Berufsbildung – Einstieg und Überblick

Was ist OER?

Unter Open Educational Resources (OER) – im deutschsprachigen Raum spricht man auch von offenen Bildungsmaterialien – werden digitale Lehr- und Lernmaterialien verstanden (Kursmaterial, Lehrwerke, Videos, Aufgabenblätter, Podcasts etc.). Sie sind für alle frei und kostenlos zugänglich und dürfen außerdem weiter vervielfältigt, verwendet, verändert, vermischt und verbreitet werden.

Woran erkennt man OER? Die OER Lizenzen (Open Educational Resources), OERinForm-Projekt, CC-BY-SA 4.0

OER in der beruflichen Bildung?

Das Konzept der offenen Bildungsmaterialien ist in der Berufsbildung noch kaum bekannt. Einige Branchen erstellen und nutzen OER dabei stärker als andere. So finden sich auf Branchenlernplattformen unterschiedliche Formen offener Bildungsmaterialien. Diese reichen von frei lizenzierten Wikis über Video-Tutorials bis hin zu Autorentools zur freien Gestaltung eigener Inhalte.

Eigene Materialien erstellen und teilen

Lehrer*innen an berufsbildenden Schulen ist die gemeinschaftliche Erstellung von Bildungsmaterialien nicht fremd. Bei der eigenen Erstellung von Materialien herrscht jedoch noch große Unsicherheit hinsichtlich Fragen zur Lizenzierung oder zu Bildrechten. Deshalb werden diese Materialien in der Regel auch nur für den internen Gebrauch an Kolleginnen und Kollegen weitergegeben. Hier sind OER eine rechtssichere Alternative zur eigenständigen Erstellung und Nutzung von aktuellen, praxisnahen sowie den individuellen Lehr-Lern-Prozess unterstützenden, digitalen Medien.

Was bietet Ihnen diese Plattform?

OERinfo möchte Ihnen in kompakter Form Informationen rund um das Thema OER bieten. Im unteren Bereich dieser Seite finden Sie eine Auswahl an Handlungsanleitungen und Leitfäden, Literatur, Informationen zu Netzwerken und Stakeholdern, weiteren Praxisbeispielen oder Videos, die Ihnen den Zugang zum Thema OER in der beruflichen Bildung erleichtern soll. Die Angebote sind über die entsprechenden Buttons zugänglich und werden ständig erweitert und aktualisiert!

Über die Navigation im oberen Bereich finden Sie weitere Praxiskategorien wie OER finden, OER herstellen oder Mit OER lehren, die Sie bei der erfolgreichen Suche, eigenständigen Erstellung und Einbindung in Ihren Unterrichts- oder Praxisalltag unterstützen.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Susanne Grimm, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), für OERinfo – Informationsstelle OER.

Allgemein

OER in der Hochschulbildung

Open Educational Resources (OER) weisen für die Hochschullehre große Potenziale auf. Die Vorteile der Digitalisierung, die durch die gängige Handhabung des Urheberrechts häufig nicht zur Geltung kommen, können durch die offene Lizenzierung von Materialien voll ausgeschöpft werden. Lehrende und Studierende können stärker kollaborativ an und mit Materialien arbeiten. Lehrende können OER frei abrufen, für die eigene Lehre anpassen und dadurch einen Qualitätszuwachs erzielen. Hochschulen können Ihren gesellschaftlichen Beitrag besser öffentlich sichtbar machen und breitere Zielgruppen ansprechen. Kurzum: Zahlreiche Verbesserungsprozesse können durch OER angestoßen werden.

Seitdem das Massachusetts Institute of Technology (MIT) 2001 die OpenCourseWare (OCW) veröffentlichte, sind offene Bildungsressourcen zu einem viel beachteten Thema in der Hochschulbildung geworden. Seit einigen Jahren erhält die Debatte über OER auch in Europa und in Deutschland große Aufmerksamkeit. Hochschulen bieten sich als strategische Maßnahmen zur Auseinandersetzung mit OER verschiedene Alternativen: Man kann bspw. eine Plattform aufbauen, auf der Materialien aus dem Lehrbetrieb als OER unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden, Kampagnen für die Kompetenzentwicklung der Lehrenden und Multiplikator*innen bezüglich OER durchführen, explizite OER-Policies formulieren oder Projekte mit Studierenden druchführen, in denen OER entstehen. Viele Hochschulen widmen sich dem Thema bereits auf eine oder mehrere Weisen. Einige Projekte werden auf diesen Seiten vorgestellt.

