Wortspiele, Fragezeichen, Aha-Erlebnisse und Aufbruchstimmung – das war das #OERcamp17 Süd

Zwei Tage geballtes zuhOERen, teilgehOERen, wOERkshopen und viele weitere Wortspielereien im Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) sind vorbei!

Ein Bericht von Alexandra Hessler

OER Workshop mit OER beim #OERcamp17 Süd. Foto von Alexandra Hessler, CC BY 4.0

OER Workshop mit OER beim #OERcamp17 Süd, Foto von Alexandra Hessler, CC BY 4.0

Etwa 80 Lehrende aus Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung, Wissenschaftler*innen, Entwickler*innen und „OERcamp-Fans“ waren am 5. und 6. Mai der Einladung zum ersten der insgesamt vier #OERcamps in 2017 gefolgt und nach Grünwald bei München gekommen. Hier versuchten die Teilgeber*innen in die Zukunft zu schauen: wie geht die OER-Reise weiter?

Um dies auszuloten gab es die Qual der Wahl aus einem umfangreichen Programm. Es bestand aus einem Vormittag vollgepackt mit Workshops zu rechtlichen, technischen und wissenschaftlichen Themen und mündete am Nachmittag in ein Barcamp. Diskutiert wurden konkrete Fragen wie „Wo finde ich OER für die Schule?“, „Wie kann man OER kreativ verbreiten/verwerten?“ und „Welche konkreten Rechtsfragen stellen sich in der Praxis?“.

Am Samstag war es dann genau umgekehrt: Barcamp am Vormittag, Workshops am Nachmittag. Alle insgesamt über 40 Workshops und Sessions sind in Etherpads dokumentiert.

Offenheit musste auch beim Bewegungsprogramm nach der Mittagspause bewiesen werden, als durch das Netz Trainerin Annika Stein vom Landessportbund Rheinland Pfalz zugeschaltet wurde. Foto von Alexandra Hessler, CC BY 4.0

Offenheit musste auch beim Bewegungsprogramm nach der Mittagspause bewiesen werden, als durch das Netz Trainerin Annika Stein vom Bildungswerk des LSB Rheinland-Pfalz e.V. zugeschaltet wurde. Foto von Alexandra Hessler, CC BY 4.0

In Workshops und Sessions wurde schnell deutlich, wie zentral rechtliche Fragen um das Thema OER kreisen. Die Workshops und Sessions zu unterschiedlichen Lizenzvarianten der Creative Commons, zu Fallstricken bei der Lizenzierung und was rechtlich generell bei der Erstellung von OER zu beachten ist von Paul Klimpel und Henry Steinhau von irights waren entsprechend sehr gut besucht.

Lehrer machen aus Arbeitsblättern OER. Foto von Alexandra Hessler, CC BY 4.0

Lehrer machen aus Arbeitsblättern OER. Foto von Alexandra Hessler, CC BY 4.0

Lehrende, die sich und das, was sie zu sagen haben, eigentlich mit Begeisterung öffnen sollten, sind verunsichert von der Flut rechtlicher Bestimmungen. Verunsichernd wirken teilweise aber auch viele technische Weiterentwicklungen, die immer neue Möglichkeiten bieten, kreativ zu werden. Dass ebendiese Komplexität von Recht und Technik dazu führt, dass viele Lehrende eine gewisse Scheu haben, wurde etwa im Workshop „Hochschullehrende begeistern“ deutlich: bei der hier praktizierten „Walt-Disney-Methode“ sollten die Teilgeber*innen zunächst in die Rolle der OER-Enthusiasten schlüpfen, dann in die der Kritiker*innen und zum Schluss in die der Pragmatiker*innen. Dabei wurde klar, dass es vor allem zeitliche (technische) und rechtliche Hürden sind, die es zu überwinden gilt um sich für OER zu begeistern oder begeistern zu lassen.

Einen ähnlichen Workshop gab es zwei Stockwerke höher, hier wurde die gleiche Frage im Hinblick auf Schul-Lehrende im Workshop „OER finden, erstellen, verbreiten – für Praktiker in der Schule” gestellt. Und wieder zeigte sich, dass sowohl Unsicherheit („darf ich das?“) aber auch psychologische Aspekte oft einen Hinderungsgrund darstellen, sich mehr mit OER zu beschäftigen. Referentin Christina König: „Wir sind so erzogen, dass wir Hemmungen haben, etwas von jemand anderem zu verwenden. Gleichzeitig fürchten wir auch selbst den Kontrollverlust, denn wenn jemand anderes mit meinem Material arbeitet, macht er daraus ja vermutlich auch etwas anderes.“

Was alle Teilgebende durchweg beschäftigte, war die Frage nach dem Gegenstück zur Schwarmintelligenz, die dafür sorgt, dass etwas besser wird, je kollaborativer daran gearbeitet wird. Demgegenüber könnte die Schwarmblödheit aus gut gemeinten OER auch etwas propagandistisches machen. „Don’t feed the Troll!“ lautete die Meinung Vieler und dass man beim Thema OER ein gewisses Grundvertrauen entwickeln müsse.

