OER020: Berlin baut eine Plattform für OER

Mark Rackles, Foto Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 4.0
Mark Rackles, Foto Jöran Muuß-Merholz unter CC BY 4.0

Podcast mit Mark Rackles, Staatssekretär für Bildung in Berlin

Schaut man auf die OER-Aktivitäten der 16 Bundesländer, so findet man in Berlin den ambitioniertesten Ansatz. Hier wird derzeit nicht nur eine zentrale Infrastruktur für freie Bildungsmaterialien entwickelt, sondern auch ein Konzept, das einen kulturellen Wandel in Schulen vorantreiben soll. Im Interview mit Jöran Muuß-Merholz spricht Mark Rackles sogar eine heilige Kuh an: Lehrkräfte könnten indirekt auch für die Entwicklung von freien Lehr-Lern-Materialien bezahlt werden.

Warum Berlin auf freie Bildungsmaterialien setzt

„Gerade in Berlin gestaltet sich die Frage von differenzierten Schülerklientelen so, dass wir ein großes Interesse an modularen Unterrichtsmaterialien haben“, begründet Mark Rackles den Stellenwert des Themas Open Educational Resources für die Berliner Schulpolitik. Besonders wichtig ist ihm eine Veränderung auf mittlere Sicht: „Das ist auch eine kulturelle Änderung und eine Einstellungsänderung. Man aktiviert bisher passive Konsumenten und macht sie zu produzierenden Akteuren – perspektivisch. Wir leben damit auch eine Form von Bildungsdemokratie.“ Mit OER verbindet Rackles auch die Hoffnung auf eine Verschiebung der Rollenverteilung zwischen Lehrenden und Lernenden und auf eine Verbreitung von Teamarbeit zwischen Lehrenden. Am Ende könnte die Arbeit mit OER dann wirtschaftlicher sein.

Nicht zitierfähig
Ein allgemeiner Hinweis: Die Podcasts sind Gespräche, keine Vorträge. Es wird viel gemeinsam nachgedacht und spekuliert. Selbstverständlich kann gerne Bezug auf Inhalte aus den Podcasts genommen werden. Aber die Aussagen der Beteiligten können nicht im Sinne wissenschaftlicher Zitate genutzt werden.

30.000 Lehrkräfte gibt es in Berlin – davon sind die meisten „Jäger und Sammler“. Rackles will ihre Motivation unterstützen, Materialien mit anderen zu teilen und fremde Materialien zu verbessern. Die Förderung der Medienkompetenz von Lehrkräften soll dafür helfen. Es soll aber auch handfeste Anreize geben, mittelfristig sogar Abordnungen und Entlastungsstunden für besonders OER-aktive Lehrkräfte – und damit eine indirekte Bezahlung für die Materialentwicklung und -bewertung. Auch ein Punktesystem für die Autoren der beliebtesten Materialien ist denkbar – ein in Deutschland so bisher noch nicht erprobtes Vorgehen.

Das Berliner OER-Projekt

Rackles berichtet im Interview von der Vorgeschichte des Berliner OER-Projektes. Diese begann 2012 mit der Umorganisation des Berliner Medienforums und wurde durch politische Entscheidungen im Berliner Abgeordnetenhaus 2014 aufs Gleis gesetzt. Nun wird bis zum Schuljahr 2016/17 eine Materialdatenbank und ein begleitendes Konzept zur dezentralen OER-Erstellung entwickelt. Im Podcast berichtet Rackles von Maßnahmen zur Qualitätssicherung, von der vorgesehenen CC-Lizenz sowie von der Verbindung kommerzieller und freier Materialien. Besonders interessant ist dabei das Vorhaben, die Materialien auf einer Online-Plattform direkt an den Berliner und Brandenburger Rahmenlehrplan anzubinden. Außerdem geht es um die Einbindung von 100.000 Vogelstimmen, die Relevanz der Plattform für asiatische Lehrkräfte, die Arbeitsteilung innerhalb der KMK-Arbeitsgruppe zu OER und die Unterschiede zwischen der Materialprüfung in Bayern und in Berlin.

Am Ende des Gesprächs fasst Rackles zusammen: „Ich glaube, dass OER weder Modeerscheinung noch Traumtänzerei oder Heilsbringer ist. Aber es ist ein wesentlicher Zug, weil es kulturell etwas Neues in die Schule bringt. Am Ende des Tages muss die Qualität von Schule besser werden.“

Bemerkenswert am Berliner Vorgehen ist auch, dass ein großer Runder Tisch die Projektentwicklung diskutiert und begleitet. Grundsätzliche und aktuelle Informationen finden sich beim Berliner Bildungsserver, unter anderem auch eine Präsentation (pdf), die anlässlich der Auftaktveranstaltung das Projekt mit seinen Hintergründen, Zielstellungen und dem Ablaufplan vorstellt.

Update Juli 2015

Unter dem Titel „Teilen, Kooperieren, Teamarbeit – Freie Lern- und Lehrmaterialien ins Netz stellen – Open Educational Resources in Berlin (neu)“ ist ein Bericht (pdf) erschienen, der eine Bilanz der bisherigen Bemühungen um die Einführung von OER in Berlin zieht. Der Bericht bezieht sich auf den oben erwähnten Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses vom Februar 2014, in dem der Senat aufgefordert wird, „das Prinzipien offenen digitalen Bildungsresoucen in der schulischen Bildung umzusetzen“.

Podcast



Gesprächspartner

Mark Rackles, Staatssekretär für Bildung der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Erwähnte Organisationen / Projekte / Personen / Studien etc.

Eckdaten

Aufgezeichnet am 23.3.2015 in Frankfurt am Main.

Creative Commons LizenzvertragText und Podcast stehen unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: … für den Text: Jöran Muuß-Merholz für www.open-educational-resources.de – Transferstelle für OER. … für den Podcast: Jöran Muuß-Merholz für www.open-educational-resources.de – Transferstelle für OER. Der Podcast-Jingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track „I dunno“ von grapes, lizenziert unter CC BY 3.0.

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