Als Einstieg in das Thema OER an Hochschulen eignet sich das Einführungsvideo Was sind OER aus dem Projekt OERinForm, welches ein Beratungskonzept für Medienzentren an Hochschulen entwickelt und in diesem Zusammenhang Informationsmaterialien unter einer freien Lizenz veröffentlicht. Weitere Videos werden in dieser Reihe folgen:

Was sind OER? by OERinForm, CC BY-SA 4.0

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: David Eckhoff, Universität Duisburg-Essen für OERinfo – Informationsstelle OER.

Allgemeine Infos / Bereichsunabhängig


Was sind OER? Die folgende Seite dient als Überblicks- und Einführungsseite für das Thema OER.

Die UNESCO definiert OER wie folgt:

  • Open Educational Resources (OER) sind Bildungsmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium, die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden.
  • Eine solche offene Lizenz ermöglicht den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen.
  • Open Educational Resources können einzelne Materialien aber auch komplette Kurse oder Bücher umfassen. Jedes Medium kann verwendet werden. Lehrpläne, Kursmaterialien, Lehrbücher, Streaming-Videos, Multimediaanwendungen, Podcasts – all diese Ressourcen sind OER, wenn sie unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden.
Foto von der Broschüre
Das „Global OER Logo“ von Jonathas Mello unter CC BY 3.0 (via UNESCO)

Wichtig sind die offenen Lizenzen

Es gibt für die Wahl der Lizenz zwar keine konkrete Vorgabe. De facto haben sich die Lizenzen von Creative Commons (CC) durchgesetzt. Diese sind rechtssicher, sowohl international wie auch in Deutschland. 2016 gibt es bereits ca. 1,2 Milliarden Inhalte im Web unter einer CC-Lizenz (State of the Commons-Report 2016)

Es stehen verschiedene CC-Lizenzen zur Auswahl, die unterschiedliche Einschränkungen machen. Wenn man die Definition oben ernst nimmt, dann fallen unter „ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen“ nur drei Optionen:

  • Creative Commons LogoCC BY: Hier muss bei der Weiterverwendung der Name des Urhebers genannt werden
    (Details zur Lizenz auf creativecommons.org).
  • Creative Commons LogoCC BY SA: Hier muss bei der Weiterverwendung der Name des Urhebers genannt werden. UND: Wenn Sie das Material remixen, verändern oder anderweitig direkt darauf aufbauen, dürfen Sie Ihre Beiträge nur unter derselben Lizenz wie das Original verbreiten.
    (Details zur Lizenz auf creativecommons.org)
  • Creative Commons LogoAußerdem gibt es noch die Möglichkeit, eigene Werke in die Gemeinfreiheit – auch Public Domain genannt – zu entlassen. Um das eindeutig zu kennzeichnen gibt es die CC0 (CC Zero)
    (Details dazu auf creativecommons.org)

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OER in den Bildungsbereichen

Die Transferpartner der Informationsstelle OER haben spezifische Angebote und Informationen für die Situation von OER in den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, Berufsbildung und Weiterbildung. Diese Angebote werden kotinuierlich ausgebaut und erweitert:

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Erklärvideos

Für einen guten und kompakten Überblick gibt es eine Reihe von Erklärvideos zu OER. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat 2016 drei kurze Videos erstellt, die in das Thema OER einführen, das erste ist hier unten verlinkt:

Auch das FWU – Medieninstitut der Länder hat im Zuge des OER-Projekts LOERn drei Videos zu OER erstellt. Alle sind auch in den Materialsammlungen auf unserer Website zu finden:

OER KOMPAKT – Was sind OER? FWU Institut für Film und Bild, CC-BY-SA 4.0

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Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Team OERinfo für OERinfo – Informationsstelle OER.

Mit OER lehren / Bereichsunabhängig

Im Zeitalter der Digitalisierung müssen sich Lehrkräfte aller Bildungsbereiche damit auseinandersetzen, in welcher Form moderne Lehr- und Lernmaterialien in ihren Unterricht oder ihre Lehre Einzug erhalten. Hierbei spielen offene Bildungsmaterialien, sog. Open Educational Resources (OER), eine große Rolle, denn sie stehen unter einer offenen Lizenz und können dadurch frei genutzt, bearbeitet und geteilt werden. OER haben somit das Potential die Bildung offener, kollaborativer und freier zu gestalten.

