Nachhaltigkeit in der Grundschule lehren: Offene Lehr- und Lernplattform für den BNE-Unterricht

Das Bildungsmaterial „Digital-ESD“ hilft Lehrkräften globale Nachhaltigkeitsthemen kindgerecht an 8-12-jährige Schüler*innen zu vermitteln. Denn trotz hoher gesellschaftlicher Relevanz ist die Integration in den Grundschulalltag oft schwierig. Die kostenlose und ohne Anmeldung zugängliche Plattform bietet 19 Lernwelten zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) in Englisch, Deutsch, Norwegisch, Ungarisch und Griechisch. Herzstück sind die sogenannten Boardstories – animierte und interaktive Lernvideos. Entwickelt wurde die Lernplattform als Open Educational Resource (unter Creative Commons Attribution – NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License) in Zusammenarbeit von Onilo.de (DE), Unabhängiges Institut für Umweltfragen (DE), Blue Carrot (UA), Cyprus Pedagogical Institute (CY), HRTA (HU) und der INN Universität (NO).

Dunkelgrüner Hintergrund, im Vordergrund Tablet mit animierten Figuren, daneben Arbeitsheft, Smartphone mit Übungen und Handreichung für Lehrkräfte
Digital-ESD Plattform für Nachhaltigkeit in der Grundschule. Grafik: Onilo.de; nicht unter freier Lizenz

Ein Beitrag von Cindy Prager

Warum globale Themen schon in der Grundschule wichtig sind

Kinder wachsen in einer Welt auf, die von globalen Verflechtungen geprägt ist. Extremwetter, Kriege, Umweltzerstörung oder soziale Ungleichheit sind längst Teil ihrer Lebensrealität. Dies geschieht durch den Einfluss von Medien, Gespräche im Familienkreis oder eigene Beobachtungen. Die Grundschule spielt eine zentrale Rolle dabei, wie Kinder diese Eindrücke einordnen und verarbeiten. Hier entwickeln sie grundlegende Vorstellungen von Gerechtigkeit, Verantwortung und Zusammenleben. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) unterstützt Kinder dabei, globale Zusammenhänge zu verstehen, Perspektiven zu wechseln und ihr eigenes Handeln verantwortungsvoll zu reflektieren. Internationale Orientierungsrahmen wie die Agenda 2030 der Vereinten Nationen (UN) mit ihren 17 SDGs bieten dafür eine inhaltliche Struktur. Sie beschreiben globale Herausforderungen und machen deutlich: Nachhaltige Entwicklung ist eine gemeinsame Aufgabe aller Menschen.

Wie Nachhaltigkeitsthemen oft zu kurz kommen

Zwischen Leistungsbewertung, individueller Förderung, Sprachbildung, Inklusion und Digitalisierung bleibt wenig Raum, um Lerninhalte in den Kontext von BNE zu setzen. Nachhaltigkeitsthemen werden so nicht selten als „Zusatz“ wahrgenommen, der über den regulären Unterricht hinausgeht. Hinzu kommt die Komplexität globaler Fragestellungen: Ohne geeignete didaktische Aufbereitung besteht die Sorge, Kinder zu überfordern oder Themen zu stark zu vereinfachen.

SDGs als Rahmen für altersgerechten Unterricht

Lehrpläne in der Grundschule sind kompetenzorientiert formuliert und lassen offen, an welchen Inhalten diese Kompetenzen entwickelt werden. Das eröffnet Lehrkräften die Möglichkeit, globale Perspektiven in den Unterricht einzubinden, ohne den Lehrplan zu verlassen. Die SDGs bieten dafür einen idealen Rahmen. Sie greifen ökologische, soziale und ökonomische Themen auf, die sich an viele bestehende Unterrichtsinhalte anschließen lassen.

Ein Beispiel: Das Thema Wasser lässt sich im Sachunterricht naturwissenschaftlich behandeln, in sprachlichen Fächern aufgreifen und im Ethik- oder Religionsunterricht mit Fragen der Gerechtigkeit verbinden. Der Bezug zu einem globalen Nachhaltigkeitsziel macht dabei deutlich, dass lokale Erfahrungen Teil größerer Zusammenhänge sind.

Praxishilfe: Die Lernplattform „Digital-ESD“

Um Lehrkräfte zu unterstützen, wurde im Rahmen des Projekts „Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung in ganz Europa“ die interaktive Lernplattform Digital-ESD entwickelt. Förderer des Vorhabens sind Erasmus+ und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Das übergeordnete Ziel ist dabei die Stärkung und Motivation der Lehrkräfte, ihren Unterricht im Sinne einer ganzheitlichen und transformierenden Bildung auszurichten. Hervorzuheben ist die Einbindung der Zielgruppe (Lehrkräfte und Schüler*innen im Alter von 8–12 Jahren) in den Entwicklungsprozess, die die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse sicherte.

Wie funktioniert die interaktive Lernplattform?

Digital-ESD bietet 19 interaktive Lernwelten, die jeweils einem bestimmten SDG gewidmet sind und animierte Geschichten, Arbeitsblätter sowie umfassende Lehrkräftehandreichungen enthalten. Diese Materialien sind in mehreren Sprachen verfügbar und können sowohl digital als auch in Papierform genutzt werden, wodurch sie für vielfältige Bildungsumgebungen zugänglich sind. Der Aufbau der Plattform ermöglicht es Lehrkräften, auf einfache Weise Nachhaltigkeitskonzepte einzuführen, zum Nachdenken im Unterricht anzuregen und die Schüler*innen dazu zu ermutigen, sich zu verbünden, um Maßnahmen gegen globale Herausforderungen wie Klimawandel, Armut und Ungleichheit zu ergreifen.

Lernen mit Bezug zur eigenen Realität

Das ist der Ansatz den die Lernplattform verfolgt. In den Videos stoßen vier Figuren (etwa 10 Jahre alt) auf ein Problem in ihrer unmittelbaren Umgebung. Durch das Aufsetzen einer „Globalen Brille“ erkennen sie die globale Perspektive des Problems. So werden abstrakte Themen verständlich und nachvollziehbar. Neben Impulsfragen, Suchspielen und Quiz enthält jede Lernwelt Aufgaben für den analogen Unterricht, immer mit Handlungsbezug. Denn transformative BNE will nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zeigen: „Ich kann etwas bewirken!“

Fazit: Nachhaltigkeit erlebbar machen

Mit der Plattform Digital-ESD können sich Schüler*innen aktiv mit den SDGs auseinandersetzen und digitales Lernen auf unterschiedliche Weise erleben. Die Inhalte erleichtern Lehrkräften die kindgerechte Aufbereitung komplexer Themen und damit auch die Integration von BNE in den Unterricht. Ein wichtiger Schritt, um globale Zusammenhänge für Kinder begreifbar zu machen und sie zu befähigen, selbst aktiv zu werden.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Cindy Prager, UfU e.V. für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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