Das Urheberrecht erlaubt zwar in bestimmten Konstellationen, Kopien zu machen – etwa zu für den Privatgebrauch oder zu Bildungszwecken – nimmt Noten aber von dieser gesetzlichen Erlaubnis aus. So verwundert es nicht, dass sich der Slogan „Noten darf man nicht kopieren“ tief ins allgemeine Bewusstsein gegraben hat. In dieser Verallgemeinerung ist er jedoch nicht ganz richtig.
Das Recht auf Bildung ist ein demokratisches Gut. Bildung ermöglicht Menschen, informierte Entscheidungen zu treffen, aktiv am politischen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und grundlegende Rechte wahrzunehmen. Open Educational Resources leisten einen entscheidenden Beitrag zur Demokratiebildung, da sie nicht nur Barrieren wie Kosten oder begrenzten Zugang zu Wissen und Ressourcen abbauen, sondern auch den kooperativen Austausch und partizipative Bildungsprozesse fördern. Zudem können offene Bildungsressourcen flexibel angepasst werden, um aktuelle Themen wie Fake News oder den Klimawandel aufzugreifen und Menschen dazu zu befähigen, Informationen kritisch zu hinterfragen.
Vom 13. bis 14. Mai 2025 findet in Jena die nächste Veranstaltung der Konferenzreihe „OER im Blick“ des Bundeministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) statt. Unter dem Motto „Back to basics“ wird im Lichte drängender bildungspolitischer und gesellschaftlicher Herausforderungen die Frage besprochen, welche Rollen und Aufgaben OER und OEP für welche Zielgruppe übernehmen können.
Wissen offen und frei zu teilen, um wiederum neues Wissen zu erwerben und Kompetenzen zu entwickeln, sind der Kern von OER. Wirken im Sinne dieser OER-Idee der offenen Bildung kann das aber erst, wenn andere diese Informationen und Wissen finden, nutzen, bearbeiten und ebenso wieder als OER teilen und weiterverbreiten. Die OER World Map hilft dabei herauszufinden, wer was macht und wo OER-Wissen, -Materialien, -Expertise, -Ideen und -Maßnahmen zu finden sind. Der Blick auf die Vielfalt der vielen weltweiten OER-Angebote schafft Transparenz, inspiriert, ermutigt und ermöglicht Vernetzung – vor allem auch über interessegeleitetes und zielgerichtetes Suchen. Damit ist die OER World Map ein wichtiger Baustein der „lernenden“ OER-Strategie des BMBF.
Die OER World Map ist eine zentrale Plattform zur Dokumentation und Vernetzung von OER-Aktivitäten und -Akteur*innen weltweit. Ellen Pflaum von der HOOU@HAW schildert in ihren Praxisbeispielen anschaulich, welche Möglichkeiten die OER World Map bietet und wie sie effizient genutzt werden kann. Im Gespräch mit Nora Goßmann stellt sie nicht nur den Mehrwert dar, sondern liefert auch wertvolle Tipps für Einsteiger*innen und Nerds im Umgang mit der OER World Map.
Nora Goßmann mit Ellen Pflaum im Gespäch, Collage: Angela Karnoll via Canva, nicht unter freier Lizenz
Die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen sind eine globale Agenda, um Strategien und Mechanismen für mehr Nachhaltigkeit zu identifizieren und zu begründen. Open Educational Resources (OER) werden ebenfalls oft als Mittel genannt, um Ziele zu erreichen, die eng mit Nachhaltigkeit verbunden sind. Leider werden in den Ausführungen zu den SDGs die beiden Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „OER“ nicht zusammengeführt, also nicht zusammen aufgeführt, zumindest nicht explizit. Für eine Argumentation pro OER mit den SDGs als Argument, gibt es jedoch eine Lösung: die UNESCO.
