Erfahrungen austauschen – Wissen teilen: Call for Contribution zur OER-Tagung in Oldenburg

Screenshot OpERA, nicht unter freier Lizenz.
Screenshot OpERA, nicht unter freier Lizenz.

Am 14. und 15. Dezember 2017 findet in Oldenburg die Netzwerkveranstaltung zum Thema OER in der wissenschaftlichen Weiterbildung an Hochschulen statt. Das Verbundprojekt „OpERA – Open Educational Resources in der akademischen Weiterbildung“ lädt zu dieser Tagung alle ein, die ihre Erfahrungen mit OER teilen wollen. Schwerpunkte sind die Themen Einführung von OER, Schulung von Multiplikator*innen, Qualitätssicherung und rechtliche Fragen.
Hierzu gibt es einen Call for Contribution. Einreichungen sind bis zum 30.09.2017 möglich.
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OER im Stiftungskontext – Bertelsmann Stiftung veröffentlicht Leitfaden

Ausschnitt aus dem Poster „Der Weg zur passenden Creative Commons Lizenz“ von Anne Vagt (Grafik), Sonja Borski und Jöran Muuß-Merholz (Konzept und Text) für die Bertelsmann Stiftung, CC BY 4.0
Ausschnitt aus dem Poster „Der Weg zur passenden Creative Commons Lizenz“ von Anne Vagt (Grafik), Sonja Borski und Jöran Muuß-Merholz (Konzept und Text) für die Bertelsmann Stiftung, CC BY 4.0

Welche Anforderungen ergeben sich für Stiftungen, die OER veröffentlichen und verwenden wollen? Die Broschüre „Freie Lizenzen – einfach erklärt“, herausgegeben von der Bertelsmann Stiftung, geht dieser Frage nach. Autor*innen sind unter anderem Jöran Muuß-Merholz und Dr. Till Kreutzer. Neben Erläuterungen zu den verschiedenen Creative Commons Lizenzen bietet die Broschüre ein Poster, das die Entscheidungsfindung für eine Lizenz unterstützt.

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OER einführen

Veränderungsprozesse

Change Management oder Veränderungsmanagement kann Strategien und Ansatzpunkte für Organisationen und Einzelpersonen bieten und ermöglicht es organisatorische und strukturelle Änderungen in Prozessabläufen und Richtlinien zu erarbeiten. Veränderungsprozesse können sehr gut auch in kleineren Organisation oder Organisationsteilen umgesetzt werden. Wichtig sind in erster Linie ein gutes Konzept und Unterstützer und Befürworter, die das Projekt tragen.
Helfen kann hierbei z.B. die folgende Checkliste:

  • Entwicklung eines Veränderungsplans bzw. eines zur Institution passenden OER-Leitbildes
  • von den Änderungen betroffene Personen und ihre Ziele definieren
  • Notwendigkeit, gesteckte Ziele und Vorteile des Einsatzes von OER möglichst effektiv und klar kommunizieren
  • mögliche Risiken sowie etwaige Abhängigkeiten beachten und Kosten planen
  • einen Trainings- und evtl. sogar Qualifizierungs-Plan zum Thema OER entwickeln und anbieten, um Lehrende zu unterstützen und Hilfe zu signalisieren

Tipps

  • Eine Graswurzelbewegung wie die OER-Initiative sollte aus strategisch-hierarchischer Sicht gesehen gleichermaßen von oben nach unten (Top-Down) wie von unten nach oben (Bottom-Up) stattfinden.
  • Bei Widerstand einzelner Personen lohnt es sich, das persönliche Gespräch zu suchen.
  • Veränderungen sind Prozesse, die nicht über Nacht geschehen – Fine-Tuning und Optimierungen sind nicht nur möglich, sondern ein erwarteter Faktor.

