Die Gewinnung und Auswertung von Erkenntnissen zur Nutzung und Verbreitung von offenen Bildungsressourcen ist ein wichtiger Baustein in den Bemühungen, OER im Bereich zu etablieren. Hier besteht insbesondere hierzulande großer Bedarf: Forschungsergebnisse zur Nutzung und Verbreitung von OER in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung sind kaum vorhanden.
Laut einer Erhebung des Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen 2015 besteht großer Bedarf an freien Bildungsmaterialien bei Lehrenden in der Weiterbildung, um gute Praxis zu unterstützen. Ergebnisse einer nicht-repräsentativen Online-Befragung von Lehrenden in der Erwachsenen- und Weiterbildung durch das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung im Jahr 2017 stützen die hier vorgenommene Analyse der verschiedenen Bereiche zum Teil. Sie zeigen, dass OER in allen Bereichen genutzt werden, jedoch unterschiedlich intensiv: Lehrende aus der Allgemeinen Erwachsenenbildung nutzen OER eher häufig oder sehr häufig, während Lehrende aus der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung eher selten oder sogar nie auf offene Bildungsressourcen zurückgreifen. Offene Bildungsressourcen werden in allen Bereichen vor allem aus Gründen von Zeit- und Kostenersparnis geschätzt. Kritisch sehen die Befragten insbesondere die Qualitätssicherung der Materialien und nur ein kleiner Teil von ihnen stellt OER selbst her und gibt sie weiter. Insgesamt bestätigt sich hier das Bild, dass auch schon Muuß-Merholz und Kollegen in Ihrer Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2015 gezeichnet haben (Muuß-Merholz 2015).
Weitere Quellen:
Muuß-Merholz, J. (Hg.) (2015): Whitepaper Open Educational Resources in der Weiterbildung/Erwachsenenbildung. Bestandsaufnahme und Potenziale 2015 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung mit open-educational-resources.de – Transferstelle für OER. Frankfurt a. M.
Schöb, S. et al. (2015). Information und Vernetzung – Bedarfe und Erwartungen von Lehrkräften an online-gestützte Fortbildungsangebote. Abgerufen von www.die-bonn.de/doks/2015-erwachsenenbildner-01.pdf am 30.08.2017
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jan Koschorreck, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), für OERinfo – Informationsstelle OER.
Die Frage nach der Qualität von offenen Bildungsmaterialien wird häufig gestellt, hierzulande oft mit einem Unterton von Skepsis – Was kann schon Material taugen, das nicht von einem Verlag geprüft wurde? Butcher und Kollegen führen das darauf zurück, dass das Verständnis von Lehr- und Lernmaterialien der meisten Lehrenden immer noch stark durch die klassischen Verlagsstrukturen geprägt ist und hier Verantwortung an eine Stelle delegiert wird, wo sie im Zusammenhang mit OER nicht hingehört.
Als erste Ebene der Qualitätssicherung sehen die Autoren vielmehr das Eigeninteresse der Institutionen oder Personen, die Bildungsmaterialien veröffentlichen: Schließlich seien diese daran interessiert, dass die veröffentlichten Materialien den eigenen Ruf verbessern, oder ihm zumindest nicht schaden (Butcher et al, 2011, S.12).
Qualitätsprüfung von OER unterscheidet sich zunächst nicht von der Prüfung von anderen Lehr-/Lernmaterialien
Die praxisbezogene Qualitätsprüfung obliegt den Institutionen bzw. Personen, die das Material einsetzen wollen- was sich im Grunde nicht vom Umgang mit Verlagsmaterial unterscheidet: Auch hier sind Lernwerke unterschiedlich und müssen in Hinblick auf Anwendungsbereich, Zielgruppe und nicht zuletzt in der Passung zu den persönlichen Vorlieben des/der Lehrenden beurteilt werden. Grundlage dafür ist das Wissen und die Erfahrung zum eigenen Arbeitsbereich – Kursleiter*innen im DaZ-DaF-Bereich werden andere bereichsspezifische Kriterien haben als Dozent*innen in der politischen Bildung. Ein großer Teil der Qualitätsprüfung von Lehr- und Lernmaterialien lässt sich aber dennoch entlang der bekannten klassischen Fragen vornehmen, wie z.B.:
Sind die Materialien inhaltlich korrekt und präzise?
