Unter Open Educational Resources (OER) – im deutschsprachigen Raum spricht man auch von offenen Bildungsmaterialien – werden digitale Lehr- und Lernmaterialien verstanden (Kursmaterial, Lehrwerke, Videos, Aufgabenblätter, Podcasts etc.). Sie sind für alle frei und kostenlos zugänglich und dürfen außerdem weiter vervielfältigt, verwendet, verändert, vermischt und verbreitet werden.
Woran erkennt man OER? Die OER Lizenzen (Open Educational Resources), OERinForm-Projekt, CC-BY-SA 4.0
OER in der beruflichen Bildung?
Das Konzept der offenen Bildungsmaterialien ist in der Berufsbildung noch kaum bekannt. Einige Branchen erstellen und nutzen OER dabei stärker als andere. So finden sich auf Branchenlernplattformen unterschiedliche Formen offener Bildungsmaterialien. Diese reichen von frei lizenzierten Wikis über Video-Tutorials bis hin zu Autorentools zur freien Gestaltung eigener Inhalte.
Eigene Materialien erstellen und teilen
Lehrer*innen an berufsbildenden Schulen ist die gemeinschaftliche Erstellung von Bildungsmaterialien nicht fremd. Bei der eigenen Erstellung von Materialien herrscht jedoch noch große Unsicherheit hinsichtlich Fragen zur Lizenzierung oder zu Bildrechten. Deshalb werden diese Materialien in der Regel auch nur für den internen Gebrauch an Kolleginnen und Kollegen weitergegeben. Hier sind OER eine rechtssichere Alternative zur eigenständigen Erstellung und Nutzung von aktuellen, praxisnahen sowie den individuellen Lehr-Lern-Prozess unterstützenden, digitalen Medien.
Was bietet Ihnen diese Plattform?
OERinfo möchte Ihnen in kompakter Form Informationen rund um das Thema OER bieten. Im unteren Bereich dieser Seite finden Sie eine Auswahl an Handlungsanleitungen und Leitfäden, Literatur, Informationen zu Netzwerken und Stakeholdern, weiteren Praxisbeispielen oder Videos, die Ihnen den Zugang zum Thema OER in der beruflichen Bildung erleichtern soll. Die Angebote sind über die entsprechenden Buttons zugänglich und werden ständig erweitert und aktualisiert!
Über die Navigation im oberen Bereich finden Sie weitere Praxiskategorien wie OER finden, OER herstellen oder Mit OER lehren, die Sie bei der erfolgreichen Suche, eigenständigen Erstellung und Einbindung in Ihren Unterrichts- oder Praxisalltag unterstützen.
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Susanne Grimm, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), für OERinfo – Informationsstelle OER.
Open Educational Resources (OER) weisen für die Hochschullehre große Potenziale auf. Die Vorteile der Digitalisierung, die durch die gängige Handhabung des Urheberrechts häufig nicht zur Geltung kommen, können durch die offene Lizenzierung von Materialien voll ausgeschöpft werden. Lehrende und Studierende können stärker kollaborativ an und mit Materialien arbeiten. Lehrende können OER frei abrufen, für die eigene Lehre anpassen und dadurch einen Qualitätszuwachs erzielen. Hochschulen können Ihren gesellschaftlichen Beitrag besser öffentlich sichtbar machen und breitere Zielgruppen ansprechen. Kurzum: Zahlreiche Verbesserungsprozesse können durch OER angestoßen werden.
Seitdem das Massachusetts Institute of Technology (MIT) 2001 die OpenCourseWare (OCW) veröffentlichte, sind offene Bildungsressourcen zu einem viel beachteten Thema in der Hochschulbildung geworden. Seit einigen Jahren erhält die Debatte über OER auch in Europa und in Deutschland große Aufmerksamkeit. Hochschulen bieten sich als strategische Maßnahmen zur Auseinandersetzung mit OER verschiedene Alternativen: Man kann bspw. eine Plattform aufbauen, auf der Materialien aus dem Lehrbetrieb als OER unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden, Kampagnen für die Kompetenzentwicklung der Lehrenden und Multiplikator*innen bezüglich OER durchführen, explizite OER-Policies formulieren oder Projekte mit Studierenden druchführen, in denen OER entstehen. Viele Hochschulen widmen sich dem Thema bereits auf eine oder mehrere Weisen. Einige Projekte werden auf diesen Seiten vorgestellt.
Als Einstieg in das Thema OER an Hochschulen eignet sich das Einführungsvideo Was sind OER aus dem Projekt OERinForm, welches ein Beratungskonzept für Medienzentren an Hochschulen entwickelt und in diesem Zusammenhang Informationsmaterialien unter einer freien Lizenz veröffentlicht. Weitere Videos werden in dieser Reihe folgen:
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: David Eckhoff, Universität Duisburg-Essen für OERinfo – Informationsstelle OER.
Open Educational Resources (OER) sind Bildungsmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium, die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden.
Eine solche offene Lizenz ermöglicht den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen.
Open Educational Resources können einzelne Materialien aber auch komplette Kurse oder Bücher umfassen. Jedes Medium kann verwendet werden. Lehrpläne, Kursmaterialien, Lehrbücher, Streaming-Videos, Multimediaanwendungen, Podcasts – all diese Ressourcen sind OER, wenn sie unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden.
Es gibt für die Wahl der Lizenz zwar keine konkrete Vorgabe. De facto haben sich die Lizenzen von Creative Commons (CC) durchgesetzt. Diese sind rechtssicher, sowohl international wie auch in Deutschland. 2016 gibt es bereits ca. 1,2 Milliarden Inhalte im Web unter einer CC-Lizenz (State of the Commons-Report 2016)
Es stehen verschiedene CC-Lizenzen zur Auswahl, die unterschiedliche Einschränkungen machen. Wenn man die Definition oben ernst nimmt, dann fallen unter „ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen“ nur drei Optionen:
CC BY SA: Hier muss bei der Weiterverwendung der Name des Urhebers genannt werden. UND: Wenn Sie das Material remixen, verändern oder anderweitig direkt darauf aufbauen, dürfen Sie Ihre Beiträge nur unter derselben Lizenz wie das Original verbreiten.
(Details zur Lizenz auf creativecommons.org)
Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, eigene Werke in die Gemeinfreiheit – auch Public Domain genannt – zu entlassen. Um das eindeutig zu kennzeichnen gibt es die CC0 (CC Zero)
(Details dazu auf creativecommons.org)
Die Transferpartner der Informationsstelle OER haben spezifische Angebote und Informationen für die Situation von OER in den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, Berufsbildung und Weiterbildung. Diese Angebote werden kotinuierlich ausgebaut und erweitert:
Für einen guten und kompakten Überblick gibt es eine Reihe von Erklärvideos zu OER. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat 2016 drei kurze Videos erstellt, die in das Thema OER einführen, das erste ist hier unten verlinkt:
Auch das FWU – Medieninstitut der Länder hat im Zuge des OER-Projekts LOERn drei Videos zu OER erstellt. Alle sind auch in den Materialsammlungen auf unserer Website zu finden:
OER KOMPAKT – Was sind OER? FWU Institut für Film und Bild, CC-BY-SA 4.0
Im Zeitalter der Digitalisierung müssen sich Lehrkräfte aller Bildungsbereiche damit auseinandersetzen, in welcher Form moderne Lehr- und Lernmaterialien in ihren Unterricht oder ihre Lehre Einzug erhalten. Hierbei spielen offene Bildungsmaterialien, sog. Open Educational Resources (OER), eine große Rolle, denn sie stehen unter einer offenen Lizenz und können dadurch frei genutzt, bearbeitet und geteilt werden. OER haben somit das Potential die Bildung offener, kollaborativer und freier zu gestalten.
