OER nutzen oder selbst erstellen: Wo man geeignete Materialien findet

Wer offen lizenzierte Materialien in Bildung und Lehre verwenden will, muss sie erstmal finden. Wo es geeignete Materialien gibt, was der Vorteil von OER ist und worauf es bei der Nutzung ankommt, erläutert dieser Text.

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Foto: Andrew Writer (via Flickr), CC BY 2.0

Ein Beitrag von Maya El-Auwad

Open Educational Resources (OER) spielen in der Lehre und für die Erstellung von Lernmaterialien eine wichtige Rolle: Der Bedarf an digitalen Inhalten wird größer und die Hochschullehre internationaler – das lässt auch die Nachfrage nach frei verfügbaren Lehrmaterialien steigen.

Wofür OER gut sind

Für Bildungseinrichtungen und Lehrende bieten OER viele Vorteile: Offen lizenzierte Materialien lassen sich – im Vergleich zu herkömmlichen Lehrmaterialien wie etwa klassische Schulbücher – ungehinderter nutzen, kopieren, verändern und wiederveröffentlichen.

Erreicht wird das durch freie Lizenzen, insbesondere Creative-Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen), die den Verwendenden mehr erlauben als das Urheberrecht allein. Das klappt durch eine rechtliche Konstruktion. Mit der Freigabe per CC-Lizenz verzichten die Urheber*innen nicht insgesamt auf ihren urheberrechtlichen Schutz, sondern fügen den Werken eine Art Geschäftsbedingung in Form der freien Lizenz bei: Jede*r darf sie im Rahmen der Lizenzbedingungen nutzen und verwerten, bearbeiten und verbreiten.

Ziel von OER ist es unter anderem, Bildung und Wissen so breit und frei wie möglich zugänglich zu machen. Darüber hinaus trägt die Möglichkeit, Werke uneingeschränkt zu bearbeiten, zu vervielfältigen und zu verwerten, dazu bei, dass Lehr- und Lernmaterialien angepasst und weiterverbreitet werden können. Sie werden heute am häufigsten in digitaler Form angeboten, was ihre Weiterverbreitung noch vereinfacht und vorantreibt. Offene Bildungsmaterialien können auch offenes selbstbestimmtes und kollaboratives Lernen unterstützen.

OER erstellen: Je offener die Lizenz, desto besser

Für Ersteller*innen von OER geht es dabei vor allem darum, die richtige Lizenz für die eigenen Materialien zu finden. Grundsätzlich gilt: Je offener die Lizenz, desto leichter die Nachnutzung und desto besser die Verbreitungsmöglichkeiten.
Gerade im Bildungskontext ist die Nachnutzung, etwa in Form von nachträglicher Anpassung oder Rekombination mit anderen, offen lizenzierten Inhalten wichtig. Deshalb sind Lizenzen, die Bearbeitungen zulassen, besonders geeignet. In der OER-Community gelten die Lizenzmodule BY (was für die Namensnennung des Urhebers, englisch „by“, steht) und SA (was für „share alike“ steht, Weitergabe von Bearbeitungen unter gleichen Bedingungen) als sinnvoll. Beide Module erlauben die Nachnutzung von lizenzierten Materialien. Was man beim Einräumen von Creative-Commons-Lizenzen beachten sollte, welche Module bei CC sonst noch zur Auswahl stehen und was man beim Einräumen von CC-Lizenzen wissen sollte, erläutert Georg Fischer für OERinfo.

OER finden – und richtig lizenzieren

Wer frei lizenzierte Werke und Materialien verwenden will, muss sie erst einmal finden. Die klassischen Online-Suchmaschinen, wie Google oder Flickr für die Bildsuche, bieten spezielle Filter, um die Suche beispielsweise auf Creative-Commons-lizenzierte Inhalte einzugrenzen.

Sucht man bei Google nach einem Bild, klickt man auf den „Suchfilter“ und dann den Reiter „Nutzungsrechte“. Dort kann man die Art der Lizenz, zum Beispiel Creative Commons, auswählen. Die Suchmaschine zeigt dann nur noch CC-lizenzierte Bilder an. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie man das Bild verwenden kann, kann unter dem Bild auf „Lizenzdetails“ klicken.

Screenshot Google Bildersuche, Suchfilter Nutzungsrechte zur Suche nach offen lizenzierten Materialien
Google Bildersuche, Screenshot: Maya El-Auwad, nicht unter freier Lizenz

Es gibt aber auch eine auf CC-Lizenzen spezialisierte Suchmaschine, die seit kurzem Openverse heißt (zuvor war sie unter dem Namen „CC Search“ erreichbar). Nutzer*innen können CC-lizenzierte Fotos, Bilder und Audioinhalte suchen und nutzen: Nach der Suchbegriffeingabe kann man auf der Openverse-Seite die Suchergebnisse sichten und gegebenenfalls Dateien herunterladen. Beim Nachnutzen, Bearbeiten, Weiterverbreiten und Erstellen von OER müssen die Lizenzbedingungen aller verwendeten Materialien beachtet werden. Besonders praktisch: Openverse ermöglicht die direkte Übernahme der zugehörigen Lizenzhinweise. Wie genau die Suchmaschine funktioniert, erläutert dieser Text bei iRights.info.

