OER Suchen und Finden

Dieser Artikel gibt einen ersten Einstieg in das Thema Recherche nach OER. Wenn Sie weitere Plattformen und Fundgruben für OER in der Hochschulbildung kennen, wenden Sie sich gerne per E-Mail an den Autor.

Für Open Educational Resources gibt es kein zentrales Repositorium, an dem alle Materialien mit einem Klick zu finden sind, auch wenn es vereinzelt Versuche gibt, solche Plattformen aufzubauen. Das würde auch der Vielfalt und Dezentralität der OER-Welt nicht gerecht werden (dazu gibt es hier einen spannenden Blogbeitrag). Allerdings sind OER in den meisten Fällen digitale Ressourcen, die im Netz auffindbar sind. Wenn sie mit entsprechenden Metadaten versehen sind, kann man auch gezielt nach Ihnen suchen. Im Folgenden erhalten Sie einige Tipps zur Recherche sowie Hinweise auf gängige Plattformen, auf denen Sie freie Materialien finden, die Sie bedenkenlos in der Lehre einsetzen können. Hierbei sei auch auf die Dossierbeiträge aus den anderen Bildungsbereichen verwiesen, die durchaus auch für die Hochschullehre sinnvoll sein könnten.

Ihr Ansprechpartner für den Bereich Hochschule:
Daniel Otto, Learning Lab, Universität Duisburg-Essen daniel.otto[at]uni-due.de Foto: privat

 

Recherche im Internet: Wie die Nadel im Heuhaufen?

Die Suche nach brauchbaren Materialien im Internet kann Desorientierung und Frust hervorrufen, so groß ist die Fülle an Materialien, so ungeordnet wirkt die Masse an Informationen auf den ersten Blick. Um den Vorteil der großen Vielfalt an Materialien nutzen zu können, ist daher ein planvolles Vorgehen zu empfehlen. Für den Hochschulkontext bietet sich bspw. ein Vorgehen in drei Schritten an:

  • Bedarfsanalyse und Festlegen von Suchkriterien
  • OER suchen (in Referatorien oder Repositorien)
  • OER beurteilen und auswählen

Diese Schritte werden im Folgenden näher erläutert.

1. Bedarfsanalyse und Festlegen von Suchkriterien

Bevor Sie nach OER suchen, sollten Sie Ihren konkreten Bedarf für die Nutzung von OER erfassen. Die Analyse Ihres eigenen Materials lässt Sie gut erkennen, welche Ihrer Ressourcen Verbesserungs- bzw. Veränderungspotenzial aufweisen und durch OER sinnvoll ergänzt werden könnten.

Dieser Schritt ist meist Ausgangspunkt bzw. Anlass für die Suche nach OER und mag daher selbstverständlich erscheinen. Aufgrund der Menge und Heterogenität von OER ist es jedoch sehr zu empfehlen, die Bedarfsanalyse systematisch in das Vorgehen einzubeziehen und Suchkriterien festzulegen, die dem eigenen Bedarf entsprechen. Für die Erläuterung der Kriterien können Sie die einzelnen Felder der Tabelle ausklappen:

2. OER suchen

Technisch betrachtet gibt es zwei Arten von Plattformen, auf denen Bildungsmaterialien gesucht und gefunden werden können: Repositorien (Repositories) bezeichnen Datenbanken, auf denen Ressourcen abgelegt sind. Ein Beispiel dafür wäre ein Publikationsserver einer Bibliothek. Darüber hinaus gibt es sogenannte Referatorien (Referatories), die Metadaten und Links enthalten und somit auf die Materialien verweisen. Das Auffinden expliziter OER-Materialien wird dadurch ermöglicht, dass die CC-Lizenzen maschinenlesbar sind, nähere Informationen dazu finden Sie hier. Aus der Perspektive des Suchenden ist es zunächst unerheblich, ob man das Material direkt auf dem Server oder über ein Referatorium findet.