Sind sie aktuell und zeitgemäß?
Sind sie für die Zielgruppe geeignet und relevant?
Sind sie für das Thema relevant?
Sind sie sinnvoll didaktisch strukturiert und methodisch aufbereitet bzw.
lassen sie eine Strukturierung und Aufbereitung mit verhältnismäßigem Aufwand zu?
Bis hierhin unterscheidet sich also die Beurteilung der Qualität von offenen Lehr-/ Lernmaterialien nicht vom bisherigen Prozess, weshalb auch das bisher einzige explizit für OER veröffentlichte Manual zur Qualitätsbeurteilung zum größten Teil die Klassiker abbildet (vgl. Kawatchi 2013).
Konzeptionelle Leitgedanken und Merkmale von OER als Prüfsteine
OER-spezifische Qualitätsmerkmale lassen sich aus den Gedanken und Elementen ableiten, die im Mittelpunkt des Konzepts von offenen Bildungsmaterialien stehen: OER sollen durch ihre offene Lizensierung rechtssicher nutzbar sowie flexibel und anpassbar sein, Zeit und Kosten sparen und für ein mehr an Bildungsgerechtigkeit sorgen. Grundgedanken bei der Erstellung und beim Einsatz sind Austausch und Zusammenarbeit, denkbar sowohl auf Ebene der Lehrenden, als auch zwischen Lehrenden und Lernenden. Aus dem Artikel von Kawachi (ebd.) wurden nachfolgend Kriterien mit OER-Bezug in diesen Text übernommen, erweitert und in Fragen umformuliert, anhand derer die Qualität von OER eingeschätzt werden kann:
Ist die Lizenzangabe korrekt und gut sichtbar angebracht?
– Die sichtbare und korrekte Auszeichnung mit einer Lizenz (z.B. einer CC-Lizenz) ist die Grundvoraussetzung für die rechtssichere Nutzung des Materials.
Ist die vergebene Lizenz offen?
– Manche Lizenzformen schränken die Freiheiten stark ein (z.B. CC BY-ND), sodass strenggenommen nicht mehr von einer offenen Ressource die Rede sein kann.
Werden Teile von anderen Lernmaterialien verwendet?
– Die Verwendung von Teilen anderer offener Materialien kann als Hinweis verstanden werden, dass der Urheber bzw. die Urheberin sich eine entsprechende Offenheit angeeignet hat.
Sind die gemachten Angaben zu Änderungen des Ursprungsmaterials sowie Quellenangaben vorhanden bzw. vollständig?
– Offenheit und Zusammenarbeit in der Erstellung und Verbreitung basieren auf dem Respekt vor dem Schaffen von anderen. Eine sorgfältige Angabe von Quellen und die Dokumentation von bedeutenden Änderungen am Ausgangsmaterial setzen dieses Verstehen in die Tat um.
Ist das Material sinnvoll verschlagwortet und vernetzt?
– Eine sinnvolle Verschlagwortung spart den Nutzer*innen Zeit dabei festzustellen, ob das vorliegende Material überhaupt für eine Verwendung in Frage kommt. Eine Vernetzung z.B. mit Hilfe von Links im Material zu alternativen oder weiterführenden Ressourcen stärkt die Selbstbestimmung der Lernenden und den Gedanken von Austausch und Zusammenarbeit.
Ist das Material frei zugänglich und einfach anpassbar?
– Kostenpflichtige Registrierungshürden versperren den Zugang und sind dem Gedanken von gleichberechtigtem Zugang zu Bildung abträglich, ebenso wie das zur Verfügung stellen in ausschließlich proprietären und geschlossenen Dateiformaten (z.B. ein Arbeitsblatt nur als .pdf).
Werden verschiedene Lernzugänge angeboten? Ist der Inhalt diskriminierungsfrei und gendersensibel?
– Diskriminierungsfreiheit, Gendersensibilität und die Integration unterschiedlicher Zugänge zum Lerninhalt berücksichtigen die Heterogenität der Lernenden und sind ein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit.
Ist eine Feedbackmöglichkeit für die Nutzer*innen bzw. die Lernenden vorhanden?
– Eine Feedbackmöglichkeit ist ein Zeichen von Offenheit und ein Werkzeug für die Verbesserung des konkreten Materials und damit (langfristig) des gesamten Materialbestandes.