Im Zuge der Digitalisierung der Bildung verändern sich Lehre und Unterricht sowie die Rollen von Lehrenden und Lernenden. Der klassische Frontalunterricht gehört in einer digitalisierten Bildungswelt wohl eher der Vergangenheit an. Die Lehrkraft wird vom Vortragenden zum Moderator und Lernberater. Sie/Er muss (digitale) Lernmaterialien auswählen, sie zielführend einsetzen und den Lernprozess insgesamt steuern. Gefragt sind dafür zeitgemäße didaktische Konzepte und Lehrmaterialien. Open Educational Resources leisten einen wichtigen Beitrag dazu.

Für Lehrkräfte bieten Open Educational Resources u.a. folgende Vorteile:

  • OER sind kostenlos im Netz verfügbar und können an den eigenen Unterricht oder die eigenen Lehre angepasst werden.
  • Die Entwicklung eigener OER und ihre Veröffentlichung schärfen das eigene digitale Kompetenzprofil.
  • Die freie Lizenzierung (CC-Lizenz) des Materials bietet Rechtssicherheit.
  • Lehrende können ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen.

Die folgenden Linktipps geben Anregungen zum Thema, bündeln, wie man offene Bildungsmaterialien erfolgreich in der Lehre oder im Unterricht einsetzen kann, nennen Vorteile und Potentiale und werfen einen Blick auf die rechtliche Lage:

Erklärvideo: Vorteile und Potentiale von OER

Das Erklärvideo des Projekts OERinForm beschreibt die Vorteile und Potentiale von Open Educational Resources (OER) in der Hochschullehre: So machen OER die Lehre transparenter, steigern die Reputation der Hochschule, fördern neue didaktische Konzepte für Lern- und Lehrinhalte sowie die kollaborative Forschung und tragen letztendlich auch zur weltweiten Bildungsgerechtigkeit bei.

Checkliste: Ich möchte eigene OER als Materialien zur Verfügung stellen

Aller Anfang ist schwer, das gilt natürlich auch für die erste Veröffentlichung von eigenen Materialien unter einer freien Lizenz. Wer Open Educational Resources (OER) freigeben möchte, bekommt mit der folgenden Checkliste konkrete Hinweise an die Hand, die den Veröffentlichungsprozess begleiten können.

Was ist zu beachten beim Einholen einer Erlaubnis für das freie Lizenzieren durch Lehrer*innen?

In einem Gastbeitrag auf OERinfo erläutert der Rechtsanwalt Paul Klimpel die Möglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer, selbst erstellte Materialien als Open Educational Resources (OER) zu veröffentlichen.

Suche nach Open Educational Resources – Kommentierte Linkliste der bpb

Open Educational Resources (OER) sind im Netz weit verstreut. Für Orientierung sorgt die kommentierte Linkliste der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die exemplarisch einzelne Anregungen zur Suche nach OER zur Verfügung stellt. Hier finden Sie fachspezifische und fachübergreifende Portale, Datenbanken und e-Learning Angebote für den Schulunterricht, Angebote für Universität und Hochschulen Suchmaschinen, Online-Tools und vieles mehr. Die Linkliste ist Teil des bpb-Spezials „OER – Material für alle“.

Wie mache ich aus meinem Präsenzworkshop ein Online-Angebot?

Nele Hirsch teilt in ihrem Blogbeitrag ihr „Quick and Dirty-Konzept“ zur Umgestaltung von Präsenzworkshops in ein Online-Format. Es handelt sich um eine praxisorientierte Anleitung für diejenigen, die einfache und direkt umsetzbare Lösungen für Online-Workshops suchen. Der Einsatz von offenen Webtools wird empfohlen.

