Lehrende im Portrait: Mario Liftenegger

MMag. Dr. Mario Liftenegger ist als Lehrer für Geschichte, Geografie und Wissenschaftliches Arbeiten in der Bundesbildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP) Liezen in Österreich tätig. Darüber hinaus ist er in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Bereich der Lehrkräftefortbildung vor allem im Bereich Digitalität und Mediendidaktik tätig.

Mario Liftenegger, Foto: privat, nicht unter freier Lizenz
Mario Liftenegger, Foto: privat, nicht unter freier Lizenz.

OERinfo: Wodurch wurde Ihr Interesse an Open Educational Resources und Open Educational Practices geweckt? Was motiviert Sie?

Mario Liftenegger: Ich bin das erste Mal durch den Schummelzettel der Virtuellen Pädagogischen Hochschule über das Thema OER gestolpert und das hat mich seither nicht mehr losgelassen. Ich war vom Prinzip des „sharing is caring“ begeistert, finde aber, dass diese Kultur unter Lehrkräften noch recht spärlich ausgeprägt ist. Ich möchte, dass sich das in Zukunft verändert, denn so müssen wir das Rad nicht permanent neu erfinden, können zeitsparender arbeiten (diese Zeit können wir dann in die Konzeption guten Unterrichts stecken) und Arbeitsmaterialien können durch offene Lizensierungen passgenau auf die Bedürfnisse unserer Schüler*innen zugeschnitten werden.

OERinfo: Was bedeutet Lehren für Sie? Was ist Ihnen dabei auch im Sinne der Offenheit wichtig?

Mario Liftenegger: Ich halte es hier mit Heraklit: „Lehren heißt nicht ein Fass zu füllen, sondern eine Flamme zu entzünden“. Lehren soll also nicht mehr bloße Inhaltsvermittlung durch die Lehrkraft sein, sondern die Schüler*innen sollten von den Lehrkräften mit überfachlichen und fachlichen Kompetenzen ausgestattet werden, um Dinge zu hinterfragen und diese Fragen dann auch selbstständig beantworten zu können. Hier spielt Offenheit in zwei Aspekten eine Rolle. Einmal, dass wir den Schüler*innen im Rahmen der Möglichkeiten, die uns das Schulsystem lässt, die Freiheit zu geben sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, die sie am meisten interessieren. Das zweite Mal sollten wir als Lehrkräfte auch möglichst offen sein, um immer wieder neue Ansätze auszuprobieren, damit bei unseren Schüler*innen die Flamme des Interesses immer wieder neu entfacht wird.

OERinfo: Was sind Ihre Ziele als Lehrender?

Mario Liftenegger: Natürlich möglichst guten Unterricht für meine Schüler*innen bzw. gute Fortbildungen für andere Lehrkräfte zu machen. Bei meinen Schüler*innen möchte ich etwas dazu beitragen, dass sie – neben dem Erwerb von fachspezifischem Wissen und Kompetenzen – sich zu selbstständigen, kritisch denkenden Menschen entwickeln.

Den Kolleg*innen, die meine Fortbildungen besuchen, möchte ich die jeweiligen Inhalte so vermitteln, dass sie sie im jeweiligen Unterrichtssetting sicher einsetzen können. Ich möchte aber auch einen Anstoß geben, dass sie vielleicht ihren eigenen Unterricht kritisch reflektieren und digitale Tools nicht um ihrer selbst willen in den Unterricht integrieren. Sie sollen lediglich Unterricht unterstützen und nicht zum dominierenden Element des Unterrichts werden.

OERinfo: Als Lehrender sind Sie natürlich immer auf der Suche nach guten OER. Wo werden Sie fündig und nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie Materialien aus?

Mario Liftenegger: Ich finde vor allem ZUM-Unterrichten bzw. WirLernenOnline sehr gut und für alle Geschichtslehrer*innen ist vor allem segu Geschichte zu empfehlen. Ich wähle die Materialien primär nach Qualität und nach Offenheit der Lizenz aus, damit ich sie auch speziell an die Bedürfnisse meiner Schüler*innen anpassen kann.

OERinfo: Wie binden Sie OER in den Unterricht ein?

Mario Liftenegger: Im Unterricht binde ich OER gerne in Form von historischen Stadtrundgängen ein. Dabei recherchieren die Schüler*innen Sehenswürdigkeiten in ihren Heimatgemeinden und erstellen danach einen virtuellen Stadtrundgang mittels uMap (einer sehr einfach zu bedienenden OpenStreetMap Anwendung). Zusätzlich zu kurzen Informationen zu der jeweiligen Sehenswürdigkeit und einem Foto integrieren die Schüler*innen noch mittels H5P ein kleines Quiz in den virtuellen Stadtrundgang.

OERinfo: Wie gestaltet sich bei Ihnen die Erstellung und Verbreitung von OER?

Mario Liftenegger: Ich bin großer Fan von H5P, das mittlerweile das Tool geworden ist, mit dem ich fast alle meine Materialien erstelle. Ich veröffentliche sie dann zum Teil entweder auf meiner Webseite bzw. auf Twitter.

OERinfo: Wird die Erstellung und Verbreitung von OER schulintern auf Leitungsebene unterstützt?

Mario Liftenegger: Nein, hier gibt es leider keinerlei aktive Unterstützung.

OERinfo: Welche Plattformen z. B. für Bild oder Ton empfehlen Sie Ihren Lernenden für die Produktion von Präsentationen oder Erklärvideos?

Mario Liftenegger: Für Bilder würde ich primär Wikimedia Commons und für Ton CCMixter empfehlen.

OERinfo: Was würden Sie Lehrenden in der Ausbildung mit auf den Weg geben wollen?

Mario Liftenegger: Sich möglichst früh mit OER zu beschäftigen bzw. sich in diesem Bereich zu engagieren und gleich von Anfang an eine Kultur des Teilens zu leben. Die ist, meiner Meinung nach, vor allem bei Lehrkräften noch nicht sehr stark ausgeprägt. Aber es lässt sich in den letzten Jahren eine deutliche Verbesserung feststellen. Wir sind als Berufsgruppe glaube ich auf einem guten Weg.

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Mario Liftenegger für OERinfo – Informationsstelle OER.

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