Für das zielgerichtete Suchen nach OER ist es in jedem Fall wichtig, die möglichen Filterfunktionen der jeweiligen Plattform zu kennen und einzusetzen. Denn die Suchergebnisse auf vielen Plattformen können – sofern nicht ohnehin ausschließlich freie Bildungsmaterialien auf den Plattformen zur Verfügung stehen – u.a. entsprechend der Lizenzen/Nutzungsrechte eingegrenzt werden. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Sie sollten sich nicht allein auf die entsprechenden Suchergebnisse verlassen, sondern die direkt beim Material angegebene Lizenz prüfen. Im Folgenden sind beispielhaft einige Plattformen aufgelistet, auf denen Sie offene Materialien finden können. Zunächst stellen wir einige Seiten zur allgemeinen Materialsuche vor, beginnend mit der mit Abstand meistgenutzten Suchmaschine Google:

Google Suche:

Google ermöglicht in der Bildersuche das gezielte Filtern nach Lizenzen. Unter Tools und Nutzungsrechte kann man die angezeigten Ergebnisse auf entsprechend CC-lizenzierte Materialien beschränken:

Screenshot der Google Bildersuche

OERhörnchen

Das OERhörnchen nutzt die Maschinenlesbarkeit der CC-Lizenzen, um gezielt nach OER zu suchen. Das auf Open Source Software basierende Tool ermöglicht das Durchsuchen mehrerer OER-Portale gleichzeitig. Mithilfe des offenen Codes können versierte Programmierer auch weitere Portale in die Suche mit einbinden.

Screenshot des OERhoernchens

CC-Search

Ein weiteres Beispiel für eine solche Meta-Suchmaschine ist das von der Creative Commons Organisation selbst angebotene Tool CC-Search. Hier können ebenfalls bestimmte OER-Portale gezielt und synchron nach Nutzungsmöglichkeiten und Suchbegriffen durchsucht werden.

Edutags

Edutags ist ein Verweissystem, das auf der Methode des Social Bookmarking basiert. Das bedeutet, dass die User selbst Ressourcen verlinken und diese mit Schlagwörtern (=Tags) versehen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit zur Bewertung und zum Kommentieren der Ressourcen. Edutags ermöglicht außerdem das Anlegen von Sammlungen, was das Wiederauffinden von Materialien erleichtert. Nicht alle Materialien auf edutags sind CC-lizenziert, aber auch hier gibt es die Möglichkeit zu filtern.

Screenshot von edutags.de

Hochschulsammlungen

Wie eingangs erwähnt gibt es im deutschsprachigen Bereich keine zentrale Anlaufstelle, auf der man OER findet. Im internationalen Kontext lohnt sich ein Blick auf das Open Education Consortium, das die Suche nach Kursen und Kursmaterialien von hunderten Hochschulen weltweit ermöglicht.

Beispiele für Sammlungen von OER in Deutschland sind u.a. die Hamburg Open Online University (HOOU), ein Verbundprojekt aller Hochschulen im Land Hamburg, die Plattform OpenRUB von der Ruhr Universität Bochum, das zentrale OER-Repositorium des Landes Baden-Württemberg (ZOERR) und die MOOC-Plattform Mooin, die von der Firma Oncampus betrieben wird.

Bibliotheken

Auch für Bibliotheken sind OER ein Thema, gleichzeitig können Bibliotheken mit ihrem Know-How im Bereich Metadaten einen wertvollen Beitrag zum Ausbau einer OER-Infrastruktur leisten. Ganz praktisch schon jetzt möglich sind Filtermöglichkeiten nach OER-Lizenzen. Bei der erweiterten Materialsuche der Digitalen Bibliothek Thüringen besteht bspw. die Möglichkeit, nach Nutzungsrechten zu filtern.

3. OER beurteilen und auswählen

Wenn Sie die gerade beschriebenen Möglichkeiten der OER-Recherche erfolgreich durchlaufen haben und eine Auswahl an geeigneten Materialien für Ihre geplante Lehrveranstaltung vorliegen haben, empfiehlt es sich, die Materialien noch einmal anhand der eingangs festgelegten Kriterien zu prüfen. Wichtig ist hier vor allem die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Quelle, um das Material wirklich ohne rechtliche Bedenken nutzen zu können. Hierbei können Sie zwar nie hundertprozentige Sicherheit erwarten, aber ähnlich wie bei der Suche nach guten wissenschaftlichen Quellen eine gute Auswahl treffen. Hinweise auf glaubwürdige Quellen können bspw. die Mitwirkung einer renommierten Organisation, saubere Zitation, Quellen- und Lizenzhinweise sowie ein ansprechendes, didaktisch sinnvolles Layout sein.

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: David Eckhoff, Universität Duisburg-Essen für OERinfo – Informationsstelle OER.










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