OERcamp Nord voraus!

Eine FAQ als Live-Video mit Gastgeber Jöran Muuß-Merholz

Becher, Foto von Sonja Borski, CC0

Am Freitag startet in Hamburg das OERcamp Nord. Es gibt mehr als 200 Anmeldungen, 43 Workshops und viel Raum für Barcamp-Sessions.

Welche Schwerpunkte gibt es im Programm? Welche Großveranstaltung konkurriert in Hamburg mit dem OERcamp? Was ist die geheime Überraschung am Freitagabend? Und was hat es mit dem #OERcamp17-Kaffeebecher auf sich?
Alles, was man vorher wissen sollte, gibt es in diesem Video. Gastgeber Jöran Muuß-Merholz hat sich vor der OERinfo-Kamera im neuen Format des Veranstaltungs-FAQ-Live-Videos versucht.

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Länderübergreifend Strategien für die Förderung und Verbreitung von OER entwickeln

Interview zum 2nd OER Policy Forum in Warschau

Foto von Matthias Andrasch unter CC BY 4.0
Foto von Matthias Andrasch unter CC BY 4.0

Seit dem ersten OER Policy Forum 2016 hat das Thema OER besonders in Deutschland deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Am 01. und 02. Juni 2017 fand nun das zweite OER Policy Forum in Warschau statt. Matthias Andrasch hat für das Bündnis freie Bildung (BfB) teilgenommen und schildert seine Eindrücke im Interview mit OERinfo.
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Mit OER lernen / Allgemein

Offene Bildungsmaterialien sind in der Regel kostenlos – in ihnen schlummert also das Potenzial, Bildungsausgaben zu senken. Als erstes denkt man dabei an Schulbücher, für die je nach Bundesland Eltern bis zu 100 EURO pro Schuljahr aufbringen müssen. Gerade einkommensschwache Haushalte werden dadurch besonders belastet – mit möglichen Folgen für die Bildung der Kinder. So könnte die Bereitschaft sinken, eine längere Schulausbildung zu finanzieren. Konzepte für staatlich zugelassene, offene Schulbücher existieren bereits (Heimstädt, Dobusch 2017, S. 46 f.). Für ihre Umsetzung müsste die Erstellung von OER finanziell gefördert werden. Dass dies funktioniert, zeigt Norwegen: Dort fließen 20 % der staatlichen Ausgaben für Lehrmittel in die OER-Entwicklung (Müller 2019, S. 8).

Alle haben gleiche Chancen auf Bildung

Im Hochschulbereich geben Studierende 20 EURO pro Monat für Lernmaterial aus, wobei hier deutliche Unterschiede zwischen hoher (24 EURO) und niedriger Bildungsherkunft (17 EURO) der Studierenden erkennbar sind. Dass kostenfreie OER besonders Studierende entlasten, die ihr Studium mit staatlicher Unterstützung bestreiten oder selbst zum Teil finanzieren müssen, zeigen Studien aus den USA. Dort müssen Studierende weitaus mehr für klassische Textbücher ausgeben als hierzulande. Aber wenn durch OER Kosten gespart werden, steigen die Chancen, die Studienzeit zu verkürzen und das Studium tatsächlich abzuschließen (vgl. Colvard; Watson; Park 2018, S. 269 f.).

Das Lernmaterial ist wertvoll

Mit OER-Lernmaterialien lässt sich ebenfalls erfolgreich studieren. So weisen zahlreiche, US-amerikanische Studien nach, dass in Kursen, in denen OER-Bücher zum Einsatz kommen, die Studierenden bei den Prüfungen genauso gut abschneiden wie die Studierenden, die mit klassischen Kursbüchern lernen. OER haben auch bei den Lerner*innen einen guten Ruf, teils empfinden sie das freie Material hochwertiger als verlagsveröffentliches Material (vgl. Colvard, Watson, Park 2018, S. 263). Dass auch klassische Schulbücher nicht unfehlbar sind, zeigte der Schulbuchtest von der Stiftung Warentest 2007: Die Tester merkten zahlreihe inhaltliche Fehler in Geschichts- und Biologiebücher an.