Im Zuge der Digitalisierung der Bildung verändern sich Lehre und Unterricht sowie die Rollen von Lehrenden und Lernenden. Der klassische Frontalunterricht gehört in einer digitalisierten Bildungswelt wohl eher der Vergangenheit an. Die Lehrkraft wird vom Vortragenden zum Moderator und Lernberater. Sie/Er muss (digitale) Lernmaterialien auswählen, sie zielführend einsetzen und den Lernprozess insgesamt steuern. Gefragt sind dafür zeitgemäße didaktische Konzepte und Lehrmaterialien. Open Educational Resources leisten einen wichtigen Beitrag dazu.
Für Lehrkräfte bieten Open Educational Resources u.a. folgende Vorteile:
OER sind kostenlos im Netz verfügbar und können an den eigenen Unterricht oder die eigenen Lehre angepasst werden.
Die Entwicklung eigener OER und ihre Veröffentlichung schärfen das eigene digitale Kompetenzprofil.
Die freie Lizenzierung (CC-Lizenz) des Materials bietet Rechtssicherheit.
Lehrende können ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen.
Die folgenden Linktipps geben Anregungen zum Thema, bündeln, wie man offene Bildungsmaterialien erfolgreich in der Lehre oder im Unterricht einsetzen kann, nennen Vorteile und Potentiale und werfen einen Blick auf die rechtliche Lage:
Erklärvideo: Vorteile und Potentiale von OER
Das Erklärvideo des Projekts OERinForm beschreibt die Vorteile und Potentiale von Open Educational Resources (OER) in der Hochschullehre: So machen OER die Lehre transparenter, steigern die Reputation der Hochschule, fördern neue didaktische Konzepte für Lern- und Lehrinhalte sowie die kollaborative Forschung und tragen letztendlich auch zur weltweiten Bildungsgerechtigkeit bei.
Checkliste: Ich möchte eigene OER als Materialien zur Verfügung stellen
Aller Anfang ist schwer, das gilt natürlich auch für die erste Veröffentlichung von eigenen Materialien unter einer freien Lizenz. Wer Open Educational Resources (OER) freigeben möchte, bekommt mit der folgenden Checkliste konkrete Hinweise an die Hand, die den Veröffentlichungsprozess begleiten können.
Was ist zu beachten beim Einholen einer Erlaubnis für das freie Lizenzieren durch Lehrer*innen?
In einem Gastbeitrag auf OERinfo erläutert der Rechtsanwalt Paul Klimpel die Möglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer, selbst erstellte Materialien als Open Educational Resources (OER) zu veröffentlichen.
Suche nach Open Educational Resources – Kommentierte Linkliste der bpb
Open Educational Resources (OER) sind im Netz weit verstreut. Für Orientierung sorgt die kommentierte Linkliste der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die exemplarisch einzelne Anregungen zur Suche nach OER zur Verfügung stellt. Hier finden Sie fachspezifische und fachübergreifende Portale, Datenbanken und e-Learning Angebote für den Schulunterricht, Angebote für Universität und Hochschulen Suchmaschinen, Online-Tools und vieles mehr. Die Linkliste ist Teil des bpb-Spezials „OER – Material für alle“.
Wie mache ich aus meinem Präsenzworkshop ein Online-Angebot?
Nele Hirsch teilt in ihrem Blogbeitrag ihr „Quick and Dirty-Konzept“ zur Umgestaltung von Präsenzworkshops in ein Online-Format. Es handelt sich um eine praxisorientierte Anleitung für diejenigen, die einfache und direkt umsetzbare Lösungen für Online-Workshops suchen. Der Einsatz von offenen Webtools wird empfohlen.
Open Educational Resources (OER): Eine Hilfestellung für digitales Lehren und Lernen – Leitfaden für Dozentinnen und Dozenten der beruflichen Weiterbildung
Der Leitfaden richtet sich an Dozentinnen und Dozenten der beruflichen Weiterbildung, die daran interessiert sind, OER im Rahmen ihrer eigenen Lehrpraxis auszuprobieren. Er befasst sich mit zentralen Fragestellungen zu OER und erläutert Grundsätze des geltenden Urheberrechts und freier Lizenzen. Angereichert werden diese Basisinformationen um einen Überblick zum aktuellen Stand von OER in der beruflichen Weiterbildung, praktische Tipps zum Finden, Nutzen und Erstellen von OER sowie Anlaufstellen zur weiteren Vertiefung des Themas.
Offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) bieten die Chance, Lehren und Lernen zu verbessern. Auch als Lehrender kann man durch die Öffnung der eigenen pädagogischen Praxis über das bloße Material hinaus profitieren. Dieser Text gibt Impulse dazu indem er das Konzept der Offenen Bildungspraktiken (Open Educational Practices, OEP) bzw. der Offenen Pädagogik vorstellt.
Open Educational Practices und Offene Pädagogik – was steckt dahinter?
Offene Pädagogik bezeichnet alle Handlungen von Lehrenden, die auf eine Verbesserung der eigenen Bildungspraxis durch deren Öffnung abzielen. OEP drehen sich um die Herstellung von Rahmenbedingungen, welche die Verwendung, Gestaltung und Management von Offenen Bildungsressourcen fördern. Offene Bildungspraktiken werden als Teil von Offener Pädagogik verstanden (vgl. Hegarty 2015).
Nach der Etablierung des Konzepts der Offenen Bildungsressourcen im Verlauf eines UNESCO-Forums 2002 und dem Erstarken der OER-Bewegung in den Folgejahren mit der Kapstadter Erklärung 2007 und dem ersten OER-Weltkongress der UNESCO 2012 fokussierte die Diskussion um OER – über die bloße Materialperspektive hinaus – zunehmend auf die Frage, welche Praktiken besonders geeignet sind, um die Verwendung und Verbreitung von OER zu fördern (vgl. Camilleri, Ehlers & Conole, 2011). Wie auch die Begriffe OER und OEP zuvor ist der Begriff der Offenen Pädagogik eng mit stark etablierten Bewegungen wie Open Access, Open Data und Open Source verbunden.
Im Zusammenhang mit der Frage danach, wie förderliche Rahmenbedingungen für OER geschaffen werden können, entwickelte sich der Begriff der Open Educational Practices (OEP)
bezeichnen strategische Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen (Bildungspolitik, Bildungseinrichtungen, Lehrpersonal, Lernende).
umfassen bspw. die Einführung von institutioneller Regelungen und innovativer pädagogischer Modelle sowie konkreter, offener Lernpraktiken (vgl. Ehlers, 2011).
