Open Education Awards 2021 (Teil 1) – Die Gewinner*innen des UNESCO OER Implementation und der Open Asset Awards

In 2021 werden durch Open Education Global16 Open Education Awards for Excellence im Rahmen von vier Schwerpunkten vergeben. Durch die Awards werden herausragende Einzelpersonen, Werke, Sammlungen und Repositorien sowie Praktiken gewürdigt. Die bisherigen Kategorien der Auszeichnungen wachsen stetig, um das gesamte Spektrum an offenen Bildungsaktivitäten, -projekten, -ressourcen und -praktiken anzuerkennen.

Apen Assets OEAWARDS FOR EXCELLENCE, Grafik: Open Education Global, CC BY 4.0

Zum Ende der OE Global Conference 2021&2022 vom 27.09. – 02.20.2021 online wurde bereits der erste der OE Awards verkündet. Der UNESCO OER Implementation Award wurde als Community Award an alle 294 Referenten der OEGlobal 21 für deren „beispielhafte Rolle bei der Weiterentwicklung der UNESCO-OER-Empfehlung in ihrer eigenen Praxis” vergeben.

Die Gewinner der Open Asset Awards 2021

Am 15. Oktober wurden die Gewinner der Open Asset-Kategorien im Rahmen des Schwerpunktes „Was wir teilen“ verkündet. Open Assets sind das, was Open Education-Initiativen produzieren und nutzen. Offene Materialien – in der Regel digital – mit pädagogischem Zweck und Wert. Offene Assets werden so erstellt, kuratiert und verbreitet, dass sie für andere frei zugänglich, nutzbar und verbesserungsfähig sind. Im Rahmen des Schwerpunktes „Was wir teilen“ werden einzelne OER, offene Sammlungen/Repositorien, die offene Verwendung / Remix/ Adaptation von Angeboten sowie offene Infrastrukturen gewürdigt.

Beste OER

In der Kategorie Beste OER werden hochwertige, innovative OER wie offene Kurse, Lehrbücher, Videos / Simulationen oder Animationen sowie Audio / Hörbücher gewürdigt.

Nr. 1: Das Open RN Nursing Skills textbook (Chippewa Valley Technical College, USA) ist das zweite, im Rahmen des Open RN-Projektes erstellte OER-Lehrbuch zu Pflege-Skills. Es wurde durch einen intensiven Review-Prozess evaluiert. Das kostenlose eBook steht unter der CC BY-Lizenz. Eine bezahlbare Printversion ist z. B. über Amazon erhältlich.

Nr. 2: Das Open RN Nursing Fundamentals textbook (Chippewa Valley Technical College, USA) ist das dritte, im Rahmen des Open RN-Projektes erstellte Pflege-Lehrbuch, ebenfalls evaluiert durch einen intensiven Review-Prozess.

Offene Sammlungen / Repositorien

In der Kategorie offene Sammlungen / Repositorien werden außergewöhnliche Sammlungen kuratierter, hochwertiger OER gewürdigt. Die Kuration umfasst mehr als das bloße Sammeln von Inhalten zu einem bestimmten Thema, sondern beinhaltet die sorgfältige Auswahl von Inhalten und deren Bewertung für einen bestimmten Zweck. Die Präsentation ist zudem sinnvoll organisiert, kann angepasst und geteilt werden.

Nr 1.: An der Open.Ed Collection of Geoscience Outreach OERs & more on TES (University of Edinburgh, Vereinigtes Königreich) arbeitet der OER Service der University of Edinburgh mit dem Outreach GO-Kurs von Geoscience seit 2015 zusammen. Die OER-Erstellung ist im GO-Kurs in den Lehrplan integriert und bietet den Studierenden die Möglichkeit, Erfahrungen im Wissenstransfer zu sammeln. Herausragende studentische Projekte werden von Kursorganisatoren ausgewählt und an den OER Service weitergeleitet. In Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Geowissenschaften und Sommerpraktikanten für die Open Content Kuration werden die Resourcen zu hochwertigen Lehrmaterialien weiterentwickelt. Die OER sind auf den Scottish Curriculum for Excellence (CfE) abgestimmt. Die kuratierte Sammlung besteht derzeit aus 59 OER zu weitreichenden wissenschaftlichen Themen für Kinder von 3 bis 18 Jahren.

