Das Projekt MOERFI (Demo-Tage und Mapping von (OER-förderlichen) Bildungsinfrastrukturen) des FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht und dem Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) feierte beim 2. Demo-Tag (10.02./11.02.2026) im Landtag Rheinland-Pfalz in Mainz nach einem Projektjahr sein Bergfest und schreitet mit großen Schritten zum Gipfel im Januar 2027. Mittlerweile ist eine Community gewachsen, die sich für offene Bildungsinfrastrukturen einsetzt, darüber reflektiert und gemeinsam weiterdenkt. Welche Erkenntnisse und Ergebnisse bzgl. OER-Infrastrukturen konnten bisher gewonnen werden? Welche Bedarfe gibt es in der Praxis? Warum werden Bildungsinfrastrukturen und Tools nicht stärker in der Lehre eingesetzt?

Ein Beitrag von Dr. Susanne Friz und Constanze Reder-Knerr
2. Demo-Tag: „Offene Bildung weiterdenken: Tools, Editoren und KI in der Praxis“
Befasste sich der 1. Demo-Tag 2025 am FWU in Grünwald primär mit dem Thema „Portale, Plattformen, Perspektiven“, so stand der 2. Demo-Tag mit „Tools, Editoren und KI“ ganz im Zeichen der Praxis. Alexander König (Deutsch-Französisches Gymnasium Saarbrücken) zeigte, wie sich die Rolle der Lehrkraft wandelt – von der bloßen Wissensvermittlung hin zum Ermöglichen, Gestalten und Begleiten von Lernprozessen – und wie OER nicht nur den Unterricht, sondern auch die Schulkultur und Rollenverständnisse insgesamt verändern kann. Elena Jeron (IT-Projektmanagerin, Projekt AIS, FWU) stellte telli vor: eine Schul-KI, die als kollaboratives Länderprojekt entwickelt wird.
An 16 Ständen auf dem Markt der Möglichkeiten und bei 3 Maker Labs konnten offene Tools, Editoren und OER-Bildungsinfrastrukturen getestet werden, u.a. zu den Themen:
- Inklusion und KI: digital & telli
- Lehrplanung und Material: OnlyOffice/KI & ZUM
- Interaktiv: LiaScript & H5P

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass Tools in verschiedenen Bildungskontexten unterschiedlich eingesetzt werden. So fördert LiaScript eher die kollaborative Entwicklung in Communities, H5P erleichtert das Erstellen interaktiver Inhalte im Schulalltag und telli steht für einen gesicherten KI-Zugang mit klaren Grenzen. Aber jeder Einsatz eines Tools ist nur sinnvoll im Zusammenhang eines didaktischen Konzepts, wie z.B. H5P für den Flipped Classroom. Hier eignen sich Schüler und Schülerinnen im eigenen Tempo Wissen selbstständig zu Hause an, die Anwendung des Wissens erfolgt in der Unterrichtszeit.
Die Stimmung am Ende des Tages war der beste Beweis dafür, dass das Format funktioniert: durch die starke Community und deren spürbare Bereitschaft, Ideen zu teilen und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Ergebnisse, Erkenntnisse, Bedarfe,
Inhaltlich wurden in den bisherigen Online-Workshops, Demo-Tagen und Workshops auf Veranstaltungen mehrere zentrale Kernaussagen herausgearbeitet:
- Bessere Auffindbarkeit und Nutzung von OER durch Metadaten und KI:
Besonders im schulischen Kontext zeigt sich deutlich die enge Verbindung zwischen Lehrplanarbeit, OER-Nutzung und Metadatensetzung. Lehrmaterialien sollten durch ergänzende Metadaten (z. B. Lehrplanbezug, didaktisch-methodische Hinweise) leichter auffindbar und nutzbar sein. Verantwortungsvoller KI-Einsatz kann dabei unterstützen, Metadaten zu ergänzen und Materialien didaktisch aufzubereiten. - Interoperabilität und technische Öffnung als Schlüssel zur OER-Verbreitung: Lehrkräfte sollten Materialien ohne Medienbrüche suchen, einbinden und veröffentlichen können. Interoperabilität zwischen LMS, OER-Repositorien und Tools (z. B. über LTI, SSO, SPOE) ist essenziell, um einen reibungslosen und nutzerfreundlichen Workflow zu ermöglichen. Systeme sollten geschlossene Formate in offene, interoperable umwandeln können, um die Bereitstellung von Materialien zu erleichtern. Allerdings darf die Standardisierung nicht die Vielfalt pädagogischer Ansätze einschränken. Auch hier werden Chancen und Grenzen von KI diskutiert: Während sie im Metadatenmanagement und bei Workflows unterstützen kann, bleiben Qualitätskontrolle und pädagogische Verantwortung bei den Lehrenden.
- Stärkung der OER-Community und kollaborative Nutzung:
Austausch und Feedback (Rückfragen, Diskurs zu Nutzungsszenarien) sollten direkt über OER-Plattformen möglich sein, um kollektive Nutzung und didaktische Weiterentwicklung (Kultur des Teilens) zu fördern. Anreize wie Badges, Likes oder sichtbare Nutzungsstatistiken unterstützen die aktive Beteiligung. Ziel ist es, dass Lehrende zukunftsorientiertes Arbeiten nicht isoliert bewältigen müssen, sondern im Rahmen einer vernetzten Praxisgemeinschaft. - Single Sign-on:
Es besteht der Wunsch nach einem Single Sign-on. Lehrende sollten sich einmal anmelden und anschließend wie in einem „OER-Cockpit“ als Single Point of Entry auf alle relevanten Tools zugreifen können.