Im Zusammenhang mit OEP wurden von Beginn an pädagogische Aspekte stark diskutiert, der Übergang zum Begriff der Offenen Pädagogik ist fließend (vgl. Hegarty, 2015). Letzterer ist zwar immer noch eng mit den grundlegenden Prinzipien von OER verbunden, hat aber weniger als OEP allgemeine Rahmenbedingungen im Fokus. Stattdessen stellt Hegarty allgemeiner die Öffnung von Pädagogik in verschiedenen Dimensionen in den Mittelpunkt und definiert Offene Pädagogik anhand von acht Eigenschaften (ebd., S.5, Übersetzung u. Einfügung JK):
„Einsatz von (mobilen) Technologien zur Förderung von Teilhabe
Entwicklung von Offenheit, Zuversicht und Vertrauen im gemeinsamen Umgang
Ermutigung zu spontaner Innovation und Kreativität
Freies Teilen von Ideen und Ressourcen für die Verbreitung von Wissen
Teilnahme an einer […] Gemeinschaft von Professionellen
Förderung von Beiträgen durch Lernende in Form von OER
Beteiligung an Möglichkeiten zur Reflexion der eigenen Praxis
Mitwirkung an der kritischen Diskussion [eigener/] fremder Lehre“
Dabei haben der Einsatz digitaler Technologien sowie die Verwendung, Produktion und Veröffentlichung von OER seitens der Kursleitenden wie der Teilnehmenden einen hohen Stellenwert.
Mit den oben genannten Aspekten ist das Thema stark auf der Ebene der Gestaltung von Lehr-/Lernangeboten verortet. Deren Umsetzung erfordert von Kursleitenden einerseits eine Übersetzung in konkrete Maßnahmen und Handlungen bei der eigenen Kursplanung. Darunter sind viele Punkte, die Praktikerinnen und Praktiker in der Erwachsenenbildung schon länger bekannt sind oder von ihnen diskutiert werden, die aber in Kombination mit Offenen Bildungsressourcen weiteres Gewicht erhalten.
Was bedeutet das für den Einsatz von OER in der Lehre?
Es ist schon lange akzeptiert, dass ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lernenden und Kursleitung und Selbstbestimmtheit im Lernprozess zum Lernerfolg und der Zufriedenheit der Teilnehmenden beiträgt. Auch das schon länger akzeptierte Prinzip der Teilnehmerorientierung wird ohne ein Mindestmaß an Offenheit seitens der Kursleitenden schwierig umzusetzen sein. Um Beiträge von Teilnehmenden zu fördern, eignen sich insbesondere konstruktivistische (z.B. Scaffolding) bzw. erarbeitende Methoden mit hohen kommunikativen Anteilen für Partner oder Gruppen, wie z.B. Planspiele, Collagen und Fallbesprechungen. Dabei können die Ergebnisse daraus als OER unter freier Lizenz veröffentlicht werden.
Um die Teilhabe zu fördern, ist es beispielsweise eine Überlegung wert, den Teilnehmenden das Mitbringen von eigenen Geräten zu erlauben oder die Einrichtung eines Mailverteilers bzw. einer Facebook-Gruppe zu vereinbaren. Für zeitlich umfangreichere Angebote können technisch versiertere Kursleitende in Betracht ziehen, Möglichkeiten der Telepräsenz (z.B. als Livestream) anzubieten, damit auch Menschen teilnehmen können, die nicht die Mittel haben um vor Ort zu sein. Neben den Rahmenbedingungen können selbstverständlich auch passende Methoden auch in diesem Punkt die Teilhabe fördern, etwa das gemeinsame Verfassen eines Blogs als OER oder die Erarbeitung von Themen in einem Wiki.
Auch Lehrende sind gefragt!
Insbesondere die Punkte 4, 7 und 8 richten sich eher an Lehrende selbst. Für die Umsetzung dieser Aspekte braucht es die Weiterentwicklung des eigenen professionellen Selbstbildes. So sollen Lehrende professionelles Handeln und ihre Lehrmaterialien anderen zugänglich machen, um sie gemeinsam zu diskutieren (i.S. eines „Peer Review für Lehrende“). Dazu empfiehlt sich die Beteiligung an einer Gemeinschaft von Praktikern (Community of Practice) entweder vor Ort oder mittels digitaler Technologien (etwa Materialtauschbörsen, soziale Netzwerke oder in einem Webforum). Idealerweise entsteht so ein wechselseitiges und respektvolles Geben und Nehmen, von dem alle Beteiligten profitieren.
Fazit
Der begriffliche Diskurs um OEP und Offene Pädagogik scheint im Vergleich zum Diskurs um Offenen Bildungsmaterialien deutlich weniger prominent. Der hier präsentierte Vorschlag von Hegarty bleibt an vielen Stellen unscharf und wenig konkret; dies ist eine Tatsache, die er selbst anspricht. Die Forderungen, die das Konzept an Lehrende stellt, können Vorbehalte und Unbehagen auszulösen, was leicht nachvollziehbar ist. Für die zukünftige Entwicklung der Bewegung um Offene Bildungsmaterialien scheint es deshalb lohnend, ja zwingend, die Herausforderungen für den pädagogischen Prozess und das professionelle Selbstverständnis der Lehrenden aktiver zu diskutieren und zu bearbeiten.
Quellen:
Camilleri, A. F.; Ehlers, U.-D. & Conole, G. (2011). Mainstreaming Open Educational Practice: Recommendations for Policy. European Foundation for Quality in e-Learning.
Ehlers, U.-D. (2011). Extending the territory: From open educational resources to open educational practices. Journal of Open, Flexible and Distance Learning, 15(2), [1–10].
Hegarty, Bronwyn (2015). Attributes of Open Pedagogy: A Model for Using Open Educational Resources. Educational Technology, 55(4), 3-13.
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jan Koschorreck, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), für OERinfo – Informationsstelle OER.
Für das eigene Seminar oder die eigene Vorlesung Schaubilder oder Arbeitsblätter verwenden, die von anderen Lehrenden erstellt wurden, diese noch anpassen und gegebenenfalls mit dem eigenen Foliensatz weiterveröffentlichen – dies sind Möglichkeiten, die Hochschullehrenden durch OER zuteil werden und langfristig eine Arbeitserleichterung bedeuten können. Doch nicht nur deshalb lohnt sich der Blick darauf, was Lehren mit OER eigentlich bedeutet.
Wenn offene Bildungsmaterialien in der Lehre eingesetzt werden oder die Inhalte von Lehrveranstaltungen als OER veröffentlicht werden, kann dies auch das Lehren selbst verändern. Führen also OER zu einer offenen Lehre? Sicher nicht zwangsläufig. Doch sie sind ein Baustein, um die Potenziale der Digitalisierung zeitgemäß nutzen zu können. Im Folgenden soll beleuchtet werden, was „offen“ im Kontext der Lehre bedeuten könnte. Informationen zum Mehrwert von OER finden Sie außerdem noch hier.
Offene Pädagogik?
Um einen Begriff von Offenheit in der Lehre zu entwickeln, lohnt sich ein internationaler Blick. Die neuseeländische Hochschuldidaktikerin Bronwyn HEGARTY (2015) schlägt ein Modell offener Pädagogik („Open Pedagogy“) vor, das eine Charakterisierung ebensolcher Szenarien erleichtern soll. OER und die damit einhergehenden Handlungsmöglichkeiten werden dabei als essentielle Komponente betrachtet (vgl. Hegarty 2015, 3). In ihrem Artikel werden acht Attribute offener Pädagogik postuliert, wobei im Fazit die trennscharfe Abgrenzung dieser Attribute als „fast unmöglich“ (almost impossible) bezeichnet wird, da sie untereinander starke Verknüpfungen aufweisen. Die acht Attribute sind in folgender Übersicht in übersetzter Form aufgelistet, können im Detail aber auch hier nachgelesen werden.
