragen, ohne sich um die Textdateien dort kümmern zu müssen. Dann muss wiederum nur noch jemand von H5P-Kernteam diese Übersetzungen akzeptieren, und schon hat man einen eigenen Beitrag zu H5P geleistet.

P.S.

Der Betrieb einer solchen Plattform kostet Geld. Du kannst gerne Sebastian über das Kontaktformular ansprechen, falls du ihm ein paar Euros in den Hut werfen möchtest.

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Oliver Tacke für OERinfo – Informationsstelle OER.

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