Offene Bildungsinfrastrukturen gemeinsam weiterentwickeln – Eindrücke und Ergebnisse aus dem HackathOERn-Projekt

Drei HackathOERns, mehr als 170 Teilnehmende, zahlreiche Projektideen und neue Kooperationen: Seit 2025 bringt das Projekt HackathOERn Menschen aus Bildung, IT, Wissenschaft, Verwaltung und Community zusammen, um offene Bildungsinfrastrukturen gemeinsam weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht fertige Produkte, sondern offene Innovationsprozesse. Wie können Herausforderungen rund um OER sichtbar gemacht werden? Welche Ideen entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen? Und wie lassen sich daraus langfristige Kooperationen und nachhaltige Entwicklungen aufbauen?

Collage mit Fotos vom HackathOERn
Impressionen vom HackathOERn. Collage: Kathrin Raabsch, nicht unter freier Lizenz

Ein Beitrag von Kathrin Raabsch

Nach inzwischen drei durchgeführten HackathOERns lohnt sich ein Blick auf zentrale Ergebnisse, Erfahrungen und die Frage, welche Rolle solche offenen Innovationsräume für die Zukunft von OER spielen können.

Von der Idee zum Prototyp

HackathOERn wird von edu-sharing.net e.V. gemeinsam mit der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG) umgesetzt und im Rahmen der OER-Strategie gefördert. Ziel des Projekts ist es, Innovationspotenziale im Bereich offener Bildungsinfrastrukturen sichtbar zu machen und gemeinsam mit der Community weiterzuentwickeln. Kern des Projekts sind vier HackathOERns sowie der Aufbau einer öffentlich zugänglichen Ideen-Datenbank.

Dabei steht nicht allein die technische Entwicklung im Mittelpunkt. Ebenso wichtig sind Vernetzung, Wissenstransfer und der Aufbau nachhaltiger Kooperation zwischen unterschiedlichen Akteur*innen der OER-Community. Schon früh wurde deutlich, dass es nicht nur um einzelne technische Lösungen geht, da viele Herausforderungen im OER-Bereich, zum Beispiel Fragen der Auffindbarkeit, Qualitätssicherung oder Kollaboration, häufig an den Schnittstellen von Technologie, Bildungspraxis, Organisation und Community-Arbeit entstehen. Genau dort setzt HackathOERn an: als Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und gemeinsam weitergedacht werden können.

Drei HackathOERns – viele Perspektiven auf offene Bildungsinfrastrukturen

Die bisherigen Veranstaltungen haben gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen rund um OER-Infrastrukturen sind und wie groß der Bedarf nach Austausch und gemeinsamer Infrastrukturentwicklung im OER-Bereich ist. Drei HackathOERns fanden in Göttingen und Weimar statt und setzten unterschiedliche thematische Schwerpunkte – von Kollaboration und Community Building über Interoperabilität und Auffindbarkeit bis hin zu wissenschaftlichen Perspektiven auf offene Bildungsinfrastrukturen.

Die Themen entstanden jeweils direkt aus der Community. Über öffentliche Call-for-Ideas-Verfahren konnten Interessierte Herausforderungen und Projektideen einbringen, die anschließend gemeinsam weiterentwickelt wurden.

Die Themen der HackathOERns spiegeln dadurch konkrete Herausforderungen aus der Praxis wider. Obwohl die Projekte sehr unterschiedlich waren, zeichnen sich über die bisherigen Veranstaltungen hinweg einige wiederkehrende Themenfelder ab. Sie zeigen, welche Fragen und Entwicklungen die OER-Community derzeit besonders beschäftigen:

  • Auffindbarkeit und Navigation von OER
    Viele Ideen beschäftigten sich mit der Frage, wie offene Bildungsmaterialien leichter gefunden, strukturiert und kontextbezogen genutzt werden können – etwa durch neue Suchmechanismen, semantische Verknüpfungen oder Empfehlungssysteme.
  • KI und intelligente Unterstützungssysteme
    Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Einsatz von KI im OER-Kontext, beispielsweise zur Unterstützung bei Erstellung, Überarbeitung, Strukturierung oder Erschließung von Materialien.
  • Offene und interoperable Infrastrukturen
    Mehrere Projekte beschäftigten sich mit offenen Schnittstellen, dezentralen Ansätzen und der besseren Vernetzung bestehender Systeme und Plattformen.
  • Kollaborative Arbeits- und Communityprozesse
    Auch Fragen gemeinschaftlicher Qualitätssicherung, kollaborativer Workflows und nachhaltiger Community-Strukturen spielten eine wichtige Rolle.
  • Personalisierung und neue Lernumgebungen
    Darüber hinaus entstanden Ideen rund um personalisierte Lernpfade, adaptive Lernumgebungen und neue Formen individueller Unterstützung.