Eine Übersicht zu einem ähnlichen Gedankengang hat Matthias Andrasch im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts OERlabs erstellt, das sich ebenfalls mit den mediendidaktischen Implikationen von OER beschäftigt:
Matthias Andrasch (www.oerlabs.de), Lizenz: CC BY-SA 4.0 – gerne weiterverwenden/selbst benutzen/remixen! 14.10.2017 Gastvortrag im Berufsfeldpraktika-Präsenztermin (Mobile Learning) des ZFL Köln; Link zu den Folien: https://goo.gl/uHFWMw
David WILEY, Open Content Pionier und Begründer der 5R-Freiheiten für Offenheit stellte bereits 2013 die Frage, was Offene Pädagogik sei („What is Open Pedagogy“, WILEY 2013) und wie sie dazu beitragen könne, die Qualität von Bildung radikal zu verbessern. OER auf dieselbe Weise einzusetzen wie kommerzielle Textbücher sei wie mit einem Flugzeug über eine Straße zu fahren – die ihnen innewohnenden Potenziale würden schlicht nicht genutzt. Für WILEY fallen unter „Open Pedagogy“ alle Ansätze, die ohne die durch die offenen Lizenzen gewährten Rechte unmöglich wären.
Er führt aus, dass der Einsatz von OER in der Lehre dazu beitragen kann, Lernen bedeutungsvoller zu machen, indem bspw. Studierende als Projektaufgabe die Lernmaterialien für die Studierenden des folgenden Semesters erstellen. Dank des Einsatzes offener Lizenzen könnte wiederum jeweils auf die Arbeiten des vorangegangenen Semesters aufgebaut werden. Eine klare Alternative zu den oft im Hochschulbereich vorherrschenden Prüfungsleistungen, die auf bloße Reproduktion von Wissensinhalten abzielen und von WILEY treffend als „disposable assignments“ ( = Einweg-Prüfungen) kritisiert werden. OER nicht als Selbstzweck, sondern als zielgerichtetes Instrument, um Lehre konkret zu verbessern, das ist die zentrale Message hinter WILEYS Ausführungen. Zum Artikel geht es hier.
Dazu passt auch ein Tweet von ihm aus dem Jahr 2014, der noch einmal eine klare Schärfung des Begriffs der Openness einfordert:
Wiley’s Law: You should never use „open“ as an adjective unless you can clearly describe how the „open“ thing differs from the normal thing.
Auf europäischer Ebene existieren ebenfalls Bestrebungen, das Thema OER über die bloße Material- und Lizenzierungsfrage hinauszudenken. EHLERS (2011) bezeichnet als notwendigen nächsten Schritt die Betrachtung sogenannter Open Educational Practices (OEP). OEP steht als Sammelbegriff für alle Aktivitäten rund um die Erstellung und den pädagogisch sinnvollen Einsatz von OER im Kontext innovativer Bildungsangebote. Der Begriff OEP ist bei weitem nicht so prominent wie der Begriff OER, was u.a. auch durch seine schwere Abgrenzbarkeit bedingt ist.
Verfasst bspw. eine Hochschule ein Strategiepapier, in dem die Lehrenden explizit dazu ermuntert werden, OER zu produzieren und stellt dann noch den Support für die Veröffentlichung der Materialien bereit, würde man von einer Open Educational Practice sprechen. Ebenso ist es eine OEP, wenn die Lehrenden im Semesterverlauf mit ihren Studierenden OER erstellen und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ein Beispiel für eine explizite OER-Policy findet man z.B. an der University of Edinburgh.
Handlungspotenziale mit OER
Die Vision hinter OER liegt darin, eine stärker vernetzte Kultur des Lehrens und Lernens zu schaffen, Lernende stärker in die Produktion von Material einzubinden und Anstöße für innovative Lehr- und Lernszenarien zu schaffen. Auf diese Weise können OER dazu beitragen, dass Bildungsangebote entstehen, die individuellen Lernvoraussetzungen innerhalb von heterogenen Gruppen gerecht werden.
Die Kennzeichnung von Materialien mit einer offenen Lizenz und das Hochladen ebendieser auf offenen Plattformen im Netz stellt allerdings nur eine Rahmenbedingung für eine Veränderung der Lehre dar. Die weitaus größere Herausforderung ist es, die offenen Materialien zur Verbesserung der Lehre effektiv zu nutzen. Denkanstöße gibt es im Netz viele und die offenen Lizenzen ermöglichen, dass aus Materialien immer wieder neues Wissen entsteht. Dabei kann auch für Lehrende, die OER veröffentlichen, durchaus ein Anreiz darin bestehen, die Folgeprodukte der eigenen Arbeit zu betrachten. Dies ist einerseits als Feedback wie auch als Inspiration zu verstehen.
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: David Eckhoff, Universität Duisburg-Essen für OERinfo – Informationsstelle OER.
Literatur
EHLERS, U.-D. (2011). Extending the territory: From open educational resources to open educational practices. Journal of Open, Flexible and Distance Learning, 15(2), [1–10]. Online verfügbar unter: http://www.jofdl.nz/index.php/JOFDL/article/view/64 Letzter Zugriff: 14.03.2018
WILEY, David (2013): What is Open Pedagogy? Veröffentlicht am 21.10.2013. Online verfügbar unter: https://opencontent.org/blog/archives/2975. Letzter Zugriff: 04.03.2018
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: David Eckhoff, Universität Duisburg-Essen für OERinfo – Informationsstelle OER.
Gelungene OER-Projekte sind wie Leuchttürme – sie strahlen weit in die Bildungswelt hinaus, haben Vorbildcharakter und machen Mut, selbst aktiv zu werden oder auch einfach mal die Arbeit mit OER auszuprobieren.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Praxisbeispielen im Bereich OER die zeigen, dass frei verfügbare Bildungsmaterialien auch im Alltag der Lehrenden und Lernenden angekommen sind. Zahlreiche Initiativen, wissenschaftliche Einrichtungen, aber auch einzelne Lehrkräfte haben sich mit dem Thema beschäftigt und zeigen durch ihre aktive Arbeit, wie man OER im eigenen Berufsalltag erfolgreich einsetzen und managen kann. Dennoch muss man bei allen Vorzügen, die OER im Vergleich zu herkömmlichen Bildungsmaterialien haben, auch eines sagen: Die Arbeit mit OER ist in aller Regel – gerade am Anfang – zeitintensiv, es bedarf einer gründlichen Auseinandersetzung mit der Thematik und nicht zuletzt einiger Übung, um mit den geeigneten CC-Lizenzen, Einsatzszenarios und nicht zuletzt der Produktion von eigenen OER vertraut zu werden.
Wir zeigen Ihnen daher hier einige Beispiele mit besonders gelungenem Praxisbezug – Good practices für alle Praktiker*innen in der Schule, die OER nicht nur finden und verwenden, sondern auch selbst herstellen und verbreiten möchten.