Nr. 2: Das >Observatorio de Innovación Educativa (Tecnológico de Monterrey, Mexico) bietet seit 2014 OER wie täglichen Nachrichten, einem wöchentlichen Newsletter, ausführlichen Berichten, Interviews, Webinaren und Podcasts. Die Themen Themen liegen an der Schnittstelle von Bildung, Innovation und Technologie. Es verzeichnet über 4 Millionen Seitenaufrufe pro Jahr, 530.000 Follower in sozialen Medien und 217.000 Abonnenten.

Offene Verwendung / Remix / Anpassung

In dieser Kategorie werden herausragende Beispiele für die Verwendung, den Remix oder die Anpassung von OER gewürdigt. Dies kann Beispiele für signifikante iterative Verbesserungen von Ressourcen umfassen, einschließlich Übersetzung und Lokalisierung.

Nr. 1: Das Texas Learn OER (Digital Higher Education Consortium of Texas, USA) beinhaltet eine Reihe von offen lizenzierten Selbstlern-Modulen über OER für Dozenten, Mitarbeiter und Administratoren. Die Module basieren auf ACC Learn OER, die von Carrie Gits am Austin Community College für das Digital Higher Education Consortium of Texas (DigiTex) erstellt wurden. Es besteht die Möglichkeit, ein Abschlusszertifikat zu erwerben. Die Module wurden von staatlichen und nationalen OER-Experten einem Peer-Review unterzogen und werden regelmäßig aktualisiert. Aus diesem Angebot entstanden Remixes wie z. B das Owls Learn OER der Rice University in Houston, das OER Starter Kit for Faculty des Northern Virginia Community College, Open Educational Resources: Basics and Beyond des Online Consortium of Oklahoma und ein in Kürze erscheinender Remix der OER Interest Group der Michigan Academic Library Association.

Nr. 2: Das Kit de REA REBIUN (Red Bibliotecas Universitarias Españolas, Spain) ist ein Toolkit der Bibliotheken von REBIUN über OER, das sich an Lehrer und Bibliothekare richtet. Es ist eine Adaption des ursprünglichen OER-Toolkits, das von den Colleges Libraries Ontario und dem Institute for the Study of Knowledge Management in Education (ISKME) erstellt wurde. Es wird mit derselben Lizenz wie die Ursprungsressource CC BY-NC geteilt. Gleichzeitig wurde es wiederverwendet, um neue OER-Toolkits zu generieren. Das Angebot steht im Einklang mit der OER-UNESCO-Empfehlung zur Förderung inklusiver, gerechter und mehrsprachiger Ressourcen und hat große Akzeptanz und Wirkung im spanischen und lateinamerikanischen Bildungsumfeld bei Lehrern, Bibliothekaren und anderen Interessengruppen. Es wurde in mehreren Kursen, Webinaren und Konferenzen sowie auf institutionellen Websites, Blogs von Universitäten, sozialen Medien usw. verbreitet.

Nr. 3: 25 Years of EdTech: The Serialized Audio Version (BCcampus, Kanada) ist eine Adaption von Martin Wellers „25 Years of EdTech“-Buch. Es wurde als Community-Hörbuch und als Podcast veröffentlicht. Jedes Kapitel des Buches wurde von einem anderen Mitglied der Open Education Community gelesen und zwischen November 2020 und Mai 2021 wöchentlich veröffentlicht. Das Original wird von AUPress unter einer offenen Lizenz veröffentlicht. Der Remix des Buchs in ein Hörbuch hat die Zugänglichkeit verbessert, da der Text in einem alternativen Format bereitgestellt wird. Durch die Zusammenführung der Open Education Community rund um das Lesen des Textes entstand der begleitende Podcast „Between the Chapters“, der einen tieferen Einblick und eine kritische Expertenanalyse in das Thema jedes Kapitels bietet. Der wöchentliche Veröffentlichungsplan für den Podcast und die begleitende Analyse schufen eine grundlegend neue Art, das Buch zu erleben – langsamer und in mundgerechten Stücken. Jede Episode wird auf einer offenen Infrastruktur gehostet, steht zur Verwendung bereit und ist zur besseren Auffindbarkeit auf allen wichtigen Podcast-Plattformen zu finden. AUPress hostet seine Bücher auf dem Open Publishing-System Manifold und hat auch eine Verknüpfung mit der Hörbuchversion.

Open Infrastructure

Open Infrastructure ist zu verstehen als die Vielfalt an Technologien, die Offenheit ermöglicht. Sie umfasst Open Source-Tools, die die OER-Erstellung, ihre Verwendung im Bildungskontext, ihre Kuratierung, Weiterentwicklung und den Remix ermöglichen. Der Begriff Infrastruktur ist hier jedoch breiter zu verstehen als nur Open Source-Software: Er umfasst auch offene Hardware, die im Bildungsbereich verwendet wird; offene Standards, die Interoperabilität ermöglichen; sowie andere offene Technologien, die für die offene Bildung von entscheidender Bedeutung sind.

