Machbarkeitsstudie zum Aufbau und Betrieb von OER‐Infrastrukturen in der Bildung

OER_Machbarkeitsstudie_Bericht (Ausschnitt)Im Frühjahr 2015 hatte das BMBF eine Studie in Auftrag gegeben, die die Grundlagen für die Infrastrukturen zu OER in Deutschland untersuchen sollte. Die Ergebnisse liegen jetzt vor, umfassen 68 Seiten und sind unter CC BY SA 3.0 DE lizenziert: Download PDF.

Die zentralen Erkenntnisse und Empfehlungen stehen auf Seite 4 bzw. hier:

<Langzitat-Anfang>

Die derzeit noch sehr disparat vorliegenden Bestände und Zugänge zu Open Educational Resources (OER) bedeuten zu große Hürden für deren Auffindbarkeit und effektive Nutzbarkeit. Infrastrukturen zur Optimierung der Verfügbarkeit von OER werden daher in allen Bildungssektoren befürwortet. Hierbei wird mehrheitlich für eine Orientierung an bereichsspezifischen Entwicklungsbedarfen votiert. Favorisiert werden Nachweisstrukturen für verteilte Medienbestände, während Zweckangemessenheit und Akzeptanzfähigkeit einer zentralen Plattform zur Bündelung aller OER skeptisch bis ablehnend bewertet werden.

Aufbau und Betrieb einer zentralen Infrastruktur, im Sinne eines einzelnen Repositoriums bzw. Referatoriums, für OER über alle Bildungsbereiche hinweg stellen keine realistische Option dar. Insbesondere in Bereichen mit etablierten OER‐Angeboten werden Eigenständigkeit, Subsidiarität und Nutzerbindung höher gewichtet als mögliche Vorteile einer zentralen Struktur. Zugleich ist die bestehende Repositorienlandschaft nicht dazu geeignet, die Potenziale von OER für das gesamte Bildungssystem zu entfalten. Daher ist zur Vernetzung bestehender (Teil‐)Infrastrukturen ein Aggregationsmechanismus für digitale Lernressourcen zu befürworten, der die disparat verteilten, abgegrenzte Communitys adressierenden Kollektionen auf der Basis interoperabler Nachweis‐ und Austauschroutinen vernetzt, ohne die Vielfalt bereichsspezifischer Angebote einzuschränken.

Zentrale Empfehlungen:

  • Fördermaßnahmen sollten Anreize für den Aufbau bzw. die Vernetzung von Repositorien und Nachweissystemen in bislang wenig OER‐aktiven Handlungsfeldern schaffen (z.B. berufliche Bildung, Erwachsenenbildung).
  • Empfohlen wird der Aufbau von digitalen Materialbeständen i.S.v. Referenzsystemen für OER zu pädagogisch oder bildungspolitisch besonders relevanten Themen (z.B. Inklusion, frühe Bildung, Alphabetisierung).
  • Bestehende OER‐Plattformen sollten um systematische Zugänge, Zugangsvokabulare für unterschiedliche Fächer  und Arbeitsinstrumente ergänzt werden, die die Adaption der Materialien in anderen Bildungskontexten unterstützen. Fördermaßnahmen sollten an die Bereitstellung technischer Schnittstellen und interoperabler Metadaten geknüpft werden, welche für die Realisierung eines Metadaten‐Austausch‐Services (s.u.) notwendig sind.
  • Als zentrale Komponente einer verteilte Angebote vernetzenden Infrastruktur wird der Aufbau einer Aggregationsinstanz (Metadaten‐Austausch‐Service) empfohlen, die auf Basis von Austauschformaten und konkordanten Metadaten dezentrale OER‐ Bestände im Sinne eines Nachweissystems integriert und ihre Auffindbarkeit sowohl in bereichsspezifischen als auch in übergreifenden Sichten unterstützt.
  • Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung dieser Infrastruktur sollten durch eine Koordinierungsstelle wahrgenommen und durch geeignete Begleitgremien flankiert werden, die eine dem OER‐Ansatz entsprechende Anbieter‐, Nutzer‐ und Community-Beteiligung gewährleisten.

<Langzitat-Ende; Hervorhebungen aus Original übernommen>

Die Studie wurde erarbeitet vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) / Deutscher Bildungsserver in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement und dem Learning Lab der Universität Duisburg‐Essen.

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One comment on “Machbarkeitsstudie zum Aufbau und Betrieb von OER‐Infrastrukturen in der Bildung
  1. Ich fand das Panel auf der OER-Fachtagung dazu (gestern 1.03.2016)gut. Auch die gesamte Veranstaltung “OER-Festival” war sehr gut organisiert, professionell durchgeführt und mit interessanten Sessions,Panels und Menschen bereichert.
    Vielen Dank, Karin Schneider-Weber

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