OER.schule
Das neue Portal OER.schule stellt freie, lizenzrechtlich und qualitativ geprüfte Materialien wie z.B. Medien der Bundeszentrale für politische Bildung, der Siemens Stiftung, von Wikipedia/Wikimedia Commons, Lehrer Online etc. zur Verfügung. Außerdem wurden 54 von Lehrkräften erstellte Moodle-Kurse für verschiedene Fächer und Schularten aus dem Projekt LOERn aufgenommen. Weitere Moodle-Kurse für den Unterricht werden laufend im Portal frei geschaltet.
OER.schule macht geprüfte, freie Bildungsmaterialien über eine benutzerfreundliche Oberfläche allgemein verfügbar und unterstützt Lehrerinnen und Lehrer bei der Gestaltung eines zeitgemäßen Unterrichts mit Hilfe digitaler Medien. Auf dieser Seite können Lehrkräfte und andere Interessierte alle offenen Lehr- und Lernmaterialien frei recherchieren und nutzen. Durchsuchbar sind alle Inhalte, die eine Creative Commons Lizenz besitzen, also nicht nur OER in engeren Sinne (‚CC-0‘, ‚CC-by‘, ‚CC-by-sa‘), sondern auch solche ohne das Recht der Bearbeitung (‚-nd‘) bzw. der kommerziellen Nutzung (‚-nc‘).
Digitale Unterrichtsbausteine selbst erstellen und veröffentlichen mit dem dll
Das digital.learning.lab ist eine Webplattform zum Lernen und Ausprobieren für Lehrkräfte. Das Projekt stellt neu entwickelte “digitale Unterrichtsbausteine” zur Verfügung. Die Bausteine umfassen Unterrichtskonzepte sowie vielfältige digitale Unterrichtsmaterialien für zahlreiche Themengebiete in allen Schulfächern der weiterführenden Schulen. Alle Inhalte durchlaufen einen Qualitätszyklus und stehen (sofern nicht anders angegeben) unter einer offenen CC BY-NC-SA 4.0 Lizenz.
Über den Login-Berich können Lehrkräfte eigene Unterrichtsimpulse als OER erstellen und damit deutschlandweit Kolleginnen und Kollegen anderer Schulen inspirieren. Lehrkräfte werden damit unterstützt, ihren Unterricht (neu) zu gestalten und dabei digitale Medien sinnvoll zur Begleitung der Lernprozesse ihrer Schülerinnen und Schüler einzusetzen. Die verschiedenen Inhaltselemente – Unterrichtsbausteine, Tools und Trends – sind daher so aufbereitet, dass sie unabhängig vom Vorwissen der Lehrkräfte verständlich sind und schnell und einfach für die eigene Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung genutzt werden können.
OER in der Lehrerfortbildung
Ein Leuchtturm für alle Lehrkräfte, die sich im Rahmen einer Fortbildung mit dem Thema OER auseinandersetzen und diese in ihre tägliche Arbeit integrieren möchten, ist das Projekt LOERn – Lehrerfortbildung durch Nutzung und Erstellung von OER-Materialien. Ziel des Projekts ist es, ein länderübergreifendes Praxiskonzept für die Fortbildung von schulischen Multiplikator*innen rund um das Thema OER zu entwickeln und beispielhaft in Bayern flächendeckend bei verschiedenen Zielgruppen zu erproben und durchzuführen.
Auf den Seiten von LOERn finden Lehrkräfte und Lehramtsanwärter*innen zahlreicheMaterialien,Flyer und Poster,OER-Selbstlernkurse und vieles mehr, das die Arbeit mit und an OER im Unterricht erleichtert. Sämtliche Materialien sind selbstverständlich mit einer CC-Lizenz versehen.
Lernmaterialien für die Schülerhand
Die freie Lernplattform Serlo bietet Schülerinnen und Schülern professionelle Lernsoftware und didaktisch wertvolle Lernmaterialien. Erklärungen, Videos, Übungsaufgaben und weitere Formate werden nach Themen eingeordnet, miteinander verlinkt und entsprechend echter Lehrpläne sortiert. Serlo stellt damit eine praktische Hilfe für den Schulalltag und für das eigenständige Lernen und Üben dar. Jeder Nutzer kann auf Serlo in seinem eigenen Tempo lernen und die Lernmethode wählen, die zu ihm passt. Ziel des die Seite betreibenden Vereins ist es, Bildung frei verfügbar zu machen und allen zu ermöglichen daran mitzuwirken. Im Verein und in der Online-Community können alle mithelfen und mitbestimmen. Damit baut Serlo das Werkzeug für eine kooperative Lernkultur an Schulen, bei der die Potenzialentfaltung jedes Einzelnen im Vordergrund steht. Langfristig werden weitere Schulfächer ergänzt, neue Lernwerkzeuge entwickelt und das Angebot in andere Sprachen übersetzt.
Frei verfügbare Medien für den Unterricht
Das Medienportal der Siemens-Stiftung bietet Lehr- und Lernmaterialien zu naturwissenschaftlich-technischen Themen für Grund- und weiterführende Schulen in Deutsch, Englisch und Spanisch. Das Angebot umfasst sowohl Lehrmaterial für registrierte Nutzer als auch freie Unterrichtsmaterialien (OER). Es gibt einen direkten Zugang zu den freien Medien, die alle mit einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht sind. Ergänzt wird dieser Bereich durch weiterführende Informationen zu OER und Creative Commons. Zusätzlich werden Medien rund ums Experimentieren angeboten, die in einer separaten Matrix nach Thema und Altersgruppe recherchiert werden können. Des Weiteren gibt es die interaktive Sprach-Lern-Software KIKUS digital, die sowohl online als auch offline als Windows-Applikation zur Verfügung steht.
Unterrichtsmaterialien zum Einsetzen und Mitmachen
Das Projekt edulabs hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit Anderen innovative Bildungsmaterialien als Open Educational Resources (OER) zu entwickeln. Die Plattform geht der Frage nach, wie sich Lernen mit digital gestützten Methoden gestalten lässt und unterstützt und vernetzt Menschen, die neue, digitale Bildungsformate entwickeln und unter freien Lizenzen teilen.
edulabs versteht sich als überregionaler Inkubator, in dem Menschen ihre didaktischen, technischen und gestalterischen Fähigkeiten einsetzen, um zusammen innovative und nachnutzbare Bildungsmaterialien zu entwickeln. Das Projekt unterstützt die Community redaktionell, didaktisch, technisch, sowie bei der Organisation von Events.
OER und Recht
Zu Open Educational Resources (OER) zählen Lehrmaterialien, die unter freien Lizenzen veröffentlicht werden. Die Artikelreihe von irights.info gibt Tipps zu rechtlichen und praktischen Aspekten von OER.
Orientierungshilfe beim Thema OER für Lehramtstudierende
Das kostenlose Projekt OERientation ist im Rahmen der Hamburg Open Online University (HOOU) entstanden und möchte sowohl Lehramtstudierenden und Lehrenden als auch anderweitig Interessierten ein Kompass im weiten Bereich der Open Educational Resources sein.
OERientation informiert über den Einsatz von digitalen Medien in der Lehre und begleitet Schritt für Schritt durch die Erstellung eines eigenen offenen Bildungsmaterials. Das Projekt richtet sich an Lehramstudierende und Lehrende, die an der Verwendung und Erstellung von OER interessiert sind.
