OSM@BB OERinfo – Lessons Learned in 5×5 Zeilen

Screenshot Projekt OSM@BB, nicht unter freier Lizenz.
Screenshot Projekt OSM@BB, nicht unter freier Lizenz.

Bildungsbereichsübergreifend OER in zwei Bundesländern bekannt machen – diesen großen Anspruch an das Projekt OSM@BB hatten die Mitwirkenden zu Beginn der Projektlaufzeit. Martin „lOERling“ Nestler, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektkoordinator zieht Bilanz: er benennt strukturelle Herausforderungen, Überraschungen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Martin Nestler, Projektkoordinator OSM@BB. Foto von Tilman Vogler für OERde17 unter CC BY 4.0 (Zuschnitt von Simon Hrubesch).
Martin Nestler, Projektkoordinator OSM@BB. Foto von Tilman Vogler für OERde17 unter CC BY 4.0, zugeschnitten von Simon Hrubesch.

Das Projekt OSM@BB
Das Projekt OSM@BB stand für OER in der schulbezogenen Medienbildung, wobei der Bezug zur Schule durchaus bildungsbereichsübergreifend zu verstehen ist. Im Projekt kooperierten aus den Ländern Berlin und Brandenburg: das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin- Brandenburg (LISUM), die Universität Potsdam (Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung, ZeLB), die Evangelische Hochschule Berlin (EHB) und die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) und Projekte der außerschuli­schen Bildungsarbeit.

Wenn Sie auf die Projektzeit zurückblicken, was würden Sie dann sagen …

Was war für Sie ein unerwartetes, überraschendes Ergebnis?

Die relativ hohe Offenheit für OER.
Die Reaktionen auf die ersten Anfragen zu Workshops und Kooperationen zur Sensibilisierung für OER waren zum sehr überwiegenden Teil, äußerst positiv und es gab viele Anknüpfungspunkte (Medienbildungsplanung als strukturell vorgeschriebene Bezugsebene der Schulen aber auch die Einbindung von OER in die „Strategische Ausrichtung der Einrichtung“ war ein wichtiges Thema für viele Projekte.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie 2016 neu starten könnten?

Ganz sicher würden wir vorher die technischen Rahmenbedingungen genauer klären: der Satz iPads wurde zwar immer wieder genutzt, jedoch blieb die Anforderung des „mobilen Medienbildners“ wie im Projektantrag angedacht, eher ein nicht- nachgefragtes Angebot. Die Schwierigkeiten, die mit der Administration und Wartung/ Vorbereitung der Geräte, ohne eine Server-Lösung, verbunden sind, waren zum Teil mit so hohem Zeit- und Rechercheeinsatz verbunden, dass wir das sicher zukünftig anders vorbereiten würden.
Gleichzeitig muss hier nochmal die Frage nach der strukturellen Nachhaltigkeit der Förderung durch das BMBF gestellt werden: bei einer ursprünglichen Projektzeit von 18 Monaten (real, durch Abstimmungsprozesse Bund/Land 15 Monaten) ist es gerade für ein bildungsbereichsübergreifendes Sensibilisierungsprojekt wie unseres, extrem problematisch in die teils deutlich längeren Vorlaufzyklen der Hochschulen, Verwaltungen und Schulen hineinzukommen und längerfristige und umfänglichere Fortbildungskonzepte umzusetzen.

Alleinstellungsmerkmal: Was haben Sie gemacht, was die meisten anderen nicht gemacht haben?

Das Alleinstellungsmerkmal von OSM@BB ist sicher die bildungsbereichsübergreifende Grundausrichtung und zwar mit dem klaren Bezug auf Schule und Medienbildung. Jenseits davon, ist die Anbindung an ein Landesinstitut für Schule und Medien, welches in seiner Grundfunktion eine nachgeordnete Einheit des Ministeriums und der Senatsverwaltung ist, sicher ein Alleinstellungsmerkmal und ein guter Ansatzpunkt, mit vielen Chancen des „Zugriffs“ auf die zu erreichenden Zielgruppen, zumindest im Schulbereich.
Unser Projekt ist eben für zwei Länder, Berlin und Brandenburg, verantwortlich, mit allen Vor- und Nachteilen die daraus resultieren.