Jeder kann das eigene Lernen frei gestalten  

YouTube hat sich zur Lernplattform Nummer eins entwickelt. Lerner*innen nutzen sie, um Themen aus dem Unterricht nachzuarbeiten, Wissenslücken zu schließen oder sich auf Prüfungen vorzubereiten. YouTube-Inhalte sind nicht zwangsläufig OER, da viele Videos nicht unter offenen Lizenzen stehen und auch nicht zur Weiterbearbeitung gedacht sind. An der Beliebtheit der Plattform für Lernzwecke lässt sich aber ablesen, dass zusätzliche Lernmaterialien, die einfach zugänglich sind, einen festen Platz im Lernalltag haben. Grund dafür ist, dass sie es Lerner*innen ermöglichen, das eigene Lernen individuell zu gestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. OER, die sich explizit zur Wiederverwendung und zum Remixen verstehen, sind umso mehr geeignet, diesen Bedarf abzudecken.

Lernen zu lernen fürs lebenslange Lernen

Wissen, wie man lernt, ist eine Vorbedingung für die Nutzung von OER, gleichzeitig ist es auch Ergebnis des Lernens mit OER (vgl. Fanger 90) – gerade wenn es um die Produktion von eigenen Materialien geht. Wer offene Lernmaterialien erstellt, lernt ein eigenes Thema zu finden, es zu recherchieren, die Ergebnisse kritisch zu beleuchten, das Thema für die Vermittlung in einzelne Schritte herunterzubrechen, sich ein Lerndesign zu überlegen und vor allem digitale Services und Tools zu nutzen (vgl. Marquardson, Schuetzler 2019, S. 13). Dieses Wissen bietet die beste Voraussetzung für das lebenslange Lernen, das im Zeitalter des stetigen digitalen Wandels unabdingbar ist.

Fünf Tipps um mit OER besser zu lernen

  1. Eignen Sie sich Fähigkeiten für das Lernen in der digitalen Welt an

Wenn Sie mit OER lernen möchten, dann sollten Sie sich Digitalkompetenzen aneignen. Insbesondere Rechercheskills sind gefragt, damit Sie OER auch finden können. Insbesonders sollten Sie sich überlegen, mit welchen Suchbegriffen Sie Lernmaterialien finden, die Ihnen weiterhelfen. Machen Sie sich auch mit OER-Materialplattformen vertraut und finden Sie heraus, mit welchen Suchmaschinen Sie speziell nach lizenzfreien Materialien suchen können. Wenn Sie selbst OER selbst herstellen und mit anderen Lerner*innen teilen möchten, sollten Sie wissen, wie freie Lizenzen funktionieren. Zudem ist es hilfreich, einige Softwareprogramme bedienen zu können, mit denen sich einfach Lernmaterialien produzieren lassen.

  1. Lernen Sie sich als Lerner kennen

Um mit OER, aber auch mit anderen Selbstlernmaterialien, gut zu lernen, sollte man sich als Lerner*in gut kennen: Was kann ich? Was weiß ich? Welche Lücken habe ich? Wie lerne ich am besten? Welche Materialien brauche ich für meine Fragen? OER-Plattformen geben hier Hilfestellung. Viele achten nicht nur auf eine korrekte Lizensierung, sondern prüfen auch, ob die dargebotenen Materialien inhaltlich korrekt sind und didaktisch angemessen aufbereitet wurden. Manche ermöglichen es sogar mit Filtern, Materialien für die eigenen Lernziele zu finden.  

  1. Seien Sie neugierig

Ein Faktor, um mit OER erfolgreich zu lernen, ist eine positive Einstellung (vgl. Afolabi 2017, S. 123).  Wer schon mit Zweifeln an das Lernen mit OER herangeht, der lernt tatsächlich weniger gut mit OER als Lerner*innen, die sich auf OER unvoreingenommen einlassen. Vielleicht möchten Sie sich im Vorfeld über offene Bildung informieren? Oder wissen, warum Sie offenen Bildungsmaterialien Vertrauen schenken können? Oder möchten Sie sich durch die guten Erfahrungen anderer von OER überzeugen lassen?

