Grundrechte im Digitalen: Ein kostenloses Kartenset, das Jugendliche dort abholt, wo sie sind

Social Media, Messenger, Online-Marktplätze: Digitale Plattformen sind für Jugendliche Teil ihres Alltags. Doch wissen sie, welche Rechte sie in diesen Räumen haben? Und was können sie tun, wenn ihre Grundrechte verletzt werden? Wikimedia Deutschland hat mit dem kostenlosen Kartenset „Grundrechte im Digitalen“ ein Unterrichtsmaterial entwickelt, das genau diese Fragen zum Thema macht – ohne trockene Theorie, dafür mit echten Alltagssituationen und aktivierenden Methoden.

Spielkarten in Schwarz. weiß und neongelb auf dem Tisch verteilt
Kartenspiel zu Grundrechte im Digitalen. Foto: Caroline Boos für Wikimedia, CC BY 4.0

Ein Beitrag von Caroline Boos

Eine Leerstelle im Bildungsangebot füllen

Das Kartenset ist als jugendgerechte Ergänzung zum gleichnamigen Buch„Grundrechte im Digitalen“ entstanden, das Wikimedia Deutschland bereits für Erwachsene herausgegeben hat und das digital und gedruckt frei verfügbar ist. Das Kartenset ist für die Arbeit mit Jugendlichen ab etwa 14 Jahren  geeignet.

Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte, die das Material in Workshops getestet haben, brachten es auf den Punkt: Zu diesem Thema gibt es bisher kaum Unterrichtsmaterialien. Das Kartenset trifft damit auf einen echten Bedarf.

Der Einsatz ist flexibel: Das Kartenset funktioniert im Regelunterricht ebenso wie an Projekttagen, in der offenen Jugendarbeit oder bei Lehrkräftefortbildungen. Mindestens 12 Personen sollten mitmachen, damit der Austausch funktioniert. Für größere Gruppen ab 32 Personen braucht man ein zweites Exemplar.

Drei Kartentypen – ein durchdachtes System

Das Kartenset besteht aus drei unterschiedlichen Kartentypen, die man abhängig von der zur Verfügung stehenden Zeit einzeln nutzen oder gezielt kombinieren lassen:

32 Basiskarten führen in zentrale Begriffe rund um digitale Grundrechte ein – von „Datenschutz“ bis „Tracking“. Jede Karte erklärt den Begriff verständlich und verknüpft ihn mit einem konkreten Alltagsbeispiel und dem passenden Grundrecht.

35 Rollenkarten stellen fiktive Jugendliche und Erwachsene mit sehr unterschiedlichen Lebenssituationen vor. Da ist etwa Luna, 16 Jahre alt und trans, deren Posts über LGBTQ+-Themen von Plattformen gelöscht werden. Oder Pavel, 71, der keinen Arzttermin bekommt, weil die Buchung nur online möglich ist und er kein Smartphone besitzt. Diese Vielfalt an Perspektiven schafft Raum für echtes Nachdenken und Empathie.

8 Aktionskarten schließlich geben konkrete Aufträge: Eine Gruppe schaut sich eine Petition beim Deutschen Bundestag an und überlegt, zu welchem Thema sie selbst eine verfassen würde. Eine andere recherchiert bei der Organisation HateAid, wie man Hassrede im Netz begegnen kann. Wieder eine andere erarbeitet Tipps zur digitalen Selbstverteidigung. Die Botschaft dahinter: Ihr seid nicht hilflos – ihr könnt handeln.

So läuft eine Einheit ab

Die Basiskarten bilden den Einstieg. Alle Lernenden erhalten eine Karte, bewegen sich durch den Raum und erklären sich gegenseitig ihre Begriffe. Dann tauschen sie die Karten und der Austausch geht weiter. Der Ansatz funktioniert auch deshalb so gut, weil das selbstständige Erklären das Verständnis eines Begriffs vertieft und das Erklären durch andere Raum für Rückfragen schafft.“

Im nächsten Schritt kommen die Rollenkarten ins Spiel. Die Schülerinnen und Schüler versetzen sich in die Personen und überlegen: Was bedeutet der Begriff auf meiner Basiskarte für diesen Mensch? Was sind seine Rechte und wie werden sie möglicherweise verletzt?

Wer mehr Zeit hat, mehrere (Schul-)stunden bis zu einem ganzen Projekttag, kann zusätzlich die Aktionskarten einsetzen und die Lernenden von der Reflektion zur eigenen Aktivität führen.

Was Lehrkräfte konkret davon haben

Das Kartenset ist so konzipiert, dass der Vorbereitungsaufwand gering bleibt. Eine beiliegende Handreichung erklärt verschiedene Einsatzmöglichkeiten klar und praxisnah. Für eine erste Unterrichtseinheit reichen 45 Minuten.

Das Beste: Das Kartenset ist vollständig kostenlos. Es steht unter einer offenen Lizenz (CC BY-SA 4.0), kann also frei heruntergeladen, ausgedruckt und sogar für den eigenen Kontext angepasst werden. Dadurch lassen sich nicht nur die drei Kartentypen frei kombinieren, sondern auch die einzelnen Karten dürfen so bearbeitet werden, dass die Komplexität zum Vorwissen der Schülerinnen und Schüler und der verfügbaren Zeit passt. Wer möchte, kann das Kartenset auch kostenlos in der gedruckten Version bestellen.

wmde.org/kartenset-grundrechte-im-digitalen

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Caroline Boos, Wikimedia Deutschland e. V. für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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