Nr. 1: Das OpenETC (Thompson Rivers University, Kanada) stellt dem postsekundären Sektor von British Columbia mit 25 Institutionen eine offene Infrastruktur – WordPress, Mattermost und Sandstorm Apps – zur Verfügung. Es basiert auf einem Gemeinschaftsbeitragsmodell, ähnlich einer Genossenschaft, bei der die Benutzer im Austausch für den kostenlosen Zugang zur Infrastruktur zurückgeben, was sie können. Das kann die Unterstützung anderer Anwendungen, die Bereitstellung von Onboarding oder Dokumentation oder den Austausch von Best Practices umfassen. Das Kooperationsmodell kam insbesondere kleineren Institutionen zugute, die nicht über die Ressourcen verfügen, um neue Lehr- und Lerntechnologien über das LMS hinaus zu unterstützen, und war ein wichtiger Katalysator bei der Förderung offener Praktiken. Während COVID half das OpenETC mehreren Institutionen, sich auf den Fernunterricht umzustellen, indem es den Dozenten und dem unterstützenden Personal einfache Werkzeuge zur Verfügung stellte.

Nr. 2: WikiFundi (Wiki in Africa, Südafrika / Frankreich) ist eine Open Source-Software. Sie stellt offline eine Bearbeitungsumgebung bereit, die die Bearbeitungsumgebung von Wikipedia nachahmt. Das ermöglicht die Erstellung von Inhalten, wenn die Technologie versagt, der Zugang nicht existiert oder zu teuer ist oder die Stromversorgung unzuverlässig ist. Mit WikiFundi können Einzelpersonen, Gruppen und Gemeinschaften lernen, wie man Artikel in einem Wiki kollaborativ erstellt und verbessert. WikiFundi benötigt lediglich einen kleinen tragbaren lokalen Server wie z. B. einen Raspberry PI, der ein lokales WLAN-Netzwerk bereitstellt, mit dem sich Redakteure dann verbinden und an ihren Artikeln arbeiten können. WikiFundi wird seit 2017 als wesentlicher Bestandteil der WikiChallenge Ecoles d’Afrique, einem Schreibwettbewerb für Grundschulen im Digital Schools Network der Orange Foundation, eingesetzt. Über 4 Jahre wurden 200 Grundschulen aus benachteiligten und meist nicht angeschlossenen Gebieten beteiligt und über 300 von den Schülern verfasste Artikel auf Vikidia veröffentlicht.

Nr. 3: Das OERF’s digital learning ecosystem (OER Foundation, Neuseeland) dient der kollaborativen Entwicklung und Bereitstellung von Mikrokursen, die vollständig auf Freier und Open Source-Software (FOSS) basieren. Es ist ein komponentenbasiertes System, das aus FOSS-Anwendungen sowie von der Stiftung entwickelten Software-Komponenten besteht. Es ist: 1) hervorragend skalierbar – in 2020 bot das OERu mehr als 200.000 Lernenden über die Plattform Zugang; 2) kostengünstig – die gesamte Serverinfrastruktur wird für weniger als 8.500 USD pro Jahr an Software- und Infrastrukturkosten bereitgestellt; 3) innovativ – Lernende lernen im Internet und nicht in einer einzigen Anwendung wie einem Lernmanagementsystem; 4) geeignet für Entwicklungsländer – Institutionen mit begrenzten Technologiebudgets können die Systeme mit Hilfe der von der Stiftung veröffentlichten Anleitungen replizieren oder kostenlos dem OERu Outreach Partnership Program beitreten, um Kapazitäten zum Hosten dieser Tools selbst aufzubauen.

Welche Awards noch zu erwarten sind

Die Gewinner der Open Practices Awards und des Open Resilience Award sind bereits am 30. Oktober bekannt gegeben worden. Die Gewinner der Individual Awards werden um den 15. November bekannt gegeben. Wir berichten darüber in den kommenden Beiträgen.

Creative Commons LizenzvertragDiese Übersetzung steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Englische Originaltexte: Open Assets OEAwards for Exellence und About OE Awards, beide Texte von Open Education Global stehen unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Übersetzerin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Susanne Grimm für OERinfo – Informationsstelle OER.

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