Liegen Bewertungen des Materials vor durch andere Nutzer*innen, eine Redaktion oder durch eine andere unabhängige Instanz vor?
– Bewertungen durch andere Nutzer*innen können insbesondere bei sehr umfangreichen (Online-)Materialpools dabei helfen, Materialien zu identifizieren, die für eine genauere Prüfung in Frage kommen.
Selbstverständlich können die hier aufgeführten Fragen auch für die Prüfung von selbsterstellten Materialien herangezogen werden.
Quellen:
Butcher, N., Kanwar, A. & Uvalic-Trumbic (Hrg.) (2011): A Basic Guide to Open Educational Resources (OER). Paris, Vancouver: UNESCO und Commonwealth of Learning; abgerufen am 21.11.2017 unter http://unesdoc.unesco.org/images/0021/002158/215804e.pdf
Original steht Original steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international Lizenz.
Kawachi, P. (2013): Quality Assurance Guidelines for Open Educational Resources: TIPS Framework. New Delhi: Commonwealth Educational Media Centre for Asia; abgerufen am 21.11.2017 unter https://oerknowledgecloud.org/sites/oerknowledgecloud.org/files/OERQ_TIPS_978-81-88770-07-6.pdf,
Original steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international Lizenz.
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jan Koschorreck, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), für OERinfo – Informationsstelle OER.
Weltweit verspricht man sich viel vom Einsatz Offener Bildungsressourcen: Eine Verbesserung der Teilhabe an Bildung, Verbesserung und Innovation von Lehren und Lernen und Senkung der Kosten für die Bildungssysteme der Länder. Die UNESCO will mit Hilfe von OER eines Ihrer Globalen Nachhaltigkeitsziele bis 2030 erreichen, nämlich Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung für alle. Damit sich das Potenzial von Offenen Bildungsressourcen voll entfalten kann, braucht es weltweit Menschen, die OER nutzen, erstellen und veröffentlichen.
Dabei ist nicht jede Tondatei, jedes Bild oder jedes Video unter offener Lizenz gleich eine OER. Erst wenn diese Dinge in einen Lehr-/Lernzusammenhang gebracht bzw. für einen Bildungszweck kontextualisiert werden (z.B. durch eine entsprechende Didaktisierung), spricht man berechtigterweise von einer „Offenen Bildungsressource“.
Schnell zur eigenen OER
Die Herstellung einer grundständig eigenen OER ist denkbar einfach (wie man am Beispiel dieser Seite sehen kann): Die passende CC-Lizenz wählen, das entsprechende CC-Lizenzsymbol in das eigene Material einfügen, Namen der Urheber/Namensnennung festlegen, Lizenz ausschreiben und verlinken, fertig. Um die spätere Auffindbarkeit im digitalen Raum zu verbessern sollten Sie noch einige Schlagworte angeben, etwa zu Themen, Inhalten, Zielgruppen und Methoden. Irights.info hat die häufigsten Fragen, die bei der Erstellung von OER entstehen, in diesem hervorragenden FAQ zusammengefasst und beantwortet.
Etwas anspruchsvoller wird es, wenn Teile von fremdem Material unter einer anderen Lizenz verwendet werden. Dabei hilft Materialautor*innen die TULLU-Regel, außerdem gibt es eine leicht verständliche Handreichung von Josef Weitzmann. Der CC-Mixer ist hier ein sehr nützliches Tool für alle, die Inhalte unter CC-Lizenz von anderen Autoren in eigenen Werken verwenden und das Ergebnis wieder veröffentlichen wollen. Er beantwortet mit drei Klicks die Frage, ob die Lizenz des Ausgangsmaterials mit der Lizenz die man selbst vergeben möchte kompatibel ist („Will it blend?“).
Anwendungen und Apps für die Erstellung von OER
Um Ihnen die Herstellung von OER zu erleichtern finden Sie nachfolgend eine Zusammenstellung weiterer nützlicher Anwendungen und Apps. Hinweis: Keine der aufgeführten Tools bieten eine automatisierte Möglichkeit der Auszeichnung ihrer Werke mit einer freien Lizenz – das erfordert weiterhin Handarbeit. Der oben bereits genannte CC-Lizenzgenerator erleichtert Ihnen dabei zumindest die Auswahl einer passenden Lizenz.
