Das OERcamp.global 2021: Jöran Muuß-Merholz im Interview

Jöran Muuß-Merholz ist Diplom-Pädagoge und betreibt mit einem kleinen Team die Agentur „J&K – Jöran und Konsorten“. Als Think-and-Do-Tank arbeitet das Team an den Schnittmengen zwischen Bildung & Lernen und Medien & Kommunikation. Neben beratenden und konzeptionellen Arbeiten der Agentur schreibt Jöran Muuß-Merholz für Fach- und Massenmedien, print und online, von Blog bis Buch. Jöran Muuß-Merholz hält Vorträge und gibt Workshops v.a. im deutschsprachigen Raum, aber zum Beispiel auch in Boston und Brno, Cape Town und London, Stockholm und Tokio.

Jöran Muus-Merholz, Foto: Hannah Birr, Agentur J&K – Jöran und Konsorten, CC BY 3.0

OERinfo: Was ist das OERcamp.global?

Jöran Muuß-Merholz: Die OERcamps gibt es im deutschsprachigen Raum schon bald 10 Jahre. Hier treffen sich Akteure aus allen Bildungsbereichen, um Wissen, Erfahrungen und Materialien auszutauschen. Dabei geht es nicht nur um Qualifizierung über die Weitergabe von Know-How, sondern immer auch um das Diskutieren, um ein gemeinsames Herausfinden und Weiterentwickeln des Themenfeldes OER und offene Bildung. Mit dem OERcamp.global erweitern wir dieses Konzept über die deutschsprachige Debatte hinaus.

Wie ist die Idee des OERcamp.global entstanden?
Jöran Muuß-Merholz: Wenn man sich über offene Bildung austauscht, miteinander und voneinander lernt – warum sollte man sich dann von geographischen Grenzen bremsen lassen? Schon beim allerersten OERcamp in Bremen 2012 war mit Alastair Clark ein Teilnehmer aus England vor Ort, der von den Erfahrungen in UK berichtet hat. Seine Sessions hießen „Geschichten von der Insel“ und „Mehr Geschichten von der Insel“. Und ein anderer Teilnehmer, Jan Neumann, kam gerade frisch vom UNESCO World Congress zu OER und brachte dessen Ergebnisse in die Diskussion ein. Ganz neu ist die Idee also nicht. Ich habe einige Jahre versucht, starke Partner und eine Finanzierung für einen grenzüberschreitenden Austausch zu finden. Beides hat nun geklappt, insbesondere durch die großartige Deutsche UNESCO-Kommission!

Wer steckt hinter dem OERcamp.global?

Jöran Muuß-Merholz: Das OERcamp.global wird gemeinsam von der Deutschen UNESCO-Kommission und der Agentur J&K – Jöran und Konsorten veranstaltet. Die UNESCO ist natürlich für OER die beste denkbare Organisation. Auf Betreiben der UNESCO wurden der Begriff „Open Educational Resources“ überhaupt erst geprägt und das Konzept entscheidend weiterentwickelt. Dazu kommen wir von der Agentur J&K, die schon das erste OERcamp 2012 organisiert haben. Entscheidend für die Veranstaltung selbst wird es aber sein, dass viele Akteure aus der Praxis das Programm gestalten, denn das wird ein BarCamp sein.

Was passiert beim OERcamp.global, als BarCamp?

Jöran Muuß-Merholz: Bei einem BarCamp gestalten die Teilnehmenden das Programm selbst. Wir sprechen in der internationalen Ankündigung für das OERcamp.global von einer „user-generated conference“. Das bedeutet, dass jeder Mensch eine Session einbringen kann. Und man kann sich sogar eine Uhrzeit und eine Dauer dafür aussuchen, innerhalb von 48 Stunden zwischen dem 9. und 11. Dezember 2021.

Die Veranstaltung dauert wirklich 48 Stunden?

Jöran Muuß-Merholz: Wir machen für 48 Stunden rund um die Uhr Programm! Das kommt daher, dass wir keine „führende Zeitzone“ etablieren wollten, mit der dann andere Regionen an den zeitlichen Rand gedrängt werden. Es ist ein spannendes Experiment, wenn sich die Teilnehmenden nicht nur aussuchen können, an welchen Sessions sie teilnehmen, sondern auch, wann sie eine Session anbieten wollen. Es kann gut sein, dass wir dann mal mehrere Sessions gleichzeitig und zu einer anderen Zeit nur eine oder gar keine Session im Programm haben werden.

Was muss man sonst über das Programm wissen?

Jöran Muuß-Merholz:
Zu den Sessions kann man sich aussuchen, ob man eine Session für 45 Minuten oder für 2 oder für 3 Stunden anbietet. Die längeren Formate eignen sich besonders für Hands-on-Projekte, wenn man zum Beispiel ein Material gemeinsam übersetzen möchte oder ähnliches. Die Tagungssprache insgesamt ist Englisch. Aber es ist sehr willkommen, eine Session in einer anderen Sprache anzubieten!

Gibt es gar keine gemeinsamen Programmpunkte, für alle?

Jöran Muuß-Merholz: Immer nach 3 Stunden Sessions gibt es eine sogenannte „Plenary Hour“, in der es einen gemeinsamen Programmpunkt für alle gibt. Das 48-Stunden-Format erlaubt eine gewisse Großzügigkeit für Programmelemente, die sonst bei Konferenzen eher knapp sind und zu Randzeiten stattfinden. Also zum Beispiel eine Keynote oder ein Vernetzungs-Event, aber auch so etwas wie Yoga oder ein Quiz. Auch dafür sammeln wir im November noch Vorschläge und Ideen.

Wie kann man teilnehmen? Wieso sollte man teilnehmen?

Jöran Muuß-Merholz: Die Registrierung ist kostenlos und ganz einfach. Man muss sich nur 1x anmelden und kann dann frei entscheiden, ob man an 1 oder 48 Stunden teilnimmt. (Na ja, 48 Stunden wird wohl niemand schaffen.) Ich denke, dass viele Menschen sich erst einmal anmelden und dann im Programm nach für sie besonders interessanten Punkten Ausschau halten. Das OERcamp.global ist eine großartige Möglichkeit, über den Tellerrand hinaus andere Akteure, Projekte und Materialien kennenzulernen. Das tolle an OER ist ja, dass das alles gute Möglichkeiten für Zusammenarbeit, Kopieren und Remixen sind!

Und natürlich sollte man gerne selbst eine Session anbieten! Ich möchte dazu ermuntern, dass man auch ganz einfache Themen als Session einbringt, also zum Beispiel einfach die eigene Arbeit vorstellt: „Wie machen wir das und das hier bei uns im Bereich xyz? Was für Erfahrungen und Fragen haben wir dazu?“ Ich selbst habe über solche Erfahrungsaustausche gerade im internationalen Bereich sehr viel gelernt!

OERinfo: Was ist das Ziel der Veranstaltung?

Jöran Muuß-Merholz: Das OERcamp.global bietet die Möglichkeit, viele unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen, Projekte, Menschen und natürlich Materialien kennenzulernen. Man kann auf viele Dinge stoßen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie gesucht hatte. Und angesichts der großen Aufgaben, die wir in der Bildung und in der Welt insgesamt vor uns haben, halte ich das für sehr wichtig! Globale Herausforderungen brauchen lokales Handeln UND globalen Austausch.

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jöran Muuß-Merholz

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