Unterrichtsmodule für die Schülerfirmenarbeit
Schülerfirmen eröffnen Kindern und Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten, um Verantwortung zu übernehmen, eigene Ideen in die Tat umzusetzen und dabei spielerisch wirtschaftliche Zusammenhänge zu begreifen. Um diese Projektmethode noch besser im Schulalltag zu verankern, hat das Fachnetzwerk Schülerfirmen Lehrmaterial entwickelt, mit denen Lehrkräfte Schülerfirmen im Unterricht umsetzen können. Die Materialien KLASSE SCHÜLERFIRMA – Unterrichtsmodule für die Schülerfirmenarbeit in der Sekundarstufe 1 begleiten Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte in insgesamt 14 Modulen durch die Gründung, Umsetzung und Auswertung einer Schülerfirma. Die einzelnen Module bauen aufeinander auf, können jedoch auch themenspezifisch flexibel eingesetzt werden. Je nach eigener Schwerpunktsetzung können die Lehrkräfte dabei verschiedene Themen der Schülerfirmenarbeit in den Fokus rücken – etwa Entrepreneurship Education, Berufsorientierung oder nachhaltiges Wirtschaften.
Lizenzhinweisgenerator für Bilder
Der Lizenzhinweisgenerator soll dabei helfen, Bilder aus Wikipedia und dem freien Medienarchiv Wikimedia Commons einfach und rechtssicher nachzunutzen. Der Nutzer wird durch einen kurzen Dialog geleitet und erfährt dadurch die für den Lizenzhinweis entscheidenden Einzelheiten der individuellen Nachnutzung. Nach Beantwortung dieser wenigen Fragen kann man schnell und einfach den entsprechenden Lizenzhinweis auf verschiedene Arten kopieren und in die eigene Publikation einfügen.
OER an Schulen in Schleswig-Holstein
Das Projekt LOERSH (Europa-Universität Flensburg) möchte unterschiedliche Akteure im Kontext Schule und Lehrerbildung ansprechen. Hierfür gibt es fünf Teilvorhaben:
schulinterne und -übergreifende Fortbildungen und Multiplikator*innen-Schulungen für Lehrkräfte und weitere schulische Mitarbeiter*innen
Multiplikator*innen-Schulungen für im Kontext Schule und Lehrerbildung tätiges Bildungspersonal
OER in die Ausbildung und Arbeit von »Schüler-Medienscouts«
Instituts- und hochschulübergreifende Seminare für Studierende des Lehramts sowie Fortbildungen für Dozent*innen der Lehramtsstudiengänge an der Europa-Universität Flensburg
Open Educational Resources: Vier Debatten – vier Antworten
Jöran Muuß-Merholz zum Thema „Schulbücher und freie Bildungsmaterialien sind keine Gegensätze“
OER: vier Debatten – vier Antworten. Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, CC-BY-SA 4.0
OER managen in der Schulpraxis
Wie stellt sich die Arbeit mit freien Lizenzen und der Nutzung offener Bildungsmaterialien in der Praxis dar? Das Saarländische Ministerium für Bildung und Kultur und das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) haben zur Beantwortung dieser Frage die Handreichung Lizenzierung und Nutzung offener Bildungsmaterialien herausgegeben. Die Handreichung behandelt rechtliche Fragen, die praktische Anwendung von OER und Fundstellen im Netz. Die Handreichung steht unter CC BY SA 3.0 DE. Wir stellen die Broschüre (PDF) und den zugehörigen Einleger (PDF) zum Download zur Verfügung.
OER erfolgreich für die Arbeit im Schulalltag organisieren
Die meisten Lehrkräfte, die sich mit dem Thema OER bereits auseinander gesetzt haben, beschäftigt die Frage, wie man OER gewinnbringend im Unterricht einsetzen kann. Es gibt mittlerweile vor allem im Bereich Schule eine Vielzahl hochwertiger und vielseitiger frei verfügbarer Bildungsmaterialien, die den Unterricht bereichern können. Eine stetig wachsende Community trägt dazu bei, dass es den Beteiligten leichter fällt, OER zu managen und deren Einsatz im Unterricht Schritt für Schritt auch in deutschen Klassenzimmern bekannter wird. Um Fragen und Unsicherheiten – vor allem beim Thema Urheberrechte und deren mögliche Verletzungen – beantworten und beheben zu können, existieren eine Vielzahl von Ratgebern und Leitfäden. An dieser Stelle sei nur auf einige davon hingewiesen. Eine umfangreiche Linkliste, wo man OER im Internet finden kann, befindet sich in unserem Dossier “OER finden – Informationen für die Schule“.
Szenarien für OER-Schulbücher
Der Einsatz von Schulbüchern ist für Lehrkräfte – auch wenn sie neuen Bildungsmaterialien aufgeschlossen gegenüber stehen – nicht wegzudenken. Wie man dieses klassische Medium mit den Ansprüchen und Vorteilen frei verfügbarer Bildungsmaterialien vereinen könnte, haben jüngst österreichische Forscher untersucht: Im Dezember 2017 ist die Machbarkeitsstudie zu OER-Schulbüchern in Österreich erschienen. Diese Studie wurde von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft m.B.H. in Kooperation mit der Universität Innsbruck und der Technischen Universität Graz im Auftrag des Bundeskanzleramts und des Bundesministeriums für Bildung durchgeführt.
OER-Schulbücher bieten unter anderem die Möglichkeit der rechtssicheren Nutzung, des kostenlosen Zugangs auf die digitale Version sowie die Möglichkeit der Modifikation und Wiederveröffentlichung der Materialien. Die Machbarkeitsstudie zu OER-Schulbüchern in Österreich zeigt potentielle Veränderungen, Chancen und Herausforderungen sowie mögliche Szenarien für die Einführung von OER-Schulbüchern auf. In der Machbarkeitsstudie werden dazu sechs Szenarien für OER-Schulbücher in Österreich, ausgehend von möglichen Aktivitäten der zuständigen österreichischen Bundesministerien, beschrieben. Darauf aufbauend geben die Autorinnen und Autoren der Studie auch Empfehlungen für eine nationale Strategie zur Umsetzung von OER-Schulbüchern und OER allgemein.
Obwohl sich die vorliegende Studie auf die Situation und Perspektiven für die Entwicklung von OER-Schulbüchern in Österreich bezieht, lassen sich zahlreiche Aspekte auf die Situation in Deutschland ableiten, vor allem was den Gesichtspunkt des OER-Managements betrifft, also den organisatorischen Umgang mit OER. Somit ist das Dokument, auch für Lehrkräfte und Beschäftigte im Bildungsbetriebe bzw. in Behörden in Deutschland eine mehr als lohnende Lektüre.
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christina König, FWU Institut für Film und Bild für OERinfo – Informationsstelle OER.
Die Freiheiten, die offene Bildungsmaterialien ihren Nutzer*innen einräumen entfalten sich am besten im digitalen Raum: Nirgendwo ist das Vervielfältigen, Verändern und Veröffentlichen von Material schneller und einfacher bewerkstelligt – OER lassen sich ohne weiteres als Teil der Digitalisierung aller Lebensbereiche begreifen.