Zehn Arbeitsthesen:
Aus den bisherigen Ergebnissen leiten sich zehn prägnante Arbeitsthesen ab, die einen Bogen spannen von technischer Infrastruktur über Community-Fragen bis hin zu den Lernenden an Schulen und Hochschulen sowie der Lehrkräftebildung. Sie leiten den weiteren Projektverlauf von MOERFI und werden stetig gemeinsam mit der Community konkretisiert und erweitert.
These 1: Interoperabilität als Motor echten Austauschs
Machen wir Interoperabilität zum Motor echten Austauschs zwischen Bildungsbereichen. Sie ermöglicht nicht nur die technische Vernetzung von LMS und Repositorien, sondern schafft Perspektiven für nachhaltige Kooperationen zwischen Schulen, Hochschulen und anderen Bildungsbereichen.
These 2: Medienbruchfreie Workflows durch Schnittstellen, Plugins und KI
Gestalten wir medienbruchfreie Workflows durch Schnittstellen, Plugins und KI-gestützte Zwischenschichten. Durch intelligente technische Lösungen können OER effizient zwischen LMS und Repositorien bewegt und Lerninhalte flexibel genutzt werden.
These 3: Übergang von geschlossenen zu offenen Formaten als pädagogisch-didaktischer Prozess
Sehen wir den Übergang von geschlossenen zu offenen Formaten sowohl als pädagogisch-didaktischen Prozess bei den Teilgebenden, als auch verstärkt im Verantwortungsbereich der Infrastrukturen. So verbinden wir technische Konvertierungslösungen mit der Entwicklung von Kompetenzen für offenen Unterricht und Open Educational Practices.
These 4: Umfassende Metadatenstandards als Grundlage professionellen OER-Arbeitens
Setzen wir auf umfassende Metadatenstandards, die didaktische, methodische, medienpädagogische und qualitätssichernde Informationen enthalten – Lernziele, Methodik, Differenzierungsmöglichkeiten und die Zuordnung zu Lehrplänen – als Grundlage für professionelles OER-Arbeiten.
These 5: Nachhaltige Nutzung von OER durch aktive Austausch- und Feedback-Kultur
Fördern wir die nachhaltige Nutzung von OER durch eine aktive Austausch- und Feedback-Kultur. Feedback- und Kommunikationsfunktionen auf Portalen sowie KI-gestützte Tools können die Beteiligung stärken und ein lebendiges OER-Ökosystem aufbauen.
These 6: Verbindung von OER mit Bildungsakteuren stärken
Stärken wir die Verbindung von OER mit den beteiligten Bildungsakteuren. OER-förderliche Infrastrukturen befördern soziales Lernen, indem sie erstellende, weiterbearbeitende, nutzende und lernende Personen in Verbindung bringen.
These 7: Pädagogische Wirkung von Infrastrukturen erkennen und nutzen
Erkennen und nutzen wir die pädagogische Wirkung von Infrastrukturen. Richtig gestaltet können sie offene Pädagogik und didaktische Innovation fördern, während unreflektierte Strukturen Pädagogik und Didaktik hemmen können.
These 8: OER-Portale für Lernende öffnen und zur aktiven Beteiligung befähigen
Unterstützen wir OER-Portale dabei, sich auch für Lernende stärker zu öffnen. Lernende bauen so Kompetenzen auf, selbstgesteuert mit OER zu arbeiten und Lernprozesse mitzugestalten – bis hin zu einer offenen OER-Community zwischen Lehrenden und Lernenden.
These 9: OER-Ökosystem als Netzwerk des Lernens und Lehrens
Gestalten wir das OER-Ökosystem als Netzwerk des Lernens und Lehrens. OER-förderliche Infrastrukturen sind als Basis für das Zusammenstellen persönlicher, vernetzter Lehr-, Lern- und Arbeitsumgebungen zu verstehen – als Teil neuer Lernkultur.
These 10: Schule und Hochschule frühzeitig vernetzen – insbesondere in der Lehrkräftebildung
Vernetzen wir Schule und Hochschule frühzeitig, insbesondere in der Lehrkräftebildung. So entwickeln wir die notwendigen Kompetenzen für den professionellen Umgang mit OER-Infrastrukturen und legen den Grundstein für nachhaltige Kooperationen.
Ausblick:
Der 3. Demo-Tag wird im IV. Quartal 2026 stattfinden. Ort, Zeit und Thema werden rechtzeitig auf der MOERFI-Website veröffentlicht. Stay tuned!
Weiterführende Links:
- MOERFI-Website: https://www.oer-strategie.de/vernetzen/moerfi/
- Vollständige Dokumentation des 2. Demo-Tags mit weiteren Ergebnissen: https://www.oer-strategie.de/vernetzen/moerfi/ergebnisse/
- Alle Materialien des 2. Demo-Tags: https://www.oer-strategie.de/vernetzen/moerfi/materialien/
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Die Namen der Urheber sollen bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Susanne Friz, FWU Institut für Film und Bild für OERinfo – Die Informationsstelle OER und Constanze Reder-Knerr VCRP für OERinfo – Die Informationsstelle OER.