Weitere Materialien zu dem Thema befinden sich auch im OER-Contentbuffet.
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Einführung einer OER-Policy

Policy Development Tool

Das amerikanische Unternehmen Lumen Learning hat ein sogenanntes OER Policy Development Tool veröffentlicht. Dieses basiert auf einer Vielzahl bestehender OER-Policys und ermöglicht es dem Nutzer durch verschiedene Kombinationen und Komponenten einen Ansatz für eine individuelle OER-Policy zu entwerfen.

Bildkarten

Mit Veränderungsprozessen sind immer auch emotionale Aspekte verknüpft. Ein möglicher Ansatzpunkt in Auftaktworkshops zum Thema OER ist die Arbeit mit Bildkarten, um einen assoziativen Zugang zu persönlichen Bedenken, Vorbehalten, Wünschen oder Bedürfnissen zu eröffnen. Auch kann somit die Kommunikation und Reflexion dieser Emotionen unterstützt werden. Gleichzeitig nähern sich die Teilnehmer*innen der Veranstaltung dem Thema evtl. aus neuen Richtungen, die Diskussionen gut unterstützen, insbesondere zu Beginn eines Prozesses.

Sammlung OER Einführen und Policy im Content-Buffet

Im OER-Contentbuffet gibt es eine Sammlung mit Materialien zum Thema OER einführen. Sie beziehen sich auf sowohl auf Institutionen wie die Hochschule als auch auf das Etablieren von OER-Policies in größeren Zusammmenhängen. 

OER-Policy-Hub

Das Team der OER World Map hat eine Sammlung von OER-Policies weltweit gestartet und an die 200 Dokumente gesammelt, die zeigen, wie OER strategisch eingeführt und weiterentwickelt werden kann.
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Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Team OERinfo für OERinfo – Informationsstelle OER.

OER in die Praxis integrieren

Zwei zentrale Grundgedanken des Konzepts der offenen Bildungsmaterialien sind Austausch und Zusammenarbeit. Eine Gemeinschaft von Praktikern ist deshalb der ideale Ort um das Potenzial von OER voll zu entfalten. Das Modell der Communities of Practice bietet dabei eine nützliche Orientierung für Lehrende oder Institutionen für den Aufbau einer OER-Praxisgemeinschaft bzw. die Integration von OER in eine bestehende Community. Eine Anleitung in sechs Schritten.

Was ist eine Community of Practice?

Austausch und Zusammenarbeit können sowohl als Bedingung, als auch als Ergebnis der Einführung von OER betrachtet werden- auf den ersten Blick ein Henne-Ei-Problem. Jedoch brauchen Austausch und Zusammenarbeit immer einen Beitrag von mehreren Menschen. Idealerweise ist dies eine Gemeinschaft von Menschen, die in ähnlicher Weise praktisch tätig sind. Daraus ergibt sich die Chance, die Erstellung und den Austausch von offenen Bildungsmaterialien in die Routine des Praxisfeldes zu etablieren. Das vor allem in der Organisationsentwicklung und im Bereich der beruflichen Weiterbildung vielbeachtete Modell der „Communities of Practice“ (CoP) (Wenger 1998) geht davon aus, dass durch eine gemeinsame Praxis eine Gemeinschaft entstehen kann, die sich durch ein gemeinsames Interesse, aufeinander bezogenes zwischenmenschliches Handeln und ein gemeinsames Repertoire (zum Beispiel an Überzeugungen, Konzepten und Routinen) auszeichnet. CoP haben einen selbstorganisierenden Charakter und können sich sowohl online als auch offline bilden – auch Hybride sind denkbar. Dadurch ist es jedoch schwierig, ein allgemeingültiges Regelwerk für die erfolgreiche Etablierung einer CoP zu geben.

OER-Integration Schritt für Schritt

Grundsätzlich sind für den Aufbau einer CoP Maßnahmen geeignet, welche die oben genannten Dimensionen in ihrem Wachstum zu fördern, z.B. durch:

  • Etablierung von Workflows und Ritualen (z.B. für das Lizensieren von OER oder kollegiale Feedback-Routinen)
  • Schaffen von öffentlichen und geschützten Räumen für den wechselseitigen Austausch und Zusammenarbeit
  • Etablierung von verschiedenen Möglichkeiten der Teilhabe.