OER-Sammlungen: Plattformen bieten umfangreiche Angebote

Wer sich einen Überblick über verfügbare offene Lehrinhalte und Materialien verschaffen möchte, kann auf nützliche Plattformen zurückgreifen. Ein paar Empfehlungen, welche Angebote freie Unterrichtsmaterialien sammeln, strukturieren und kuratieren:

Der „Goldstandard“

Die Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM) und deren ZUM-Wiki ist quasi der Goldstandard unter den OER-Sammlungen und besteht bereits seit 1997. Auf der Plattform lassen sich Materialien zu allen Unterrichtsfächern finden. Gleichzeitig gibt es Portale zu unterschiedlichen Schwerpunkten und Materialien-Formaten. Die meisten Inhalte stehen unter freier Lizenz. Eine ebenfalls etablierte Sammlung an Unterrichtsmaterialien bietet zudem Lehrer-Online.de, wo teilweise auch Materialien als OER angeboten werden.

Plattformen für einzelne Unterrichtsfächer

Einige Plattformen bieten auch Materialien zu einzelnen Themenschwerpunkten oder bestimmten Fächern an. Zum Thema Medien und Medienkompetenz lohnt sich etwa ein Blick auf die Seite Medien in die Schulen. Die Plattform bietet zu den zentralen Medienformaten zahlreiche Unterrichtsanregungen und unterstützt Lehrende, ihre Schüler*innen im Umgang mit Medien zu schulen, für Gefahrenaspekte zu sensibilisieren und ihnen Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln. Alle Materialien stehen unter einer freien Lizenz. Hinter den Inhalten stehen die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) und Google.

Einen anderen Schwerpunkt bietet zum Beispiel das Medienportal für MINT-Fächer (Siemens-Stiftung): Dort wird die naturwissenschaftlich-technische Bildung gefördert. Auf dem Portal lassen sich auch offene Materialien, teilweise auch in anderen Sprachen, finden.

Bei der Open Music Academy finden sich Informationen dazu, was eine Bridge in der Rock- und Popmusik ist, wie sich ein musikalisches Gehör ausbilden lässt oder wie sich Brahms‘ „Ungarischer Tanz“ im Unterricht analysieren lässt. Auch lässt sich über die OMA-Plattform OER selbst erstellen: Mit einer Registrierung können Nutzer*innen Dokumente bearbeiten oder selbst Artikel mit Text, Noten, Tonaufnahmen, Bildern und Videos gestalten.

Nützliches Werkzeug: Edutags

Das Tool Edutags hilft dabei, den Überblick über die zahlreichen im Netz verfügbaren OER-Inhalte zu behalten: Nutzer*innen können dort Lesezeichen zu allen Lernressourcen im Web unabhängig von Lizenzen speichern, ordnen, suchen und teilen. Lehrende können sie als persönliches Arbeitswerkzeug nutzen, aber auch gemeinsam in Gruppen interessante Websites sammeln, bewerten, kommentieren und in thematischen Sammlungen zusammenstellen.

Was es sonst noch gibt: Icons und Symbole

Wer in der Lehre auf aussagekräftige Symbole setzt, kann die Open-Access-Icons des Landes Brandenburg nutzen, die bei Wikimedia Commons verfügbar sind. Dort finden sich insgesamt 180 nützliche Piktogramme, die alle unter der CC0-Lizenz stehen und damit unbeschränkt nutzbar sind.

Keine Angst vor OER

Nutzende offener Bildungsmaterialien möchten sicherstellen, dass diese qualitativ hochwertig sind. Sorgen, dass OER weniger brauchbar sein könnten als kommerziell von Verlagen erstellte Materialien, sind unbegründet. Sowohl bei OER als auch bei herkömmlichen Bildungsmaterialien gibt es gute und weniger gut geeignete Produkte. Auch im kommerziellen Bereich entscheiden vor allem die Nutzer*innen darüber, ob ein Produkt erfolgreich ist. Nicht anders ist es bei OER, unabhängig davon, ob die Werke frei lizenziert sind oder nicht.

Während beispielsweise in Verlagen Lektorate die Qualitätskontrolle sichern, überprüfen und optimieren in den vernetzten Bildungs-Communities freiwillige Ehrenamtliche die inhaltlichen und didaktischen Qualitäten von Lehrmaterialien. Wie gut das „Viele-Augen-Prinzip“ funktioniert, zeigt das Beispiel Wikipedia: Zahlreiche Autorinnen und Leser kontrollieren die Inhalte der weltweiten Online-Enzyklopädie. Damit kann ein inhaltlich belastbares Niveau erreicht werden.

OER leben davon, dass Nutzende die von ihnen verwendeten Inhalte auch wieder an die OER-Community zurückspielen – etwa mit neuen Anregungen, Ideen oder Korrekturen. Auch das trägt dazu bei, dass OER von Version zu Version besser werden.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Teil einer Kooperation von iRights.info, dem Deutschen Bildungsserver und OERinfo.

Weitere Beiträge aus dieser Reihe:

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Maya El-Auwad, iRights.info für OERinfo – Informationsstelle OER.

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