Das Lernen mit Texten wirkt heute im Zeitalter digital-multimedialer Aufbereitungsmöglichkeiten dagegen geradezu angestaubt und genießt nicht den besten Ruf. Es heißt, Textarbeit fördere den Aufbau von trägem Wissen, welches nicht in echten Problemsituationen anwendbar ist. Nichtsdestotrotz sind textliche Informationen immer noch wichtiger Bestandteil der meisten Lernangebote für Erwachsene. Textgestaltung wiederum ist eine beliebte kreative Arbeitsmethode, die gerne in Kursen eingesetzt wird. Ein Blog bietet damit als digitales Werkzeug die Chance für eine gelungene Synthese von Textarbeit mit modernen digitalen Möglichkeiten. Ein Blog bietet damit als digitales Werkzeug die Chance für eine gelungene Synthese von Textarbeit mit modernen digitalen Möglichkeiten.
Was ist ein Blog und wozu kann man es einsetzen?
Der Begriff Blog entstand als Kürzung des Begriffs „Weblog“ und bezeichnet eine Webseite, auf der in Form von datierten Einträgen eine Art Tagebuch, Logbuch oder Journal geführt wird. Die Einträge werden in der Regel in chronologisch abwärts sortierter Reihenfolge angezeigt und mit Hilfe von Kategorien und Schlagworten geordnet, archiviert und auffindbar gemacht. Ein Eintrag kann Text, Videos, Bilder, Links und Audiodateien umfassen und von anderen Nutzern und Nutzerinnen über eine Kommentarfunktion diskutiert werden. Der Einsatz von Blogs in einem Kurs bietet für Lernende einige Vorteile:
Sie erhalten eine frei zugängliche und aktuelle Dokumentation des Kurses.
Sie können gemeinsam selbstgesteuert Inhalte erarbeiten, auch über Präsenzphasen hinaus.
Sie werden selbst zu Produzenten und erweitern in diesem Zusammenhang ihre eigene Medienkompetenz.
Durch die Öffentlichkeit des Blogs werden Inhalte mit größerer Sorgfalt erarbeitet.
Auch Kursleiter*innen profitieren von einem Blog, da sie es unmittelbar in der Vorbereitung für die Präsenzveranstaltungen einsetzen können. Das Blog ist selbstverständlich auch für Ankündigungen und Absprachen nutzbar, die den Kurs betreffen.
Der Weg zum eigenen Blog
Es gibt grundsätzlich zwei Wege zum eigenen Blog:
Verfügt man über eine eigene Domain kann man dort eine vorgefertigte Software installieren, die speziell auf das Format hin gestaltet wurde. WordPress und Serendipity gelten als die verbreitetsten und nutzerfreundlichsten Lösungen. Deren Code ist außerdem quelloffen und passt damit gut zum Gedanken der Offenheit in OER.
Noch einfacher ist es, bei einem der gängigen kostenlosen Hosting-Dienste einen Benutzeraccount zu erstellen und einen Blog einzurichten. Hierzu benötigt man lediglich eine gültige E-Mail-Adresse. Dabei sind aus Datenschutzgründen Hosting-Dienste mit deutschem Firmensitz die erste Wahl. Eine Suche mit den entsprechenden Schlagworten erbringt dazu passende Ergebnisse. Prüfen Sie ob es der Dienst erlaubt, mit mehreren Autoren auf einem Blog zu arbeiten.
Nach der Einrichtung des Blogs können Sie einen oder mehrere weitere Autoren dazu berechtigten, im Blog zu schreiben. Dazu ist es notwendig, dass die Teilnehmenden ein eigenes Benutzerkonto einrichten, diese von Ihnen freigeschaltet werden (bei einem Hosting-Dienst) bzw. dass Sie als Administrator Ihres Blogs weitere Autorenzugänge erstellen (bei einem Blog auf ihrer eigenen Domain).
Wie mache ich aus einem Blog eine OER?
Um aus dem Blog eine OER zu machen, genügt es, eine Kennzeichnung mit einer offenen (CC-)Lizenz so anzubringen, dass sie im Idealfall ständig sichtbar ist. Dazu ist zum Beispiel der Seitenfuß des Blogs geeignet, der in der Regel über die Verwaltungsfunktionen des Blogs verändert werden kann. Alternativ können Sie den Lizenzhinweis in einem eigenen Blogeintrag platzieren und diesen „anheften“, so dass er immer als erster Eintrag angezeigt wird.
Dieser Text steht unter der CC BY SA 3.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jan Koschorreck, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), für OERinfo – Informationsstelle OER.
Absatz 2 („Was ist ein Blog […]) ist dem Werk „Lernende erstellen ein Blog als OER“ unter CC BY SA 3.0 von Blanche Fabri und Sonja Borski für wb-web entlehnt.
Open Educational Resources (OER) sind Lehr-Lern-Materialien, die kostenlos genutzt, weiterbearbeitet und frei weiter-gegeben werden können. Gerade in der Schule wird das Thema frei verfügbarer Unterrichtsmaterialien immer wichtiger und bringt grundlegende Veränderungen beim Lernen und Lehren – auch bei den Materialien, mit denen gelernt und gelehrt wird. Die Diskussion um Bedeutung, Wahrnehmung und Entwicklung von OER und die Frage, was Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler davon haben, ist in vollem Gange.
Das Projekt LOERn – OER in der Lehrerfortbildung verankern widmet sich in der dreiteiligen Filmreihe “OER kompakt” unter anderem der Nutzung von OER im Unterricht und wendet sich vor allem an (angehende) Lehrkräfte. Die Filme sind jedoch auch für Schülerinnen und Schüler geeignet, die mehr zum Thema OER wissen wollen. Die beiden weiteren Teile von „OER kompakt“ finden Sie hier unter Was sind OER und Wie erstelle und teile ich OER – oder in der Rubrik „Videos“ auf dieser Seite!
OER KOMPAKT – Wie nutze ich OER? FWU Institut für Film und Bild, CC-BY-SA 4.0
Linktipps zum Thema „Lernen mit OER“
Es gibt mittlerweile auch für die Hand von Schülerinnen und Schülern ein stetig wachsendes Angebot an Plattformen und Materialien, die sich dem Thema der frei verfügbaren Bildungsmaterialien verschrieben haben. Besonders zu empfehlen ist die Broschüre „OER in der Schule“, die gibt kurz und bündig Antworten auf Fragen rund um den Einsatz von OER in der Schule gibt:
Was sind OER?
Warum OER in der Schule einsetzen?
Welche Lizenz ist die richtige für die Schule?
Wo und wie finde ich OER für den Unterricht?
Wie kann ich OER nutzen und selber erstellen?
Für alle Lernenden, die nicht wissen, wo sie mit der Suche nach OER anfangen sollen und sich mehr informieren wollen, hat die Bundeszentrale für politische Bildung im Rahmen ihres umfangreichen Dossiers OER – Material für alle eine kommentierte Linkliste zum Thema OER zusammengestellt. Sie beinhaltet Links zu OER-Materialien zu den Fächern Geschichte/politische Bildung, Mathematik, Naturwissenschaften, Religion und Musik sowie fächerübergreifende Datenbanken und Portale.
Auf der Lernplattform Serlo ist Lernmaterial für Schülerinnen und Schüler unter einer CC BY-SA 4.0-Lizenz zu finden. Das Material ist thematisch geordnet. Es gibt ein gesondertes Modul „Abschlussprüfungen“, das z.B. auf die Mittlere Reife oder das Abitur vorbereitet. Die Community diskutiert Fragen und Lösungswege.
