Einblicke in OER-Projekte der Förderlinie OERContent.nrw: 2 * (4 Fragen + 4 Antworten)

Mit der Förderlinie OERContent.nrw unterstützt das Land NRW die Entwicklung, Umsetzung und Verbreitung innovativer und qualitativ hochwertiger digitaler Lehr-/Lernmaterialien im Hochschulbereich. Die Bildungsmaterialien werden als OER auf dem Landesportal ORCA.nrw bereitgestellt. In diesem Beitrag stellen sich zwei Projekte der Förderlinie vor und geben Einblicke in ihre Arbeit.

ORCA.nrw-Logo, NRW-Landkarte, türkis, weißer Schirftzug auf blauem Hintergrund: 2 * (4 Fragen + 4 Antworten): Einblicke in OEr-Projekte der Förderlinie OERContent.nrw,
2 * (4 Fragen + 4 Antworten: Projekte der Förderlinie OERContent.nrw, Bild: Daniel Diekmann, nicht unter freier Lizenz

Interviews durchgeführt von Daniel Diekmann

Nachdem im Vorfeld bereits über den Auswahlprozess und die geförderten Konzepte der aktuellen Ausschreibungsrunde der Förderlinie OERContent.nrw berichtet wurde, möchten wir nun Einblicke in bereits laufende Projekte der Förderlinie geben. Hierzu haben wir exemplarisch Interviews mit den Projekten KomVor Pflege und WiLMo geführt.

Projekt KomVor Pflege: Interview mit Kristina Seidler-Rolf

Kristina Seidler-Rolf ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt KomVor Pflege (Kompetenzentwicklung durch digitale OER-Lehr-Lernmaterialien für die Vorbehaltsaufgaben der Pflege: Planen, Steuern und Evaluieren pflegerischer Prozesse) tätig. In diesem Verbundprojekt werden digitale Lehr-Lernmaterialien für Lehrende und Studierende aus Pflegestudiengängen entwickelt.

Daniel Diekmann: Frau Seidler-Rolf, was ist die Motivation für das Projekt KomVor Pflege und warum braucht es gerade in diesem Bereich OER-Materialien?

Kristina Seidler-Rolf: Im Rahmen des Pflegeberufegesetzes wurden die sogenannten Vorbehaltsaufgaben bundesweit in alle primärqualifizierenden Pflegestudiengänge aufgenommen und curricular verankert. Die Vorbehaltsaufgaben bestehen darin, Pflegebedarfe einzuschätzen, Pflegeprozesse zu organisieren und Pflegemaßnahmen zu evaluieren. Aktuell fehlen jedoch einheitliche und nutzbare Konzepte zur digitalen Anbahnung wissenschaftsbasierter Handlungskompetenz in der Pflege. Genau hier setzt unser Projekt an.

Daniel Diekmann: Welche Art von Materialien erstellen Sie im Projekt?

Kristina Seidler-Rolf: Insgesamt erstellen wir im Projekt neun Einheiten digitaler Lehr-Lernmaterialien zu den drei relevanten Pflegephänomenen Schmerz, Immobilität und Gesundheitskompetenz. Wir arbeiten dabei mit authentischen Fallkonstruktionen aus dem pflegerischen Alltag, die jeweils auf eine der Vorbehaltsaufgaben abzielen. Die Studierenden können selbstgesteuert in ILIAS oder Moodle die einzelnen Fälle durchlaufen und dabei interaktiv ganz unterschiedliche Lehr-Lernmaterialien nutzen, zum Beispiel Texte, Videos, Audios oder H5P-Elemente.

Daniel Diekmann: Wir möchten gerne einen Blick in den Maschinenraum von KomVor Pflege werfen: Wie sieht im Projekt der Weg von der Idee bis hin zum fertigen OER-Material aus?

Kristina Seidler-Rolf: Im Zentrum der Lerneinheiten stehen die eben angesprochenen Fälle. Diese erhalten wir von den Modulverantwortlichen der beteiligten Hochschulen oder wir konstruieren sie im Team selbst. Wir formulieren Lernziele angepasst an die zu erreichenden Kompetenzen der jeweiligen Vorbehaltsaufgabe und das Schwerpunktthema und entwickeln die entsprechenden Lehr-Lernmaterialien. Daran sind auch immer unsere studentischen Hilfskräfte beteiligt. Deren Perspektive ist für uns sehr wertvoll, da sie durch ihre pflegerische Ausbildung über tiefe Einblicke in die Praxis verfügen. Für bestimmte Themen nutzen wir auch die Expertise einer externen Pflegewissenschaftlerin. Eine Kollegin aus dem Instructional Design setzt die Lehr-Lerneinheiten für ILIAS und Moodle um. Bevor das Material über ORCA.nrw veröffentlicht wird, durchläuft es verschiedene Prüfungs-, Evaluations- und Anpassungsprozesse.

Daniel Diekmann: Wann ist das Projekt aus Ihrer Sicht ein voller Erfolg?

Kristina Seidler-Rolf: Ich würde mir wünschen, dass die Materialien gerne genutzt und angepasst werden. Das Potenzial dazu ist auf jeden Fall gegeben, weil die Vorbehaltsaufgaben bundesweit fest in allen Pflegestudiengängen curricular verankert sind und auch Prüfungsrelevanz haben. Wir würden uns freuen, wenn wir von Außenstehenden konstruktiv-kritische Rückmeldungen zu den Materialien erhalten, dann können wir diese auch noch weiterentwickeln. Aber davon unabhängig ist auch die Kooperation der verschiedenen Hochschulen selbst schon ein großer Erfolg. Für uns macht es einfach Sinn, zusammenzuarbeiten, Synergien zu nutzen, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.