  1. Genießen Sie Ihre aktive Rolle

Beim Lernen mit OER gestalten Sie Ihre eigenen Lernprozesse mit. Diese Verantwortung kann eine Bereicherung, aber auch eine Belastung sein. Plötzlich gibt es keine klaren Instruktionen mehr, den man lediglich folgen muss, sondern Sie dürfen sich den eigenen Lernweg selbst erarbeiten. Unterrichtsstunden sind nicht mehr klar strukturiert, sondern laufen freier ab. Die Lehrkraft ist nicht mehr Gravitationszentrum des Unterrichts, sondern begleitet lediglich die Lernprozesse als Coach und Moderator. Lassen Sie sich nicht verunsichern und ziehen Sie Stärke aus dem Rollenwandel.

  1. Suchen Sie sich Mitstreiter*innen

Zentral für das Lernen mit OER sind die Kommunikation und der Austausch mit Gleichgesinnten. Denn offene Bildungspraktiken setzen auf Schwarmintelligenz statt Einzelkämpfertum. Arbeiten Sie gemeinsam offene Kurse durch, tauschen Sie sich über Lernfortschritte in Foren aus, taggen Sie gutes Material für andere Lernende. Dadurch kann sich ein Gefühl von Empowerment einstellen, wie die Teilnehmerinnen an der Open University Singapore zeigen, die alle als Hausangestellte arbeiten. Neben der Flexibilität, die das mobile Lernen ihnen bietet, hat gerade der Austausch mit anderen Lernenden sie darin bestärkt, aktiv durch Bildung ihren sozialen Status verändern zu können. (Chib, Bentley, Wardoyo 2019, S. 57f).

verwendete Literatur

Afolabi, Folashade: First Year Learning Experiences of University Undergraduates in the Use of Open Educational Resources in Online Learning. In: International Review of Research in Open and Distributed Learning, 18 (2017) 7, S.112-125.

Chib, Arul; Bentley, Caitlin; Wardoyo, Reidinar-Juliane: Distributed Digital Contexts and Learning: Personal Empowerment and Social Transformation in Marginalized Populations. In: Education Research Journal, 27 (2019) 58, S. 51-60.

Colvard, Nicholas B.; Watson, C. Edward; Park, Hyojin: The Impact of Open Educational Resources on Various Student Success Metrics. In: International Journal of Teaching and Learning in Higher Education, 30 (2018) 2, S.262-276.

Fanger, Constanze: Verstehen, Transdisziplinarität und implizites Wissen: Die Herausforderung durch Freie Bildungsmedien und Digitale Archive. –  Aus:  Missomelius, Petra (Hrsg.):  Freie Bildungsmedien und digitale Archive. Medien – Wissen – Bildung.  Innsbruck: Innsbruck Univ. Press (2014), S. 89-103.

Heimstädt, Maximilian; Dobusch, Leonhard: Perspektiven von Open Educational Resources (OER) für die (sozio-)ökonomische Bildung an Schulen in NRW und in Deutschland. Düsseldorf: FGW – Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung e.V. 2017.

Marquardson, Jim; Schuetzler, Ryan M.: Teaching Tip: Learning by Teaching through Collaborative Tutorial Creation: Experience Using GitHub and AsciiDoc. In: Journal of Information Systems Education, 30 (2019) 1, S.10-18.

Müller, Frank J.: Chancen und Herausforderungen staatlich finanzierter, frei verfügbarer Bildungsmaterialien (OER) am Beispiel der Plattform ndla.no in Norwegen. Ein Weg zu mehr Inklusion? Hamburg : Verlag ZLL21 e.V. 2019.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Sigrid Fahrer, DIPF OERinfo – Informationsstelle OER.
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Weitere Linktipps zu OER und Didaktik finden Sie beim Deutschen Bildungsserver

Zum Start von OERinfo im Sommer 2017 – Ingo Blees im Interview

Grafik von Sonja Borski unter CC BY 4.0
Grafik von Sonja Borski unter CC BY 4.0

Mit der Vorstellung des neuen Designs wurde ein weiterer Schritt vollzogen hin zum erweiterten Angebot von OERinfo. Warum der Relaunch des Web-Angebots auf Sommer 2017 verlegt wurde und was danach von OERinfo zu erwarten ist, erläutert Projekt-Koordinator Ingo Blees im Interview.
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Was könnte K.I. zu OER beitragen?