Audacity ist ein kostenloses, quelloffenes Programm für die Bearbeitung von Audiodateien. Die Bedienung ist intuitiv, weshalb es auch gerne in Kursen und Seminaren verwendet wird.
Camtasia zeichnet Videos auf, die sich anschließend in einem einfach zu bedienenden Editor nachbearbeiten lassen. Die 30-Tage-Testversion ist kostenlos, der Download erfordert allerdings eine Registrierung mit einer gültigen Mailadresse. Eine kostenlose, quelloffene Alternative für Windows, Linux und Mac ist OBS Studio.
Comic Life erlaubt das einfache Erstellen von Comics mit eigenen Bildern. Die 30-Tage Testversion ist kostenlos, Bildungsarbeitern und –einrichtungen werden Rabatte eingeräumt. Die Desktop-Version gibt es für Windows und Mac, die App dazu gibt es nur für iOS, sie wird getrennt verkauft.
DriveOnWeb ist ein Online-Speicherdienst aus Deutschland, der daher auch den vergleichsweise strengen deutschen Datenschutznormen verpflichtet ist. Das Basispaket mit 5GB Speichervolumen und maximal 2 NutzerInnen ist kostenlos. Hier können Sie Arbeitsmaterialien und Dateien ablegen und Ihren KursteilnehmerInnen dauerhaft oder zeitweise zur Verfügung stellen.
ExplainEverything ist ein interaktives Whiteboard, mit dem auch Screencasts erstellt werden können mit einer Masse an Funktionen. Fertige Werke können in verschiedenen Formaten exportiert werden. Die Testversion ist 30 Tage kostenlos. Betriebssystem: Android, iOS
Mit H5P lassen sich ganz einfach über den Browser interaktive Elemente und Übungen gestalten, die Sie später in die eigene Webseite oder den eigenen Online-Kurs einbinden können. Voraussetzung ist dass der digitale Verwendungsort html5-fähig ist. Hinter dem Angebot steckt eine gemeinnützige norwegische Firma, alle Inhalte der Seite sind CC-BY-lizensiert. H5P bietet auch kostenlose Plugins für die Integration der erstellten Werke in moodle, WordPress oder Drupal.
LibreOffice hat sich als eine hochwertige, kostenlose und quelloffene Alternative zum Office-Paket von Microsoft etabliert. Wie viele Open-Source-Projekte finanziert sich das Projekt zu einem beträchtlichen Teil über freiwillige Spenden von zufriedenen NutzerInnen.
Mit der LicenseApp der TU Graz lassen sich eigene Fotos einfach und schnell mit einer CC-Lizenz versehen. Dabei können Nutzer die Lizenzgrafik frei im Bild platzieren. Eine gute Lösung wenn es schnell gehen muss und die Bildkomposition nicht so wichtig ist. Betriebssystem: Android, iOS
Moovly erlaubt das Erstellen von Animationen und stellt dafür auch ein umfangreiches Sortiment an Sounds, Bildern und Musik zur Verfügung (Achtung: diese sind unter Umständen nicht CC-lizensiert!), sofern man keine eigenen verwenden möchte. Die belgische Herstellerfirma bietet eine kostenlose Version für Bildungszwecke an. Die fertigen Werke lassen sich herunterladen, sind allerdings mit einem Standard-Outro und einem Wasserzeichen versehen.
OpenCourseWorld.de ist eine Plattform die kostenlose Offene Onlinekurse (MOOCs) anbietet. Bildungseinrichtung oder Coaches, Trainer/innen, Kursleiter/innen, Dozent/innen können über die Plattform auch selbst kostenlos Kurse anbieten. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt des Portals im Bereich der beruflichen Weiterbildung.
SHAREit erlaubt NutzerInnen der App das schnelle Tauschen von Dateien aller Art, auch ohne Internet, Kabel oder Wifi. Betriebssystem: Android, iOS
Trello fungiert als eine Art virtuelle Pinnwand mit Funktionen (Karten) die helfen, Projekte mit mehreren Personen zu koordinieren. Notizen, Ideen etc. können kollaborativ verwaltet und editiert werden. Ideal um die gemeinsame OER-Entwicklung zu koordinieren. Betriebssystem: Android, iOS
WordPress ist nicht nur ein inzwischen sehr verbreitetes Content-Management-System für Webseiten und Blogs, die Macher bieten auch eine kostenlose Online-Lösung für alle an, die keine eigene Domain besitzen oder schnell einen Blog für einen Kurs einrichten möchten. Die Einrichtung eines Blogs erfordert die Registrierung mit einer gültigen E-Mail-Adresse.
