Mit OER Qualität der Ausbildung und Lernortkooperation erhöhen

Durch Offene Bildungsmaterialien eröffnen sich Lehrenden und Ausbildern neue didaktische Herangehensweisen. OER bieten Transparenz, was Lernorte digital enger miteinander verbinden kann.

Die Möglichkeit der Anpassung und Weiterentwicklung bietet kurze Reaktionszeiten auf Veränderungen mit kurzem Innovationszyklus.

Wie nutze ich OER?

OER KOMPAKT – Wie nutze ich OER?
FWU Institut für Film und Bild, CC-BY-SA 4.0

Mehr Zeit für Anwendung und Festigung von Wissen am Lernort Berufsschule

Für Lehrende steht im Zusammenhang mit offenen Bildungsmaterialien die Didaktik im Mittelpunkt. Potenziale sehen Bildungsexperten z.B. im Hinblick auf integrierte Lernmethoden wie dem Flipped-Classroom-Szenarium für standardisierte Lehrinhalte. Beim Flipped-Classroom (Umgedrehter Unterricht) werden Lerninhalte durch Tutorials zu Hause von den Schülerinnen und Schülern erarbeitet, was u. a. mehr Raum für die Anwendung in der Schule bietet.

Auch die individuelle Vorbereitung jedes einzelnen Schülers kann dadurch gefördert werden. Nicht alle Schülerinnen und Schüler haben das Selbstvertrauen im Frontalunterricht vermitteltes Wissen direkt zu hinterfragen. In der Vorbereitung können sie entsprechende Videostellen beliebig wiederholen, Fragen formulieren und nach zusätzlichem Material recherchieren.

Auf Youtube ist für die eigenständige Didaktik beruflicher Fachrichtungen wie z.B. für den Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung oder Gesundheit und Pflege bereits eine Fülle an Erklär-Videos zu finden. Unter der erweiterten Suchfunktion lässt sich hier auch nach frei lizenziertem Material suchen. Die Suche nach dem benötigten Inhalt sowie die Beurteilung der Qualität der einzelnen Materialien erfordert jedoch noch viel Zeit.

OER dürfen aktualisiert, verändert und vermischt werden

Kostenpflichtige Verlagsmedien sind bei Inhalten, die einem immer rascher werdenden Wandel unterliegen, schnell veraltet. Die Anschaffung aktuellerer Medien übersteigt schnell das bereits knappe Budget vieler Schulen. Offene Bildungsmaterialien bieten nicht nur den freien Zugang und die kostenlose Nutzung digitaler Medien. Sie dürfen aufgrund ihrer freien Lizenz darüber hinaus verändert und aktualisiert werden. Kostspielige Neuauflagen von Lehrbüchern entfallen damit.

Lerngruppen sind gerade in der beruflichen Bildung häufig sehr heterogen. Dies erfordert eine Binnendifferenzierung und Individualisierung durch den Lehrenden, was viel Zeit und Engagement auf Seiten der Lehrenden in Anspruch nimmt. Das Prinzip der offenen Bildungsmaterialien baut auf der Anpassung bereits bestehenden Materials und der weiteren Nutzung durch Dritte auf. Dabei teilen Lehrende ihre selbst erstellten oder angepassten Materialien mit Kolleginnen und Kollegen, z.B. über Online-Plattformen. Dies führt zu einer gegenseitigen Bereicherung. Insbesondere für Fachdidaktiker unterschiedlichster Fachrichtungen, die in ihrem eigenen Kollegium nicht den entsprechenden Austausch finden, können sich hier durch einen erweiterten Austausch neue Möglichkeiten ergeben.

Bei offenen Bildungsmaterialien dürfen unterschiedliche Quellen miteinander verknüpft werden. So können sie den Selbstlernprozess der Lernenden durch die eigenständige Erarbeitung und Verarbeitung von Lerninhalten fördern. Die Erstellung von Wiki-Beiträgen kann z.B. die Reproduktion und Restrukturierung von Erlerntem unterstützen. Bei der Suche nach zusätzlichem Material oder etwa der Angabe von Quellen muss der Lernende zudem die Qualität der Materialien selbst hinterfragen. Hierfür benötigen Lernende Unterstützung. Als Arbeitsauftrag in Form einer Gruppenarbeit kann dies auch die Zusammenarbeit fördern.

OER und Lernortkooperation – Die Zusammenarbeit von Betrieb und Berufsschule fördern

Betriebe vermitteln im Rahmen der dualen Ausbildung, die als wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor gilt, handlungsorientiertes Wissen für die Berufspraxis. Jedoch werden auch hier, je nach Lernort, Größe der Betriebe und Unternehmen und in Abhängigkeit nötiger und wachsender Theorieanteile Lehrmaterialien, z.B. unter Einbezug der Leittextmethode, erstellt. (SCHELTEN, S. 66). Die Einbeziehung der Auszubildenden in die Erstellung und Weiterentwicklung dieser Materialien kann identitätsfördernd wirken und der jeweilige Betrieb, das jeweilige Unternehmen kann an Image gewinnen. Insbesondere für formal geringer qualifizierte Auszubildende mit Hauptschulabschluss, da diese digitalen Lernmedien generell aufgeschlossener und motivierter gegenüberstehen. (BERTELSMANN STIFTUNG, S. 15 f.)

OER könnten eine bereits institutionalisierte und gelebte Kooperation dieser Lernorte nach Meinung von Bildungsexperten unterstützen. Durch die Transparenz, die offene Bildungsmaterialien bieten, wären Betriebe und berufsbildende Schulen immer auf dem neuesten Stand was die Anwendung von Lehrmitteln anbelangt. Auch Innovationen wie ökonomisch und technisch-produktive Änderungen in den Betrieben könnten so schneller in die Ausbildung getragen werden. Die Möglichkeiten der Anpassung und Weiterentwicklung von OER könnten zudem die Zusammenarbeit der Lernorte unterstützen, da diese ihre Materialien nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich besser aufeinander abstimmen könnten.

Literatur

BERTELSMANN STIFTUNG: Monitor Digitale Bildung – Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter, 2016, URL: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_Monitor-Digitale-Bildung_Berufliche-Ausbildung-im-digitalen-Zeitalter_IFT_2016.pdf (Stand 10.10.2017)

Schelten, Andreas, Einführung in die Berufspädagogik, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-515-08440-1

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden:
Susanne Grimm, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), für OERinfo – Informationsstelle OER.





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