Was war für die Erreichung Ihrer Ziele (welche?) das größte Hindernis?

Durch die kurze Projektlaufzeit, die wir nur mit Hilfe des Projektträgers DLR und der Beweglichkeit einzelner im LISUM, kostenneutral um 3 Monate verlängern konnten, ist eine nachhaltige Implementierung von OER in die Fortbildungs- und Unterrichtspläne, sowohl für Schule, als auch für Hochschule, recht schwierig. Dieser Umstand und der damit einhergehende, relativ kurze Zeitraum für eine flächendeckende Bekanntmachung des Projekts in allen Schulen und Hochschulen Berlins und Brandenburgs und der außerschulischen Bildungsarbeit, sind aus meiner Sicht mit verantwortlich dafür, dass wir das Hauptziel der bildungsbereichsübergreifenden Sensibilisierung nur zu einem gewissen Prozentsatz – der wiederum auch nicht komplett schlecht ist – erreichen können.

Was bleibt? Inwieweit hat das Projekt einen Unterschied gemacht, der 2019 sichtbar ist?

Aus meiner Perspektive, ist der wichtigste Unterschied, dass es eine große Zahl an Menschen gibt, die über die Chancen und die Haltung(en), die mit OER verbunden sind,

  1. überhaupt etwas wissen
  2. mehr wissen und es einsetzen werden und
  3. ihnen mindestens ein Weg aufgezeigt wurde, mit der Nutzung und Erstellung von OER, auch einen Teil zur Ermöglichung des freien Zugangs zu Bildung und damit zur Erhöhung der Bildungsgerechtigkeit, beizutragen.

Ein weiterer relevanter Punkt ist, das durchaus deutlich geworden ist, dass das Thema OER, gerade in seiner Übertragung auf die Bereiche der OERganisationsentwicklung (policy und change of organizational culture) und gemeinschaftlicher Herangehensweise an Lern- und Lehrprozesse, wichtige Perspektiven und – im Rahmen natürlich – auch Wertefragen aufnimmt, die aktuell nicht en vogue sind. Weniger Verwertbarkeit, mehr Augenhöhe. Weniger „Herrschaftswissen“, mehr Allmende. Weniger Entweder oder, mehr sowohl als auch.

Werden Sie als Projektbeteiligte*r sich auch nach der Förderung noch mit dem Thema OER beschäftigen? In welcher Weise?

Ja!

  • Unterstützung der OER-Initiativen der Länder Berlin und Brandenburg
  • in Fortbildungen der Berater*innen und Führungskräfte
  • mit eigenen Publikationen des LISUM

Was haben Sie selbst während des Projektes über OER gelernt?

Einiges, obwohl ich bereits vorher als Medienpädagoge darüber einiges wusste. OER hat im Laufe des Projekts immer wieder eine faszinierende Kraft entwickelt. Also natürlich die beteiligten Menschen, aber eben auch der dahinterliegende Ansatz und die durchaus in diesem Umfeld häufiger entstandenen Momente von Emergenz.

Welches Tool oder Softwarewerkzeug hat sich als besonders hilfreich im Verlauf ihres Projektes herausgestellt? Warum?

H5p – erklärt sich selbst! und das Repository-Tool von edu sharing – sehr funktional, sehr schick, guter Support! Außerdem das Policy- Tool von lumen learning und die vielen Materialien von Sandra Schön, Martin Ebner und Jöran Muuß- Merholz und den anderen BMBF-OERinfo Projekten.


Dieser Artikel ist Bestandteil der Reihe „Lessons Learned in 5×5 Zeilen“, die zum Abschluss der Projektförderung der OERinfo-Projekte entstanden ist.

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Martin „lOERling“ Nestler für OER@OSM und Jöran Muuß-Merholz für OERinfo – Informationsstelle OER.

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