YourPart.eu bietet die Möglichkeit, kostenlose Etherpads (ein kollaboratives Schreibwerkzeug) einzurichten: Namen des Pads eingeben – Schaltfläche öffnen klicken – fertig. Das Angebot ist ein Gemeinschaftsprojekt zur Förderung digitaler Teilhabe der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), dem Deutschen Bundesjugendring (DBJR) und der Fachstelle für internationale Jugendarbeit (IJAB).
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jan Koschorreck, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), für OERinfo – Informationsstelle OER.
Derzeit gibt es im Bereich der Erwachsenenbildung und Weiterbildung nach Kenntnisstand des Autors nur sehr wenige Quellen, die Materialien unter offener Lizenz zur Verfügung stellen. Ein zentrales deutschsprachiges Repositorium für OER für Lernende in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung existiert derzeit nicht, ebenso wenig eine dezidierte Suchmaschine. Einige der Quellen werden nachfolgend vorgestellt.
Auf dem Portal web-web.de gibt es eine Fülle an CC-lizensiertem Material, mit denen sich Trainer/innen, Dozent/innen und Kursleiter/innen aus Erwachsenenbildung und Weiterbildung selbst weiter professionalisieren können. In diesem Zusammenhang ist auch das Open-Access-Programm des wbv-Verlags zu erwähnen, dass sich an Professionelle aus dem Bereich Erwachsenenbilung/Weiterbildung richtet.
Im Bereich der politischen Bildung bietet die Bundeszentrale für politische Bildung eine Fülle von Materialien zu verschiedensten politischen Themen über das eigen Webportal an, die sich zwar hauptsächlich an den Bereich Schule richten, jedoch zum Teil auch für die politische Erwachsenenbildung einsetzbar sind. Strenggenommen handelt es sich dabei nicht um OER-Material, da durchgehend die CC-Lizenzvariante verwendet wird, die eine Veränderung der Materialien ausschließt.
Im Bereich Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache bietet die Plattform lernox eine umfangreiche Sammlung von Links zu Arbeitsmaterialien. Einen Überblick zu weiteren empfehlenswerten Quellen für Daz/DaF-Lernmaterialien bietet außerdem wb-web im Rahmen des Dossiers „Sprachbegleitung einfach machen“.
Weitere Tips gibt es im nachfolgenden Video:
Video von oncampusFHL unter Verwendung von [COER MOOC] Video 6 – OER suchen und finden“ von Sandra Schön und Martin Ebner für iMOOX.at steht unter der Lizenz CC BY 4.0.
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Zwei zentrale Grundgedanken des Konzepts der offenen Bildungsmaterialien sind Austausch und Zusammenarbeit. Eine Gemeinschaft von Praktikern ist deshalb der ideale Ort um das Potenzial von OER voll zu entfalten. Das Modell der Communities of Practice bietet dabei eine nützliche Orientierung für Lehrende oder Institutionen für den Aufbau einer OER-Praxisgemeinschaft bzw. die Integration von OER in eine bestehende Community. Eine Anleitung in sechs Schritten.
Was ist eine Community of Practice?
Austausch und Zusammenarbeit können sowohl als Bedingung, als auch als Ergebnis der Einführung von OER betrachtet werden- auf den ersten Blick ein Henne-Ei-Problem. Jedoch brauchen Austausch und Zusammenarbeit immer einen Beitrag von mehreren Menschen. Idealerweise ist dies eine Gemeinschaft von Menschen, die in ähnlicher Weise praktisch tätig sind. Daraus ergibt sich die Chance, die Erstellung und den Austausch von offenen Bildungsmaterialien in die Routine des Praxisfeldes zu etablieren. Das vor allem in der Organisationsentwicklung und im Bereich der beruflichen Weiterbildung vielbeachtete Modell der „Communities of Practice“ (CoP) (Wenger 1998) geht davon aus, dass durch eine gemeinsame Praxis eine Gemeinschaft entstehen kann, die sich durch ein gemeinsames Interesse, aufeinander bezogenes zwischenmenschliches Handeln und ein gemeinsames Repertoire (zum Beispiel an Überzeugungen, Konzepten und Routinen) auszeichnet. CoP haben einen selbstorganisierenden Charakter und können sich sowohl online als auch offline bilden – auch Hybride sind denkbar. Dadurch ist es jedoch schwierig, ein allgemeingültiges Regelwerk für die erfolgreiche Etablierung einer CoP zu geben.