Open Educational Resources (OER): Eine Hilfestellung für digitales Lehren und Lernen – Leitfaden für Dozentinnen und Dozenten der beruflichen Weiterbildung

Der Leitfaden richtet sich an Dozentinnen und Dozenten der beruflichen Weiterbildung, die daran interessiert sind, OER im Rahmen ihrer eigenen Lehrpraxis auszuprobieren. Er befasst sich mit zentralen Fragestellungen zu OER und erläutert Grundsätze des geltenden Urheberrechts und freier Lizenzen. Angereichert werden diese Basisinformationen um einen Überblick zum aktuellen Stand von OER in der beruflichen Weiterbildung, praktische Tipps zum Finden, Nutzen und Erstellen von OER sowie Anlaufstellen zur weiteren Vertiefung des Themas.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Michaela Achenbach, DIPF, für OERinfo – Informationsstelle OER.
Logo DBS
Weitere Linktipps zu OER und Didaktik finden Sie beim Deutschen Bildungsserver

Mit OER lehren – Informationen für die Weiterbildung

Offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) bieten die Chance, Lehren und Lernen zu verbessern. Auch als Lehrender kann man durch die Öffnung der eigenen pädagogischen Praxis über das bloße Material hinaus profitieren. Dieser Text gibt Impulse dazu indem er das Konzept der Offenen Bildungspraktiken (Open Educational Practices, OEP) bzw. der Offenen Pädagogik vorstellt.

Open Educational Practices und Offene Pädagogik – was steckt dahinter?

Offene Pädagogik bezeichnet alle Handlungen von Lehrenden, die auf eine Verbesserung der eigenen Bildungspraxis durch deren Öffnung abzielen. OEP drehen sich um die Herstellung von Rahmenbedingungen, welche die Verwendung, Gestaltung und Management von Offenen Bildungsressourcen fördern. Offene Bildungspraktiken werden als Teil von Offener Pädagogik verstanden (vgl. Hegarty 2015).

Nach der Etablierung des Konzepts der Offenen Bildungsressourcen im Verlauf eines UNESCO-Forums 2002 und dem Erstarken der OER-Bewegung in den Folgejahren mit der Kapstadter Erklärung 2007 und dem ersten OER-Weltkongress der UNESCO 2012 fokussierte die Diskussion um OER – über die bloße Materialperspektive hinaus – zunehmend auf die Frage, welche Praktiken besonders geeignet sind, um die Verwendung und Verbreitung von OER zu fördern (vgl. Camilleri, Ehlers & Conole, 2011). Wie auch die Begriffe OER und OEP zuvor ist der Begriff der Offenen Pädagogik eng mit stark etablierten Bewegungen wie Open Access, Open Data und Open Source verbunden.
Im Zusammenhang mit der Frage danach, wie förderliche Rahmenbedingungen für OER geschaffen werden können, entwickelte sich der Begriff der Open Educational Practices (OEP)

  • bezeichnen strategische Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen (Bildungspolitik, Bildungseinrichtungen, Lehrpersonal, Lernende).
  • umfassen bspw. die Einführung von institutioneller Regelungen und innovativer pädagogischer Modelle sowie konkreter, offener Lernpraktiken (vgl. Ehlers, 2011).

Im Zusammenhang mit OEP wurden von Beginn an pädagogische Aspekte stark diskutiert, der Übergang zum Begriff der Offenen Pädagogik ist fließend (vgl. Hegarty, 2015). Letzterer ist zwar immer noch eng mit den grundlegenden Prinzipien von OER verbunden, hat aber weniger als OEP allgemeine Rahmenbedingungen im Fokus. Stattdessen stellt Hegarty allgemeiner die Öffnung von Pädagogik in verschiedenen Dimensionen in den Mittelpunkt und definiert Offene Pädagogik anhand von acht Eigenschaften (ebd., S.5, Übersetzung u. Einfügung JK):

  1. „Einsatz von (mobilen) Technologien zur Förderung von Teilhabe
  2. Entwicklung von Offenheit, Zuversicht und Vertrauen im gemeinsamen Umgang
  3. Ermutigung zu spontaner Innovation und Kreativität
  4. Freies Teilen von Ideen und Ressourcen für die Verbreitung von Wissen
  5. Teilnahme an einer […] Gemeinschaft von Professionellen
  6. Förderung von Beiträgen durch Lernende in Form von OER
  7. Beteiligung an Möglichkeiten zur Reflexion der eigenen Praxis
  8. Mitwirkung an der kritischen Diskussion [eigener/] fremder Lehre“

 

Dabei haben der Einsatz digitaler Technologien sowie die Verwendung, Produktion und Veröffentlichung von OER seitens der Kursleitenden wie der Teilnehmenden einen hohen Stellenwert.
Mit den oben genannten Aspekten ist das Thema stark auf der Ebene der Gestaltung von Lehr-/Lernangeboten verortet. Deren Umsetzung erfordert von Kursleitenden einerseits eine Übersetzung in konkrete Maßnahmen und Handlungen bei der eigenen Kursplanung. Darunter sind viele Punkte, die Praktikerinnen und Praktiker in der Erwachsenenbildung schon länger bekannt sind oder von ihnen diskutiert werden, die aber in Kombination mit Offenen Bildungsressourcen weiteres Gewicht erhalten.

