Bringt amazon die OER-Revolution?

amazon-education logoWas amazon sicher gut kann: Ordnung in riesige, unübersichtliche Bestände an Dingen bringen.  Am 12.2.2016 hat Amazon Education bekannt gegeben, eine Plattform für freie Unterrichtsmaterialien zu starten – eine Ankündigung mit mittelfristig möglicherweise enormer Auswirkung. Amazon startet genau das an, was in Deutschland bisher nur theoretisch und meist als denkbare staatliche Aufgabe diskutiert wird (oder in Teilen z.B. bei edutags oder proprietär bei meinunterricht.de ausprobiert wird): eine große Plattform, auf der Materialien veröffentlicht, gesammelt, organisiert und vor allem: gefunden werden können.

Funktionen von Amazon Inspire

Folgenden Angaben beruhen auf einem Bericht von Edweek: Amazon education testet derzeit eine OER-Plattform namens „Amazon Inspire“ im Beta-Stadium und will diese innerhalb der nächsten zwei oder drei Monate veröffentlichen. Dies wurde auf einer Session namen „Transitioning to OER“ bekannt gegeben, die im Rahmen der National Conference on Education der AASA (dem US-amerikanischen Verband der Schulleiter) stattfand. Auf die Plattform können Lehrkräfte oder ganze Schulen Materialien bereitstellen – und natürlich auch finden, organisieren, teilen und herunterladen. Amazon Inspire ähnelt dabei der Verkaufsplattplattform von amazon. Dazu gehören zum Beispiel folgende Funktionen:

  • Suche
  • Filter nach verschiedenen Bereichen und Kategorien
  • Bewertung der Qualität durch Nutzer mit einem Fünf-Sterne-System
  • Verfassen von Reviews durch Nutzer
  • persönliche Empfehlungen, die auf dem bisherigen Nutzungsverhalten basieren

Ein besondere Mehrwert könnte die Anreicherung der Inhalte mit Metadaten sein, wofür Amazon das nationale Projekt learningregistry.org nutzen will.

Geschäftsmodelle für OER

Amazon verspricht, dass die Nutzung der Plattform auf Dauer offen und kostenlos bleiben soll. Zu möglichen Geschäftsmodellen gibt es verschiedene Denkrichtungen. Zum einen kann Amazon unter die Empfehlungen auch solche für kostenpflichtige Angebote mischen, beispielsweise für passende Bücher. Außerdem denkt Amazon an Bündelung von Lehmaterialien und Zubehöre. Wenn für ein Experiment Zubehör wie Batterien oder Spulen notwendig sind, könnte man diese „Hardware“ gleich bei Amazon bestellen. Eine Verbindung mit der Publishing Sparte von Amazon ist ebenfalls denkbar. Hier könnten Schulen, Lehrende und Lernende Inhalte perspektivisch individuell zusammenstellen und neu veröffentlichen – oder einfach gedruckt bestellen.

Und die Lizenz?

Noch etwas Spekulation: Der Bericht gibt keine Informationen darüber, inwieweit Lizenzfragen mitgedacht werden. Es ist meist nur von freien bzw. offenen Materialien die Rede. Zwar wird die Diskussion um die Freiheitsgrade von Lizenzen in den USA nicht mit der Schärfe geführt, die in Deutschland bisweilen zu hören ist. Allerdings könnte diese Frage bei Amazon Inspire besondere Relevanz gewinnen. Zum einen könnte das Geschäftsmodell die Nutzung von Materialien unter NC-Einschränkung (keine kommerzielle Nutzung) ausschließen.  Zum anderen ist Amazon so groß und mächtig, dass die Lizenzbestimmungen von Amazon zu einem Quasi-Standard werden könnten.

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jöran Muuß-Merholz für www.open-educational-resources.de – Transferstelle für OER.

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One comment on “Bringt amazon die OER-Revolution?
  1. Luka Peters schreibt:

    Man wird ja sehen, was aus dieser Initiative von Amazon wird – oder besser gesagt: aus diesem Produkt.
    Zum einen hat Amazon in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass sie die Interessen der Kunden/Kundinnen und NutzerInnen ihren geschäftlichen Interessen unterordnen (s. Löschen von Büchern vom Kindle, Entfernen von Funktionen aus gekauften E-Books). Zum anderen wird die Lizenzierung meiner Meinung sicher nicht eine Commons-Lizenz sein, sondern ein von Amazon selber entwickeltes Lizenzmodell.

3 Pings/Trackbacks für "Bringt amazon die OER-Revolution?"

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