OER-Integration Schritt für Schritt
Grundsätzlich sind für den Aufbau einer CoP Maßnahmen geeignet, welche die oben genannten Dimensionen in ihrem Wachstum zu fördern, z.B. durch:
Etablierung von Workflows und Ritualen (z.B. für das Lizensieren von OER oder kollegiale Feedback-Routinen)
Schaffen von öffentlichen und geschützten Räumen für den wechselseitigen Austausch und Zusammenarbeit
Etablierung von verschiedenen Möglichkeiten der Teilhabe.
Um offene Bildungsressourcen als Standard in einer Institution bzw. einer Gemeinschaft von Lehrenden zu etablieren, sollten OER Schritt für Schritt eingeführt werden. Um den Prozess erfolgreich zum Abschluss zu bringen, empfiehlt es sich, dabei folgende Punkte zu beachten:
Relevante Personen und Ebenen sollten so früh wie möglich und sinnvoll in den Prozess eingebunden werden.
Die gesammelten Erfahrungen und erarbeiteten Ergebnissen sollten kommuniziert bzw. als OER veröffentlicht werden.
Nutzen Sie das Potenzial von OER als Alleinstellungsmerkmal und Reputationswerkzeug, indem Sie frühzeitig damit beginnen Ihre Bemühungen nach außen zu kommunizieren.
Die nachfolgend beschriebenen Schritte sind als grobe Orientierung zu verstehen. Sie müssen selbstverständlich auf die eigenen bzw. institutionellen Voraussetzungen und Bedürfnisse angepasst umgesetzt werden.
1. Machen Sie auf das Thema OER aufmerksam
Sprechen Sie das Thema zum Beispiel auf einer Mitarbeiterversammlung an oder thematisieren Sie das Konzept bei passender Gelegenheit im informellen Gespräch mit Kollegen und Kolleginnen. Diskutieren Sie die Chancen und Herausforderungen des Themas für die Institution und/oder Sie als Lehrende.
2. Finden Sie Gleichgesinnte
Nehmen Sie Kontakt zu anderen Lehrenden in ihrer Einrichtung oder in ihrem Arbeitsfeld auf, die ein Interesse am Thema OER haben. Tauschen Sie ihre jeweiligen Erfahrungen zur Nutzung und Erstellung von OER aus – formell wie informell.
3. Starten Sie ein kleines OER-Experiment
Schon Erich Kästner wusste: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Ob Sie nun schon OER aktiv gestaltet haben oder nicht, tun Sie sich mit interessierten Kollegen und Kolleginnen zusammen und wagen Sie gemeinsam das Experiment, eine OER zu erstellen. Im Verlauf ergeben sich natürlich Fragen, es müssen Schnittmengen und Kompromisse gefunden sowie Entscheidungen getroffen werden. Dies sind allesamt Prozesse, welche wechselseitige Verbindlichkeit stärken. Außerdem bietet sich dabei die Gelegenheit etwas dazu zu lernen – trotz oder gerade wegen der Tatsache, dass die Kolleginnen und Kollegen Kurse zu anderen Themen geben. Das Erstellen und Veröffentlichen von OER muss sich dabei nicht auf die Ebene der Kursleitenden beschränken. Die gemeinsame Erarbeitung mit Kursteilnehmer*innen kann genauso erkenntnisreich sein.
4. Vom OER-Experiment zum OER-Projekt
Die logische Evolution des Experiments ist ein OER-Projekt, das Sie und Ihre Mitstreiter wie Mitstreiterinnen gemeinsam gestalten. Ein kleines Projekt könnte zum Beispiel das gemeinsame Erarbeiten und Durchführen eines Kurses oder einer Fortbildungsreihe zu einem Thema sein.
