Cooperation Changes Everything – Eindrücke vom Open Education Policy Forum in Warschau

Interview mit Dominik Theis

Cooperative, Foto: Free-Photo, CC0.

Vom 15. bis 16. Oktober 2018 fand unter dem Motto „Cooperation Changes Everything” in Warschau das Open Education Policy Forum statt. Für das Bündnis Freie Bildung war Dominik Theis, Mitarbeiter im Team Politik und Recht bei Wikimedia Deutschland e. V. in Warschau dabei. Im Interview gibt Dominik Theis seine Eindrücke von der Konferenz wieder.

Cooperation Changes Everything

OERinfo: Das Forum stand unter dem Motto „Cooperation Changes Everything”. Welche Idee von „Kooperation“ stand dahinter?
Dominik Theis: Der Flickenteppich von Richtlinien und Gesetzen in der globalen Bildungslandschaft, die Debatte um das europäische Urheberrecht und die fortschreitende Digitalisierung öffnen ein großes Spannungsfeld im Bildungsbereich, das den Gestaltungsspielraum rund um Open Education / Freie Bildung betrifft. Um nationale und internationale Gesetzgebungs- und Implementierungsprozesse effektiv begleiten zu können, müssen Zivilgesellschaft und Politik miteinander kooperieren, d.h. in den Dialog treten, Expertise teilen und darauf aufbauen.

Nur durch die Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten, Entscheidungstragenden und Interessenvertretungen im Bildungsbereich ist es möglich, das große Feld an Herausforderungen zusammen anzugehen. Die Gestaltung und Umsetzung von Richtlinien muss auf der Basis von gemeinsamen Werten und dem Ziel der Bildungsgerechtigkeit gemeinschaftlich stattfinden. Grundsätzlich gibt es den Bedarf, aber auch die große Bereitschaft, sich über Projekte auszutauschen und Gelerntes weiterzugeben.

Dominik Theis, Foto: Jan Apel (Zuschnitt), Foto von Jan Apel, CC BY-SA 4.0.

Dominik Theis ist seit November 2017 Teil des Teams Politik und Recht bei Wikimedia Deutschland e. V. und koordiniert seit Mitte des Jahres 2018 das Bündnis Freie Bildung (BFB). Er setzt sich für die Öffnung von Lehren, Lernen und Bildung sowie die Förderung Freien Wissens ein. Gemeinsam mit den Mitgliedern des BFB setzt er Impulse für einen politischen Wandel mit dem Ziel der gerechten und zeitgemäßen Bildung in einer offenen, digitalen Gesellschaft.

OERinfo: Welche Formen der Kooperation zwischen welchen Gruppen wurden beim Forum thematisiert?
Dominik Theis: Im Rahmen des diesjährigen Open Education Policy Forums wurde über die aktuelle Situation von freier Bildung in den einzelnen europäischen Ländern als auch in der ganzen Welt diskutiert. Dortthematisierten die über 40 Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bildungsbereich die Zusammenarbeit zwischen Politik und Zivilgesellschaft, als auch zwischen den einzelnen Interessenvertretungen, Akteurinnen und Akteuren der Bildungslandschaft untereinander.

Nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene sind Kooperationen zwischen diesen Akteurinnen und Akteuren so wichtig wie nie zuvor. Das Forum regte Kooperationen innerhalb der Europäischen Union und den einzelnen Open Movements auf der ganzen Welt an. Die Teilnehmenden setzen sich unter anderem kritisch mit der bevorstehenden Urheberrechtsreform auseinander, tauschten sich über nationale Projekte und Politiken aus und sprachen insbesondere über mögliche Formen der Zusammenarbeit im Rahmen der Implementierung der EU-Richtlinien. Im Vordergrund stand hierbei der Artikel 4 der Urheberrechtsreform, der Schranke bzw. Ausnahme für formale Bildung vorsieht, jedoch Bildung, die nicht institutionell verankert ist (non-fomale Bildung), außer Acht lässt.

OERinfo: Wie könnten Kooperationen zwischen einzelnen Gruppen aussehen, gab es bereits konkrete Verabredungen dafür?
Dominik Theis: Unter den Teilnehmenden befanden sich auch eine Vielzahl an Mitgliedern von Bündnissen und Koalitionen, wie das Bündnis Freie Bildung (BFB). Wie das BFB schon früh erkannte, ist die Schwäche der Bewegung rund um Freie Bildung das Fehlen klarer Forderungen an Politik, Verwaltung und Institutionen. Durch die Formulierung von konkreten
Empfehlungen und Positionen im Rahmen eines kollaborativen Prozesses konnte das BFB bereits auf nationaler Ebene dieser Schwäche ein Stück weit entgegenwirken. Nun gilt es, sich auch über die Landesgrenzen hinweg zu verbinden, Erfahrungen austauschen und Potenziale zu nutzen.

Die Communia International Association geht hinsichtlich dieser Art von Zusammenarbeit auf internationalem Niveau bereits mit gutem Beispiel voran: Als Netzwerk von Aktivistinnen und Aktivisten, Forschenden und Menschen aus der Praxis aus über zehn Ländern setzt es sich für Gemeinfreiheit ein. Gestärkt durch die Unterstützung seiner Mitglieder beeinflusst
Communia politische Diskussionen und Maßnahmen auf nationaler und EU-Ebene. Viele der im Forum anwesenden Aktivistinnen und Aktivisten engagieren sich zudem unter dem Schirm des Open Government Partnership (OGP). OGP bietet eine internationale Plattform des Austauschs für Engagierte mit dem Ziel Regierungen und öffentliche Einrichtungen so offen und vertrauenswürdig wie möglich zu gestalten.

Und auch im Sinne der kommenden UNESCO Recommendation 2019 gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich miteinander abzustimmen und diese sinnvoll zu beeinflussen, wie es auch bereits dieses Jahr möglich war.

Wo steht Open Education im Jahr 2018?

OERinfo: Welche Probleme und welche Erfolge sehen die Teilnehmenden beim Thema Open Education im Jahr 2018?
Dominik Theis: Insgesamt wird die aktuelle Situation von Open Education als mangelhaft wahrgenommen. In vielen Ländern fehlt es an Policies oder an der Umsetzung bzw. der nachhaltigen Fortführung von Vorhaben und Aktivitäten – wie jüngst eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion auch für Deutschland offenbarte. Vielen Stakeholdern im Spektrum von Lehrenden bis hin zu politischen Entscheidungstragenden fehlt es an den nötigen Kompetenzen, Interesse oder Willen, für Freie Bildung einzustehen oder damit umzugehen. Zum einen ist die Kultur des Teilens in den Bildungseinrichtungen oder auch generell in der Gesellschaft nicht weitgehend ausgereift, zum anderen haben Verlage einen zu großen Einfluss auf die Politik. Die Implementierung der EU-Urheberrechtsreform ist zudem eine weitere große Herausforderung, die alle betrifft und viele Ressourcen binden wird.


Das Interview führte Gabi Fahrenkrog für OERinfo

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dominik Theis für Bündnis Freie Bildung und Gabi Fahrenkrog für OERinfo – Informationsstelle OER.

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