Was bedeutet das für den Einsatz von OER in der Lehre?

Es ist schon lange akzeptiert, dass ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lernenden und Kursleitung und Selbstbestimmtheit im Lernprozess zum Lernerfolg und der Zufriedenheit der Teilnehmenden beiträgt. Auch das schon länger akzeptierte Prinzip der Teilnehmerorientierung wird ohne ein Mindestmaß an Offenheit seitens der Kursleitenden schwierig umzusetzen sein. Um Beiträge von Teilnehmenden zu fördern, eignen sich insbesondere konstruktivistische (z.B. Scaffolding) bzw. erarbeitende Methoden mit hohen kommunikativen Anteilen für Partner oder Gruppen, wie z.B. Planspiele, Collagen und Fallbesprechungen. Dabei können die Ergebnisse daraus als OER unter freier Lizenz veröffentlicht werden.

Um die Teilhabe zu fördern, ist es beispielsweise eine Überlegung wert, den Teilnehmenden das Mitbringen von eigenen Geräten zu erlauben oder die Einrichtung eines Mailverteilers bzw. einer Facebook-Gruppe zu vereinbaren. Für zeitlich umfangreichere Angebote können technisch versiertere Kursleitende in Betracht ziehen, Möglichkeiten der Telepräsenz (z.B. als Livestream) anzubieten, damit auch Menschen teilnehmen können, die nicht die Mittel haben um vor Ort zu sein. Neben den Rahmenbedingungen können selbstverständlich auch passende Methoden auch in diesem Punkt die Teilhabe fördern, etwa das gemeinsame Verfassen eines Blogs als OER oder die Erarbeitung von Themen in einem Wiki.

Auch Lehrende sind gefragt!

Insbesondere die Punkte 4, 7 und 8 richten sich eher an Lehrende selbst. Für die Umsetzung dieser Aspekte braucht es die Weiterentwicklung des eigenen professionellen Selbstbildes. So sollen Lehrende professionelles Handeln und ihre Lehrmaterialien anderen zugänglich machen, um sie gemeinsam zu diskutieren (i.S. eines „Peer Review für Lehrende“). Dazu empfiehlt sich die Beteiligung an einer Gemeinschaft von Praktikern (Community of Practice) entweder vor Ort oder mittels digitaler Technologien (etwa Materialtauschbörsen, soziale Netzwerke oder in einem Webforum). Idealerweise entsteht so ein wechselseitiges und respektvolles Geben und Nehmen, von dem alle Beteiligten profitieren.

Fazit

Der begriffliche Diskurs um OEP und Offene Pädagogik scheint im Vergleich zum Diskurs um Offenen Bildungsmaterialien deutlich weniger prominent. Der hier präsentierte Vorschlag von Hegarty bleibt an vielen Stellen unscharf und wenig konkret; dies ist eine Tatsache, die er selbst anspricht. Die Forderungen, die das Konzept an Lehrende stellt, können Vorbehalte und Unbehagen auszulösen, was leicht nachvollziehbar ist. Für die zukünftige Entwicklung der Bewegung um Offene Bildungsmaterialien scheint es deshalb lohnend, ja zwingend, die Herausforderungen für den pädagogischen Prozess und das professionelle Selbstverständnis der Lehrenden aktiver zu diskutieren und zu bearbeiten.

Quellen:

Camilleri, A. F.; Ehlers, U.-D. & Conole, G. (2011). Mainstreaming Open Educational Practice: Recommendations for Policy. European Foundation for Quality in e-Learning.

Ehlers, U.-D. (2011). Extending the territory: From open educational resources to open educational practices. Journal of Open, Flexible and Distance Learning, 15(2), [1–10].

Hegarty, Bronwyn (2015). Attributes of Open Pedagogy: A Model for Using Open Educational Resources. Educational Technology, 55(4), 3-13.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jan Koschorreck, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), für OERinfo – Informationsstelle OER.