Projekt WiLMo: Interview mit Prof. Dr. Christian Czarnecki und Prof. Dr. Martin Wolf

Prof. Dr. Christian Czarnecki und Prof. Dr. Martin Wolf leiten gemeinsam das Verbundprojekt WiLMo (Wirtschaftsinformatik Lehr- und Lern-Module), in dem digitales Lehr- und Lernmaterial für Studierende und Lehrende aus Wirtschaftsinformatik (WI)-Studiengängen bzw. -Studienschwerpunkten entwickelt wird.

Daniel Diekmann: Herr Prof. Czarnecki, Herr Prof. Wolf, was ist die Motivation für das Projekt WiLMo und warum braucht es gerade in diesem Bereich OER-Materialien?

Martin Wolf: In Aachen ist der Studiengang Wirtschaftsinformatik noch sehr jung. An der FH Aachen sind wir 2016 mit dem ersten Studiengang Wirtschaftsinformatik gestartet und standen dabei vor der Herausforderung, gänzlich neue Lehr-Lernmaterialien zu entwerfen. Dabei kann man natürlich einerseits auf Literatur zurückgreifen oder auf die Arbeit von Verlagen. Aber in unserem Fall hat das alles nicht ganz gepasst: Die Materialien waren uns entweder zu speziell, zu detailreich, zu theoretisch oder zu durchwoben von bestimmten Forschungsperspektiven. Für das Setting, das wir uns für eine Einführung in die Wirtschaftsinformatik gewünscht hätten, haben wir eine Lücke ausgemacht. Diese wollten wir mit dem Projekt WiLMo schließen.

Daniel Diekmann: Welche Art von Materialien erstellen Sie in Ihrem Projekt?

Christian Czarnecki: Unser Ziel ist die Erstellung digitaler Lehr-Lernmaterialien, mit denen wir den Grundstock der Kernfächer des WI-Studiums abdecken können. Für sieben Themengebiete stellen wir einen Baukasten aus den verschiedensten Materialien bereit, hierzu zählen z.B. Vorlesungsmaterialien, Screencasts, Übungen, Fallstudien oder Prüfungsaufgaben. Dozierende können diese Materialien nutzen sowie anpassen und haben dadurch mehr Freiraum, neue Lernkonzepte wie z.B. Flipped Classroom, Projektorientiertes oder Fallbasiertes Lernen auszuprobieren oder sich neben den Grundlagenbereichen auch mit jungen und innovativen Themen zu beschäftigen. Diese spielen in der Wirtschaftsinformatik eine große Rolle und schlagen sich traditionell in einem breiten Wahlpflichtkatalog nieder.

Daniel Diekmann: Wir möchten gerne einen Blick in den Maschinenraum von WiLMo werfen: Wie gestaltet sich in einem Projekt, in dem sechs Hochschulen gemeinsam OER erstellen, die Zusammenarbeit?

Christian Czarnecki: Mit sechs Hochschulen und fast 30 Profesor*innen und Mitarbeiter*innen sind wir natürlich ein sehr umfangreiches Projekt. Das bringt Vorteile mit sich, birgt aber auch Herausforderungen. Zur Organisation haben wir verschiedene Austauschformate etabliert, z.B. in einem Projektmanagementteam oder auf Ebene der wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen. Die Außenperspektive bringt ein Beirat aus Studierenden, Unternehmensvertreter*innen und Professor*innen anderer Hochschulen, auch außerhalb von NRW, in das Projekt ein. Für jedes der sieben Themengebiete gibt es außerdem eine*n Themengebietsleiter*in aus einer der beteiligten Hochschulen. Bei so vielen Beteiligten ist es bei der Materialerstellung manchmal eine schwierige Entscheidung, ob ein bestimmtes Thema mit aufgenommen wird, oder nicht. Gleichzeitig ist es auch ein Vorteil, dass so viele Expert*innen beteiligt sind. Denn wenn diese sich auf einen Standard einigen, kann man sich i.d.R. sowohl aus inhaltlicher als auch aus didaktischer Perspektive gut darauf verlassen.

Daniel Diekmann: Wann ist das Projekt aus Ihrer Sicht ein voller Erfolg?

Martin Wolf: Wir wünschen uns natürlich, dass die Materialien aus unserem Projekt möglichst breit nachgenutzt werden – auch über die beteiligten Hochschulen hinaus. Unsere Zielgruppen sind dabei nicht nur Dozierende und Studierende, sondern auch alle anderen, die sich für Wirtschaftsinformatik interessieren, z.B. Schüler*innen oder Praktiker*innen. Unserer Erfahrung nach ist man in der Wirtschaftsinformatik vergleichsweise offen dafür, Materialien zu tauschen. Das und die ausgeprägte Vernetzung der WI-Community sprechen aus unserer Sicht dafür, dass die Materialien eine breite Nachnutzung erfahren.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Die Namen der Urheber*innen sollen bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Daniel Diekmann, ORCA.nrw, Kristina Seidler-Rolf, KomVor Pflege , Prof. Dr. Christian Czarnecki und Prof. Dr. Martin Wolf , WiLMo, für OERinfo – Informationsstelle OER.

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