Mainstreaming OER – OERinfo – Lessons Learned in 5×5 Zeilen

Fragen von OERinfo an Bettina Waffner vom OER-Projekt Mainstreaming OER

Das Foto steht unter der Lizenz CC BY 4.0. Als Urheber soll Tilman Vogler für OERde17 genannt werden. Bei einer Weiterverwendung muss der Titel des Bildes nicht angegeben werden.
Das Foto steht unter der Lizenz CC BY 4.0. Als Urheber soll Tilman Vogler für OERde17 genannt werden. Bei einer Weiterverwendung muss der Titel des Bildes nicht angegeben werden.

Das BMBF-geförderte Projekt Mainstreaming OER widmete sich der Sensibilisierung und Schulung von Multiplikator*innen. Die Projektleiterin Bettina Waffner beantwortet für OERinfo zum Ende der Projektlaufzeit Fragen nach ihrem Erkenntnisgewinn.

Wenn Sie auf die Projektzeit zurückblicken, was würden Sie dann sagen …

Was war für Sie ein unerwartetes, überraschendes Ergebnis?

Dr. Bettina Waffner, Projektleiterin von Mainstreaming OER der Universität Duisburg-Essen. Foto von Tugce Celik für das Learning Lab unter CC BY 4.0
Dr. Bettina Waffner, Projektleiterin von Mainstreaming OER der Universität Duisburg-Essen. Foto von Tugce Celik für das Learning Lab unter CC BY 4.0.
Das Projekt Mainstreaming OER
Mainstreaming OER war am Learning Lab an der Universität Duisburg-Essen zuhause. Mittels Workshops und online-Modulen wurden Multiplikator*innen aus Schulen, Hochschulen und der Erwachsenenbildung für OER sensibilisiert und qualifiziert. Besonders im Fokus waren innovative Lehr- und Lernszenarien.

Für mich war überraschend, wie groß das Interesse im Bildungsbereich Erwachsenen- und Weiterbildung an OER ist. Auch war das Engagement von Kursleitenden, Ideen und Konzepte für einen Einsatz und die Produktion eigener freier Bildungsmaterialien in den ganz unterschiedlichen Themengebieten und den sehr heterogenen Bildungsinstitutionen zu entwickeln, vorhanden. Die MultiplikatorInnen dieses Bildungsbereiches, die stärker in die Strukturen eingebunden waren als die zum großen Teil freiberuflich arbeitenden Lehrende, waren skeptischer und sahen mehr Hürden.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie 2016 neu starten könnten?

Im Laufe der Workshops stellte ich fest, dass die wirkliche Herausforderung darin liegt zu erkennen, wie genau die Potenziale aussehen können, wenn Material produziert und zur Verfügung gestellt sowie dann wieder kommentiert und damit weitergearbeitet wird. Das geht weit über die Frage hinaus, was ich mit Material machen kann, das ich im Netz finde und mir herunterlade. Ich würde zum einen die Teilnehmenden in den Präsenzphasen stärker zur Entwicklung von Visionen ermutigen, was möglich sein könnte mit offenen Bildungsmaterialien für Lehr- und Lernszenarien sowie bei der Entwicklung eigener Praxisbeispiele aus dem jeweiligen spezifischen Lehralltag unterstützen. Die Wissensvermittlung über Urheberrechtsfragen und das CC-Lizenzmodell würde ich vehementer in die Online-Phase legen. Schließlich würde ich auch die Zusammenarbeit noch konsequenter befördern.

Was fehlt? Was müsste es in Deutschland geben, um die OER-Landschaft deutlich zu verbessern? (Und warum?)

Der Ansatzpunkt, warum sich MultiplikatorInnen zu den MainstreamingOER-Workshops angemeldet haben, waren in allen drei Bildungsbereichen die Frage nach der rechtssicheren Verwendung von Materialien aus dem Netz. Wenn über die Potenziale von Lehr-Lernmaterialien gesprochen wird, die in innovativen Lehr- und Lernszenarien liegen, dann hebt das auf ganz andere Dinge ab. (Stichwort weak and strong OER). Dieser Punkt müsste bekannter werden und konkretisiert werden, um Lehrende zu überzeugen. Die Erfahrung in den Workshops in allen drei Bildungsbereichen zeigte, dass die Motivation der Teilnehmenden darin lag, auf Verweisplattformen wie Google oder Edutags nach Materialien unter einem Stichwort zu suchen, diese dann von der entsprechenden Inhaltsplattform abzurufen und herunterzuladen und in aller Regel dann auf die eigene Lernplattform hochzuladen, um sie in der Lehre/dem Unterricht einsetzen zu können. Das ist auch ein legitimer Wunsch und führt zu größerer Offenheit und Transparenz. Dieser Vorgang verweist, wie Kerres, Heinen und Getto (2016) in ihrem Beitrag „Alles open – alles gut?“ (PDF) ausführten, auf „schwache OER“. Das größere innovative Potenzial steckt aber in dem umgekehrten Vorgang, wenn Lehrende und Lernende Material in dem Lernprozess erzeugen, auch unter Einbezug bestehenden Materials, dieses auf eine Lernplattform stellen, einem größeren Kreis zur Verfügung stellen, indem sie es auf einer Inhaltsplattform veröffentlichen und mit Metadaten versehen auf einer Verweisplattform auffindbar machen. Denn so wird ein dynamischer Prozess des Gebens und Nehmens befördert, bei dem Material in viele Richtungen weiterentwickelt werden kann. Dieser Vorgang wird von Kerres et al. als „starke OER“ bezeichnet.

Was haben Sie selbst während des Projektes über OER gelernt?

Kollaboratives Arbeiten im Bildungsbereich ist sehr effektiv, hilfreich und fördert enorm die Motivation. Die Zusammenarbeit unter den Projektakteuren war von einer Kultur des Teilens geprägt und zeigte mir sehr praktisch, wie es gehen kann. Es zeigte aber gleichermaßen all die noch zu klärenden Fragen wie technische Infrastruktur, der Umgang mit Versionierungen usw.


Dieser Artikel ist Bestandteil der Reihe „Lessons Learned in 5×5 Zeilen“, die zum Abschluss der Projektförderung der OERinfo-Projekte entstanden ist.

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Bettina Waffner für Mainstreaming OER und Jöran Muuß-Merholz für OERinfo – Informationsstelle OER.

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