Rundgang beim #OERcamp 17 in München

Posted by OERinfo – die Informationsstelle Open Educational Resources – OER on Freitag, 5. Mai 2017

OER im MINT-Bereich – ein altbewährtes Gespann, aber wie sieht es mit gesellschaftspolitischen Themen aus?

Stephan Kulla von serlo.org, Foto: Alexandra Hessler, CC BY 4.0

Stephan Kulla von serlo.org, Foto: Alexandra Hessler, CC BY 4.0

Auffällig waren die vielen Angebote im Bereich MINT, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik: so stellte Stephan Kulla von serlo.org sein „Mathebuch für Nicht-Freaks“ vor, an dem immerhin rund 500 Menschen vom Schul- bis zum Rentenalter ehrenamtlich mitgearbeitet haben. Nun muss für das Werk eine adäquate Veröffentlichungsform gefunden werden. Stephan Kulla stellte das Buch vor und brainstormte mit den Teilnehmenden seiner Session.

Franziska Frost stellte die vielfältigen Materialien auf dem Medienportal der Siemens-Stiftung vor. Auch sie beschäftigen sich vornehmlich mit naturwissenschaftlichen Themen. In ihrem Workshop remixten die Teilgebenden das vorhandene Material der Plattform mit viel Begeisterung.

Aber wie sieht es nun mit gesellschaftspolitischen Fragen aus?

Dieser Frage gingen einige Workshops und Sessions wie etwa die von Ronnit Wilmersdörffer von Serlo nach.
„Gesellschaftliche Themen kann man fast gar nicht ohne eine bestimmten Haltung lehren. Es sei denn, man stellt jeweils verschiedene Meinungen in ihrer ganzen Bandbreite auf einer Metaebene dar, was aber auf alle Fälle einer Moderation bedarf“, fasste Ronnit ihre Session zusammen.

Ronnit Wilmerdörffer von serlo.org. Foto von Alexandra Hessler, CC BY 4.0

Ronnit Wilmerdörffer von serlo.org. Foto von Alexandra Hessler, CC BY 4.0

Anders ist die Lage im MINT-Bereich: „Bei Mathe ändert sich ja in der Regel nicht so viel und es gibt weniger Deutungen“, erklärten etwa Martin Mandausch und Marc Riar von der Uni Karlsruhe, wo derzeit eine Studie über die Nutzung von OER unter Lehrenden erstellt wird.

So viel zu derlei theoretischen Fragen diskutiert und philosophiert wurde, so konkret wurde es bei der Vorstellung von Projekten wie memucho, einer Art Wissensassistenten, der mit Fragen auf virtuellen Karteikarten arbeitet oder dem Arbeitsblatterstellungs-Tool tutory.

Und wie geht es weiter?

Großes Interesse bestand an der neuen Informationsstelle OER, die mit Förderung des BMBF entstanden ist. Mit ihr soll die Vernetzung, Information und das in-die-Breite-Tragen der OER-Idee noch besser gelingen. Dafür sorgen neben dem Relaunch der Website www.open-educational-resources.de viele BMBF-geförderte OER-Aktivitäten. Dazu gehört auch die Ausrichtung der vier OERcamps dieses Jahr. Denn München war erst der Anfang!

So freuen sich viele der Teilgeber schon auf das Wiedersehen in Köln, Hamburg oder im Herbst in Berlin.

Hintergrund: Das FWU als Gastgeber des OERcamps 2017 Süd

Das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) war Sprungbrett für Filmgrößen wie Bernhard Wicki oder Werner Herzog wie das wunderbare von FWU-Referentin Susanne Friz zusammengestellte Abendprogramm zeigte, mit Auszügen aus Filmen wie „Schallschutz im modernen Wohnungsbau“ (mit Gerd Fröbe) oder „Quick das Eichhörnchen“ (von Heinz Sielmann). Wer sich für die Geschichte des FWU interessiert, dem sei diese Dokumentation empfohlen:

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin sollen bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Alexandra Hessler für OERinfo – Informationsstelle OER.
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