Um offene Bildungsressourcen als Standard in einer Institution bzw. einer Gemeinschaft von Lehrenden zu etablieren, sollten OER Schritt für Schritt eingeführt werden. Um den Prozess erfolgreich zum Abschluss zu bringen, empfiehlt es sich, dabei folgende Punkte zu beachten:

  • Relevante Personen und Ebenen sollten so früh wie möglich und sinnvoll in den Prozess eingebunden werden.
  • Die gesammelten Erfahrungen und erarbeiteten Ergebnissen sollten kommuniziert bzw. als OER veröffentlicht werden.
  • Nutzen Sie das Potenzial von OER als Alleinstellungsmerkmal und Reputationswerkzeug, indem Sie frühzeitig damit beginnen Ihre Bemühungen nach außen zu kommunizieren.

Die nachfolgend beschriebenen Schritte sind als grobe Orientierung zu verstehen. Sie müssen selbstverständlich auf die eigenen bzw. institutionellen Voraussetzungen und Bedürfnisse angepasst umgesetzt werden.

1. Machen Sie auf das Thema OER aufmerksam

Sprechen Sie das Thema zum Beispiel auf einer Mitarbeiterversammlung an oder thematisieren Sie das Konzept bei passender Gelegenheit im informellen Gespräch mit Kollegen und Kolleginnen. Diskutieren Sie die Chancen und Herausforderungen des Themas für die Institution und/oder Sie als Lehrende.

2. Finden Sie Gleichgesinnte

Nehmen Sie Kontakt zu anderen Lehrenden in ihrer Einrichtung oder in ihrem Arbeitsfeld auf, die ein Interesse am Thema OER haben. Tauschen Sie ihre jeweiligen Erfahrungen zur Nutzung und Erstellung von OER aus – formell wie informell.

3. Starten Sie ein kleines OER-Experiment

Schon Erich Kästner wusste: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Ob Sie nun schon OER aktiv gestaltet haben oder nicht, tun Sie sich mit interessierten Kollegen und Kolleginnen zusammen und wagen Sie gemeinsam das Experiment, eine OER zu erstellen. Im Verlauf ergeben sich natürlich Fragen, es müssen Schnittmengen und Kompromisse gefunden sowie Entscheidungen getroffen werden. Dies sind allesamt Prozesse, welche wechselseitige Verbindlichkeit stärken. Außerdem bietet sich dabei die Gelegenheit etwas dazu zu lernen – trotz oder gerade wegen der Tatsache, dass die Kolleginnen und Kollegen Kurse zu anderen Themen geben. Das Erstellen und Veröffentlichen von OER muss sich dabei nicht auf die Ebene der Kursleitenden beschränken. Die gemeinsame Erarbeitung mit Kursteilnehmer*innen kann genauso erkenntnisreich sein.

4. Vom OER-Experiment zum OER-Projekt

Die logische Evolution des Experiments ist ein OER-Projekt, das Sie und Ihre Mitstreiter wie Mitstreiterinnen gemeinsam gestalten. Ein kleines Projekt könnte zum Beispiel das gemeinsame Erarbeiten und Durchführen eines Kurses oder einer Fortbildungsreihe zu einem Thema sein.
Zeitlich begrenzte Projekte haben mehrere Vorteile. Sie sind im Ressourcenbedarf besser abschätzbar und in der Regel besser zu finanzieren. Mit einer entsprechenden Zahl an Beteiligten hält sich der Aufwand für den/die Einzelnen im überschaubaren Rahmen. Trotzdem ist ein Projekt in der Regel umfangreich genug, dass es der Einrichtung von Workflows und Routinen erfordert und so die Entstehung von Ritualen fördert. Dem kollaborativen OER-Gedanken folgend sollte dabei Möglichkeiten und (physischen, zeitlichen, digitalen…) Räumen für Zusammenarbeit, Austausch und Feedback einen großer Stellenwert zugewiesen werden. Je nachdem wie das Projekt konzipiert ist, lassen sich später einige oder sogar alle davon auf die gesamte Abteilung oder die Einrichtung als Ganzes übertragen. Ein nützliches Werkzeug für die Planung eines Projekts ist der OER-Canvas für Projekte. Ein Beispiel wie ein kleines Projekt entstehen und gelingen kann finden Sie im nachfolgenden Video:

Dieses Video „Kleine OER-Projekte erfolgreich“ realisieren: warum und wie?“ steht unter der Lizenz CC BY 4.0. Als Urheber sollen genannt werden: Agentur J&K – Jöran und Konsorten für OERinfo gemeinsam mit Nele Hirsch. Die gezeigten Folien von Nele Hirsch stehen unter der Lizenz: CC BY 4.0.

5. Entwickeln Sie eine OER-Strategie

Entwickeln Sie auf der Grundlage Ihrer gemeinsamen Erfahrungen aus den Schritten 3. und 4. eine Strategie, um die Nutzung, Gestaltung und Veröffentlichung von OER zum Bestandteil ihrer Praxis bzw. der institutionellen Praxis zu machen. Die Strategie umfasst sinnvollerweise auch Festlegungen um langfristig die Qualität und die Finanzierung zu sichern. Einen geeigneten Rahmen für die Erarbeitung kann zum Beispiel eine kollegiale Beratung (für eine individuelle Strategie) oder eine Zukunftswerkstatt (für eine institutionelle Strategie) sein. In die Werkstatt sollten alle Beteiligten bzw. Betroffenen einbezogen werden. Spätestens an diesem Punkt zahlt es sich aus, wenn Sie Ihre Aktivitäten frühzeitig innerhalb der Einrichtung kommuniziert haben. Die erfolgreiche Einführung von OER ist in Institutionen zumeist als gemischter Prozess (Bottom-Up, Top-Down, Peer-to-Peer) zu verstehen. Eine Zwangsverordnung ist der Akzeptanz von Maßnahmen gegenüber abträglich und widerspricht außerdem dem Gedanken der Offenheit der OER-Praxis. Das Werben um Beteiligung sowie deren systematische Sichtbarmachung und Würdigung in Verbindung mit dem zur Verfügung stellen von Ressourcen erweist sich mittel- und langfristig oft als nachhaltiger.

6. Integrieren Sie OER-Prinzipien in das institutionelle Selbstverständnis

Viele Bildungseinrichtungen und -dienstleister verfügen bereits über ein Selbstbild respektive eine Corporate Identity (CI). Die CI bietet Orientierung für Kunden ebenso wie für (zukünftige) Mitarbeitende, und ist ein zentrales Werkzeug für die Imagepflege. Die Erstellung und Annahme einer OER-Strategie bietet die Gelegenheit, OER-Prinzipien, wo möglich und sinnvoll, in das eigene Selbstverständnis zu integrieren. Dies erhöht die Chance, dass sie nicht nur Worthülsen auf geduldigem Papier bleiben. Ein Beispiel für eine gelungene Integration von OER-Prinzipien in das Selbstverständnis findet sich beispielsweise bei der Agentur für Medienbildung.

Quellen und weiterführende Lektüre:
Arnold, P.: Open Educational Resources und Communities of Practice. Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei der gemeinschaftlichen Entwicklung freier Bildungsressourcen. In: Bergamin, P.; Muralt Müller, H.; Filk, C. (Hrsg.)(2009): Offene Bildungsinhalte (OER). Teilen von Wissen oder Gratisbildungskultur? 1. Aufl. Bern: hep Bildungsverlag
Wenger, E. (1998): Communities of Practice. Learning, Meaning, and Identity. Cambridge: Cambridge University Press.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jan Koschorreck, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), für OERinfo – Informationsstelle OER.