Die bisherigen HackathOERns haben gezeigt, dass der Mehrwert solcher Formate weit über die Entwicklung einzelner technischer Lösungen hinausgeht. Neben konkreten Prototypen entstanden neue Netzwerke und Kooperationen innerhalb der Community. Es hat sich gezeigt, dass neben den technischen Ergebnissen vor allem der Community-Aspekt eine zentrale Stärke des Projekts darstellt. Die HackathOERns schaffen Räume, in denen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam an Herausforderungen arbeiten können – niedrigschwellig, praxisnah und experimentell. Dadurch entstehen oftmals neue Perspektiven auf bestehende Herausforderungen und häufig auch unerwartete Verbindungen zwischen einzelnen Ideen.

Auch die zunehmende internationale Beteiligung – etwa durch Beiträge aus den Niederlanden oder der Schweiz – eröffnet zusätzliche Perspektiven auf offene Bildungsinfrastrukturen und internationale Anschlussmöglichkeiten.

Zentrale Learnings: OER-Infrastrukturen sind mehr als Technik

Über die konkreten Themen und Projekte hinaus zeigt sich über alle Veranstaltungen hinweg ein zentrales Muster: Offene Bildungsinfrastrukturen sind weit mehr als technische Systeme. Zwar spielen Software, Standards und Schnittstellen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass viele Herausforderungen erst durch das Zusammenspiel technischer, organisatorischer und sozialer Faktoren entstehen.

Fragen der Qualitätssicherung betreffen beispielsweise nicht nur Metadatenmodelle, sondern auch Community-Prozesse. Die Auffindbarkeit von OER hängt nicht allein von Suchtechnologien ab, sondern ebenso von gemeinschaftlicher Kuratierung und Strukturierung. Und auch die Entwicklung neuer Werkzeuge gelingt häufig erst dann nachhaltig, wenn unterschiedliche Akteur*innen ihre Perspektiven einbringen können. Die HackathOERns wurden damit zunehmend zu Räumen, in denen nicht nur Lösungen entwickelt, sondern auch unterschiedliche Sichtweisen auf OER-Infrastrukturen zusammengebracht werden.

Vom Einzelprojekt zum offenen Ökosystem – wenn Projekte zusammenwachsen

Einige Teilnehmende kamen mit einer einzelnen Idee zum HackathOERn und kehrten mit neuen Kontakten, Kollaborationen und einer Idee, die mit anderen Vorhaben zu einem gemeinschaftlichen Projekt geworden ist. Besonders deutlich wurde dies beispielsweise bei der Zusammenarbeit zwischen Projekten zu offenen Veranstaltungsinfrastrukturen und dem OER-Navigator. Während ein Team an einem offenen Kalendersystem auf Basis des Nostr-Protokolls arbeitete, beschäftigte sich ein anderes Team mit neuen Such- und Navigationsmechanismen für OER. Während des HackathOERns wurden beide Ansätze miteinander verknüpft und als gemeinsames Ökosystem weitergedacht.

Solche Verbindungen entstanden auch in anderen Bereichen. Projekte zu Qualitätsindikatoren für OER wurden mit Ansätzen zur strukturierten Erschließung von Materialien zusammengeführt. Ideen zu KI-gestützten Assistenzsystemen profitierten von Erfahrungen aus Community- und Redaktionsprozessen. Dadurch entstanden neue Synergien, die über einzelne Projektideen hinausweisen.Diese Dynamik gehört inzwischen zu den wichtigsten Erkenntnissen des Projekts: Viele Herausforderungen im OER-Bereich lassen sich nicht isoliert lösen, sondern benötigen gemeinsame Entwicklungs- und Vernetzungsprozesse.

Ausblick

Mit dem vierten HackathOERn vom 24. bis 26. August 2026 in Weimar nähert sich das Projekt seinem Abschluss. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die entstandenen Ideen, Netzwerke und Kooperationen langfristig weitergeführt werden können. Eine wichtige Rolle soll dabei die öffentlich zugängliche Ideen-Datenbank spielen. Sie dokumentiert nicht nur die entstandenen Projektideen, sondern macht Entwicklungen, Kontakte und Anknüpfungspunkte für die Community sichtbar.

Bereits heute zeigt sich, dass offene Innovationsformate wie HackathOERn einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung von OER-Infrastrukturen leisten können. Sie schaffen Räume für Austausch, gemeinsames Lernen und kollaborative Entwicklung – und damit Voraussetzungen für ein offenes und nachhaltiges OER-Ökosystem.

Weiterführende Links

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Kathrin Raabsch, edu-sharing e.V.  für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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