Neues Jahr, neues Podcastformat: Wie im Jahresendpodcast schon angekündigt, widmen wir unseren Meilensteinen und geplanten Veranstaltungen im neuen Jahr eine eigene Folge, eine Neujahrsfolge! Was neben OER im Blick, dem nächsten OERinfo-Fachtag und wissenschaftlichen Publikationen noch so ansteht? Hört gerne rein! Weiterlesen >
Findet jemand im Internet ein Portraitfoto eines anderen Menschen, kann dieses mit einer CC BY-Lizenz versehen sein. Diese Lizenz ermöglicht es, mit ihr versehene Werke kostenlos unbegrenzt zu nutzen, solange der/die Fotograf*in als Urheber*in genannt wird. Aber was sagt die Lizenz darüber aus, ob die abgebildete Person mit der Verbreitung „ihres“ Fotos einverstanden war?
Der erste OERinfo-Fachtag lehnte sich an die Ausrichtung der aktuellen Förderrichtlinie OE_COM unter der OER-Strategie des Bundes an.Im Zuge dessen haben einige Vertreter*innen der geförderten Projekte an diesem Tag Videoshorts aufgenommen, um ihre Vorhaben in Kürze vorzustellen. Diese Videos sind nun als digitale Visitenkarten veröffentlicht worden.
Am 19. und 20. November 2024 fand in Dubai der 3rd UNESCO World OER Congress statt. Mit dem thematischen Schwerpunkt „Digital Public Goods: Open Solutions and AI for Inclusive Access to Knowledge“ lag der Fokus auf Open-Source-Angeboten und offene Bildungsmaterialien im Zusammenhang mit dem Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz (KI). Den Abschluss und das Ergebnis des Kongress bildet die Dubai Declaration on Open Educational Resources (OER), die die UNESCO nun final veröffentlicht hat.
Titelblatt der Dubai Declaration on Open Educational Resources. Grafik: United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO), CC BY-SA 3.0 (IGO), Seitenverhältnisse geändert und Hintergrund erweitert von Angela Karnoll
In dieser Erklärung wird die Integration neuer Technologien wie künstliche Intelligenz erörtert, um die 2019 von der UNESCO herausgegebene Empfehlung zu offenen Bildungsressourcen (OER) voranzubringen. Insgesamt hebt sie das Potenzial neuer Technologien zur Verbesserung von OER hervor. Gleichzeitig betont die Erklärung die Notwendigkeit eines soliden rechtlichen und ethischen Rahmens, um eine gerechte und rechtmäßige Nutzung zu gewährleisten.
Die Guidelines
Das Dokument beinhaltet Guidelines zu folgenden Themen:
Aufbau von Fähigkeiten: In diesem Abschnitt wird der Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen hervorgehoben, um verantwortungsbewusste Nutzer*innen, Ersteller*innen und Anbieter*innen von (OER)-Inhalten mit neuen Technologien wie generativer KI zu fördern.
Politische Richtlinien: Hier wird das Erfordernis klarer Richtlinien und Systeme angesprochen, um die Nutzung offener Lizenzen und die verantwortungsvolle Integration neuer Technologien zu fördern.
Sicherstellung eines inklusiven und gerechten Zugangs zu qualitativ hochwertigen OER: Der Abschnitt betont die Rolle neuer Technologien, OER zugänglich, inklusiv und nachhaltig zu gestalten, während hohe Standards für Datenschutz, Qualität und kulturelle Relevanz gewahrt werden.
Nachhaltigkeitsmodelle: Hier wird die Notwendigkeit beschrieben, OER in einer inklusiven, nachhaltigen und ethischen Weise zu entwickeln und bereitzustellen, indem globale Standards eingehalten und umweltfreundliche Praktiken gefördert werden.
Internationale Zusammenarbeit: Dieser Abschnitt unterstreicht die Bedeutung verstärkter regionaler und internationaler Zusammenarbeit, um OER-Initiativen durch den Einsatz neuer Technologien wie KI im Einklang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung voranzubringen
Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Angela Karnoll, für OERinfo