Die Lernplattform memucho bietet vielfältige Inhalte in Frage-Antwort-Form. Lernende können ihr Wissen in diesen Bereichen testen, sie können sie personalisiert Lernen (u.a. zu einem Termin) oder im Echtzeit-Quiz gegeneinander antreten. Alle Inhalte sind frei verwendbar (CC-Lizenz), jeder kann weitere Fragen hinzufügen, jede Frage enthält i.d.R. Quellenangaben und hilfreiche Ergänzungen/Erläuterungen. Momentan v.a. Angebot in Geschichte, Politik/Sozialkunde, Wirtschaft, Internationale Beziehungen, wird kontinuierlich ausgebaut.
Die Plattform befindet sich momentan in der Beta-Phase, die Funktionalitäten für Nichtmitglieder sind bis zum offiziellen Start der Plattform noch nicht beschränkt.
Auf dem Medienportal der Siemens-Stiftung finden Lernende und Lehrende offene Materialien zu naturwissenschaftlich-technischen Themen, vor allem zu den Bereichen Energie, Umwelt und Gesundheit. Die 5.500 Medien eignen sich für den Einsatz vom Kindergarten bis zum Schulabschluss und werden unter einer CC BY-SA-Lizenz bereitgestellt. Das gesamte Angebot ist in Deutsch, Englisch und Spanisch verfügbar.
Im unteren Teil dieser Seite finden Sie eine große Auswahl an weiteren Praxisbeispielen, Videos, Handlungsanleitungen und Leitfäden, Literatur, Informationen zu Netzwerken und Stakeholdern, Materialien und vieles mehr, das Ihnen den Zugang zum Thema OER in der Schule erleichtern soll. Die Angebote sind über die jeweiligen Buttons erschlossen und werden stetig erweitert und aktualisiert!
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christina König, FWU Institut für Film und Bild für OERinfo – Informationsstelle OER.
OER stehen für eine Modernisierung im Bildungswesen. Sie sind im Vergleich zu nicht-freien Materialien flexibler nutzbar und für eine breitere Zielgruppe attraktiv. Für Hochschulen und Universitäten bedeutet dies einen Schritt in Richtung einer schon seit Jahrzehnten währenden Forderung: Raus aus dem Elfenbeinturm!
Konstitutiv sind dabei die offenen Lizenzen – das Urheberrecht ermöglicht zwar die Verwendung und das Teilen von Materialien innerhalb geschlossener Studiengruppen (bspw. im Rahmen eines auf einen definierten Personenkreis beschränkten Moodle-Kurses), verbietet aber das Verfügbarmachen über ebendiese Kreise hinaus. Konsequenz: für nicht-Immatrikulierte ist es schwierig, einen Einblick in die Lehrtätigkeiten eines Studienganges zu erhalten, obwohl die technischen Möglichkeiten längst vorhanden sind, eine objektive Studienwahl wird damit erschwert.
Praxisbeispiel für OER-Lernangebote
Ein sehr plastisches Beispiel, wie OER für das Lernen genutzt werden können, gibt es am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) das geophysikalische Institut. Es setzt derzeit mit dem Zentrum für Mediales Lernen (ZML) das Projekt iBridge um. Im Rahmen von iBridge wird ein interaktiver Brückenkurs für neue Studierende erstellt, der als Vorbereitung für einen erfolgreichen Eintritt ins Masterstudium genutzt wird. Grundlage dieses Kurses sind Lehrvideos, die jeweils etwa 10 Minuten lang sind und ein spezielles Thema der Geophysik behandeln. Im Mittelpunkt steht dabei KIT-Geophysiker Dr. Andreas Barth, der sowohl der Projektverantwortliche als auch das Gesicht der Videoreihe ist und die Inhalte erklärt. Unterstützt werden seine Ausführungen dabei von diversen Animationen und Grafiken, die teilweise live vor den Zuschauern entwickelt werden. Eine große Zahl der Videos ist öffentlich über YouTube und zusammen mit weiteren Lehrmaterialien über ZOERR, das Zentrale OER-Repositorium des Landes Baden-Württemberg verfügbar.
Sammlung Geophysik im ZOERR; Quelle: ZOERR (www.oerbw.de) basierend auf edu-sharing Software (metaVentis GmbH)
Die primäre Zielgruppe von iBridge sind neu immatrikulierte Studierende des Masterstudiengangs Geophysik. Ihnen soll ermöglicht werden, fachlich gut vorbereitet in die Lehrveranstaltungen zu starten. Dazu muss man wissen, dass die Studierenden nicht nur aus dem Bachelorstudiengang des Instituts kommen, sondern auch fach- und hochschulfremde BewerberInnen für das Studium zugelassen werden. iBridge dient also, wie der Name schon sagt, als Brückenkurs in das Masterstudium, um etwaige Unterschiede im Vorwissen der Studierenden auszugleichen. Der eigentliche Brückenkurs wird auf der Ilias-Plattform des KIT zur Verfügung gestellt und beinhaltet noch weitere Features wie Kontrollfragen und Zusatzmaterialien und wird durch ein moderiertes Forum ergänzt.
Für die Studierenden besteht eine Empfehlung, den Kurs zu Beginn des Studiums zu belegen, jedoch keine Verpflichtung. Das Projekt wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst aus dem Strukturfonds „Kleine Fächer“ unterstützt. Einen Master in Geophysik kann man nur an etwa 10 Hochschulen in Deutschland belegen. Hieraus ergibt sich ein weiteres Projektziel, nämlich den Aufbau eines digitalen Lehr- und Lernmittelpools für Studiengänge der Geophysik in Deutschland. Dafür besteht eine Kooperation des Projekts mit dem Zentralen OER-Repositorium des Landes Baden-Württemberg, auf dem die Videos – derzeit noch über einen YouTube Link – bereitgestellt werden.
OER für niederschwellige Lernangebote
Am Beispiel des iBridge-Projekts zeigt sich eine bedeutende Stärke von OER: Sie setzen die zu überwindende Schwelle, sich mit Themen auseinanderzusetzen herab. Allein für den Zweck des Brückenkurses hätte man die Lehrvideos auch ohne eine offene Lizenz produzieren und lediglich auf der Ilias-Plattform des KIT bereitstellen können. Die konsequente „OER-isierung“ ermöglicht dem geophysikalischen Institut aber nun auch eine wesentlich breitere Zielgruppe anzusprechen und auf sich und den Masterstudiengang aufmerksam zu machen. Zudem können andere Lehrstühle von den produzierten Materialien profitieren. Dieses Modell lässt sich sicher auch auf andere Institute und Studiengänge übertragen.
Das Projekt nutzt Synergien zwischen dem wissenschaftlichen Know-How des GPI und den mediendidaktischen Erfahrungen des ZML. Das Institut für sich allein hätte kaum alle mit der Produktion von qualitativ hochwertigen Lehrvideos verbundenen Aufgaben bewältigen können. Bei einem OER-Projektvorhaben empfiehlt es sich daher generell, nach passenden Mitstreitern zu suchen. Und es zeigt sich, dass die Grundidee von OER auch das Nachdenken über innovative digitalisierte Lernszenarien befördern kann. Prädestiniert sind OER dafür, die universitäre Lehre zu öffnen und nach außen sichtbar zu machen. Oder sinnbildlich: die Unilehre aus dem Elfenbeinturm herauszuholen.
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: David Eckhoff, Universität Duisburg-Essen für OERinfo – Informationsstelle OER.