Interview mit Davor Orlic und Mitja Jermol

Im Rahmen des zweiten World OER Congress im September 2017 gibt es einen besonderen Fokus auf die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (K.I.) für OER. Wir haben Davor Orlic und Mitja Jermol, Gastgeber und Organisatoren des World Congress, getroffen und gefragt, was denn K.I. für die Verbreitung und Nutzung von OER beitragen könnte.


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Creative Commons – „State of the Commons-Bericht 2017“ veröffentlicht

Screenshot, nicht unter freier Lizenz
Screenshot, nicht unter freier Lizenz

Seit 2006 hat sich die Anzahl der unter Creative Commons lizenzierten Werke um 860% gesteigert. Mit dem aktuellen „State of the Commons-Bericht“ der Creative Commons Organisation legt die Trägerorganisation der Lizenzen den Schwerpunkt aber nicht auf eine quantitativen Darstellung. Vielmehr wird in diesem Jahr anhand von Beispielen aus aller Welt, die Kreativität der verschiedenen Communities im Umgang mit frei lizenzierten Werken aufgezeigt.
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„Virtually Connecting“ – jetzt auch in Deutschland

Video-Interview mit Martina Emke und Christian Friedrich

Virtually Connecting ist eine Praxis von Open Education, die den Zugang zu Bildungsveranstaltungen erleichtern will. Dafür werden beispielsweise bei Tagungen virtuelle Treffen zwischen Teilnehmenden vor Ort und Interessierten aus aller Welt organisiert. Das Besondere: Es geht nicht etwa um eine andere Form von Livestream und Q&A-Chat, sondern um eine Erweiterung der Unterhaltungen beim Kaffee in der Konferenzpause.
Martina Emke und Christian Friedrich sind zwei der bisher wenigen Menschen aus Deutschland, die sich in der globalen Community engagieren. Für OERinfo erklären sie im Interview mit Jöran Muuß-Merholz, wie genau Virtually Connecting funktioniert und kündigen einen Einsatz beim OERcamp Nord in Hamburg an.

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OER-Recht, Hacking H5P, Barrierefreiheit im Digitalen und unterschätzte OER-Formate

Impressionen vom OERcamp West

Plenum beim OERcamp in Köln, Foto: Gabi Fahrenkrog, CC BY 4.0
Plenum beim OERcamp in Köln, Foto: Gabi Fahrenkrog, CC BY 4.0

Rund 160 Interessierte aus allen Bildungsbereichen kamen am 12. und 13. Mai zum zweiten der insgesamt vier #OERcamps 2017 an die TH Köln. Unter den insgesamt 67 Workshops und Sessions boten sich den Teilgebenden ungewöhnliche Formate wie etwa eine Gerichtsverhandlung zu OER-Fragen oder eine H5P-Hacking-Session.

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Das war das #OERcamp 2017 West in Köln

Die wOERtspiele gehen weiter und weitere Highlights aus dem Twittergewitter beim #OERcamp17 in Köln

Zusammengestellt von Alexandra Hessler

Eröffnung des zweiten #OERcamp17 in Köln durch jOERan: Auftakt zu zwei Tagen mit viel Input, Praxistipps und wOERtspielen…

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#OERcamp 2017 West in Köln

Vier Möglichkeiten zur Teilnahme online

ein Sessionplan auf einer Pinnwand
Foto „Sessionplan analog“ von Gabi Fahrenkrog für OERinfo unter CC BY 4.0

Am Freitag und Samstag, 12. und 13. Mai 2017 treffen sich in Köln rund 200 Menschen für das zweite #OERcamp in 2017. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, erklären wir vier Möglichkeiten zur Tele-Partizipation. Weiterlesen >