Zeitlich begrenzte Projekte haben mehrere Vorteile. Sie sind im Ressourcenbedarf besser abschätzbar und in der Regel besser zu finanzieren. Mit einer entsprechenden Zahl an Beteiligten hält sich der Aufwand für den/die Einzelnen im überschaubaren Rahmen. Trotzdem ist ein Projekt in der Regel umfangreich genug, dass es der Einrichtung von Workflows und Routinen erfordert und so die Entstehung von Ritualen fördert. Dem kollaborativen OER-Gedanken folgend sollte dabei Möglichkeiten und (physischen, zeitlichen, digitalen…) Räumen für Zusammenarbeit, Austausch und Feedback einen großer Stellenwert zugewiesen werden. Je nachdem wie das Projekt konzipiert ist, lassen sich später einige oder sogar alle davon auf die gesamte Abteilung oder die Einrichtung als Ganzes übertragen. Ein nützliches Werkzeug für die Planung eines Projekts ist der OER-Canvas für Projekte. Ein Beispiel wie ein kleines Projekt entstehen und gelingen kann finden Sie im nachfolgenden Video:
Dieses Video „Kleine OER-Projekte erfolgreich“ realisieren: warum und wie?“ steht unter der Lizenz CC BY 4.0. Als Urheber sollen genannt werden: Agentur J&K – Jöran und Konsorten für OERinfo gemeinsam mit Nele Hirsch. Die gezeigten Folien von Nele Hirsch stehen unter der Lizenz: CC BY 4.0.
5. Entwickeln Sie eine OER-Strategie
Entwickeln Sie auf der Grundlage Ihrer gemeinsamen Erfahrungen aus den Schritten 3. und 4. eine Strategie, um die Nutzung, Gestaltung und Veröffentlichung von OER zum Bestandteil ihrer Praxis bzw. der institutionellen Praxis zu machen. Die Strategie umfasst sinnvollerweise auch Festlegungen um langfristig die Qualität und die Finanzierung zu sichern. Einen geeigneten Rahmen für die Erarbeitung kann zum Beispiel eine kollegiale Beratung (für eine individuelle Strategie) oder eine Zukunftswerkstatt (für eine institutionelle Strategie) sein. In die Werkstatt sollten alle Beteiligten bzw. Betroffenen einbezogen werden. Spätestens an diesem Punkt zahlt es sich aus, wenn Sie Ihre Aktivitäten frühzeitig innerhalb der Einrichtung kommuniziert haben. Die erfolgreiche Einführung von OER ist in Institutionen zumeist als gemischter Prozess (Bottom-Up, Top-Down, Peer-to-Peer) zu verstehen. Eine Zwangsverordnung ist der Akzeptanz von Maßnahmen gegenüber abträglich und widerspricht außerdem dem Gedanken der Offenheit der OER-Praxis. Das Werben um Beteiligung sowie deren systematische Sichtbarmachung und Würdigung in Verbindung mit dem zur Verfügung stellen von Ressourcen erweist sich mittel- und langfristig oft als nachhaltiger.
6. Integrieren Sie OER-Prinzipien in das institutionelle Selbstverständnis
Viele Bildungseinrichtungen und -dienstleister verfügen bereits über ein Selbstbild respektive eine Corporate Identity (CI). Die CI bietet Orientierung für Kunden ebenso wie für (zukünftige) Mitarbeitende, und ist ein zentrales Werkzeug für die Imagepflege. Die Erstellung und Annahme einer OER-Strategie bietet die Gelegenheit, OER-Prinzipien, wo möglich und sinnvoll, in das eigene Selbstverständnis zu integrieren. Dies erhöht die Chance, dass sie nicht nur Worthülsen auf geduldigem Papier bleiben. Ein Beispiel für eine gelungene Integration von OER-Prinzipien in das Selbstverständnis findet sich beispielsweise bei der Agentur für Medienbildung.
Quellen und weiterführende Lektüre:
Arnold, P.: Open Educational Resources und Communities of Practice. Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei der gemeinschaftlichen Entwicklung freier Bildungsressourcen. In: Bergamin, P.; Muralt Müller, H.; Filk, C. (Hrsg.)(2009): Offene Bildungsinhalte (OER). Teilen von Wissen oder Gratisbildungskultur? 1. Aufl. Bern: hep Bildungsverlag
Wenger, E. (1998): Communities of Practice. Learning, Meaning, and Identity. Cambridge: Cambridge University Press.
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jan Koschorreck, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), für OERinfo – Informationsstelle OER.