Good practices für ein erfolgreiches und effizientes Management von OER in der Schulpraxis

Gelungene OER-Projekte sind wie Leuchttürme – sie strahlen weit in die Bildungswelt hinaus, haben Vorbildcharakter und machen Mut, selbst aktiv zu werden oder auch einfach mal die Arbeit mit OER auszuprobieren.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Praxisbeispielen im Bereich OER, die zeigen, dass frei verfügbare Bildungsmaterialien auch im Alltag der Lehrenden und Lernenden angekommen sind. Zahlreiche Initiativen, wissenschaftliche Einrichtungen, aber auch einzelne Lehrkräfte haben sich mit dem Thema beschäftigt und zeigen durch ihre aktive Arbeit, wie man OER im eigenen Berufsalltag erfolgreich einsetzen und managen kann. Dennoch muss man bei allen Vorzügen, die OER im Vergleich zu herkömmlichen Bildungsmaterialien haben, auch eines sagen: Die Arbeit mit OER ist in aller Regel – gerade am Anfang – zeitintensiv, es bedarf einer gründlichen Auseinandersetzung mit der Thematik und nicht zuletzt einiger Übung, um mit den geeigneten CC-Lizenzen, Einsatzszenarios und nicht zuletzt der Produktion von eigenen OER vertraut zu werden.

Wir zeigen Ihnen daher hier einige Beispiele mit besonders gelungenem Praxisbezug – Good practices für alle Praktiker*innen in der Schule, die OER nicht nur finden und verwenden, sondern auch selbst herstellen und verbreiten möchten.

OER und Recht

Zu Open Educational Resources (OER) zählen Lehrmaterialien, die unter freien Lizenzen veröffentlicht werden. Die Artikelreihe von irights.info gibt Tipps zu rechtlichen und praktischen Aspekten von OER. Die Beiträge entstehen im Rahmen von Jointly, einem vom Bildungs- und Forschungsministerium geförderten Verbund zur Unterstützung von OER-Projekten, zu dessen vier Projektpartnern iRights e.V. zählt. Bislang erschienen:

SODIS Content Pool

Im Sodis Content Pool werden seit mehr als 10 Jahren frei zugängliche Medien und Materialien gesammelt. Auf dieser Seite können Interessierte alle offenen Lehr- und Lernmaterialien, die der SODIS Content Pool enthält bzw. auf die er verweist (aktuell über 13.000), frei recherchieren und nutzen.

Durchsuchbar sind alle Inhalte, die eine Creative Commons Lizenz besitzen, also nicht nur OER im engeren Sinne (‘CC-0’, ‘CC-by’, ‘CC-by-sa’), sondern auch solche ohne das Recht der Bearbeitung (‘-nd’) bzw. der kommerziellen Nutzung (‘-nc’).

OER in der Lehrerfortbildung

Ein Leuchtturm für alle Lehrkräfte, die sich im Rahmen einer Fortbildung mit dem Thema OER auseinandersetzen und diese in ihre tägliche Arbeit integrieren möchten, ist das Projekt LOERn – Lehrerfortbildung durch Nutzung und Erstellung von OER-Materialien. Ziel des Projekts ist es, ein länderübergreifendes Praxiskonzept für die Fortbildung von schulischen Multiplikator*innen rund um das Thema OER zu entwickeln und beispielhaft in Bayern flächendeckend bei verschiedenen Zielgruppen zu erproben und durchzuführen.

Auf den Seiten von LOERn finden Lehrkräfte und Lehramtsanwärter*innen zahlreiche Materialien, Flyer und Poster, OER-Selbstlernkurse und vieles mehr, das die Arbeit mit und an OER im Unterricht erleichtert. Sämtliche Materialien sind selbstverständlich mit einer CC-Lizenz versehen.

Lernmaterialien für die Schülerhand

Die freie Lernplattform Serlo bietet Schülerinnen und Schülern professionelle Lernsoftware und didaktisch wertvolle Lernmaterialien. Erklärungen, Videos, Übungsaufgaben und weitere Formate werden nach Themen eingeordnet, miteinander verlinkt und entsprechend echter Lehrpläne sortiert. Serlo stellt damit eine praktische Hilfe für den Schulalltag und für das eigenständige Lernen und Üben dar. Jeder Nutzer kann auf Serlo in seinem eigenen Tempo lernen und die Lernmethode wählen, die zu ihm passt. Ziel des die Seite betreibenden Vereins ist es, Bildung frei verfügbar zu machen und allen zu ermöglichen daran mitzuwirken. Im Verein und in der Online-Community können alle mithelfen und mitbestimmen. Damit baut Serlo das Werkzeug für eine kooperative Lernkultur an Schulen, bei der die Potenzialentfaltung jedes Einzelnen im Vordergrund steht. Langfristig werden weitere Schulfächer ergänzt, neue Lernwerkzeuge entwickelt und das Angebot in andere Sprachen übersetzt.

Unterrichtsmodule für die Schülerfirmenarbeit

Schülerfirmen eröffnen Kindern und Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten, um Verantwortung zu übernehmen, eigene Ideen in die Tat umzusetzen und dabei spielerisch wirtschaftliche Zusammenhänge zu begreifen. Um diese Projektmethode noch besser im Schulalltag zu verankern, hat das Fachnetzwerk Schülerfirmen Lehrmaterial entwickelt, mit denen Lehrkräfte Schülerfirmen im Unterricht umsetzen können. Die Materialien KLASSE SCHÜLERFIRMA – Unterrichtsmodule für die Schülerfirmenarbeit in der Sekundarstufe 1 begleiten Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte in insgesamt 14 Modulen durch die Gründung, Umsetzung und Auswertung einer Schülerfirma. Die einzelnen Module bauen aufeinander auf, können jedoch auch themenspezifisch flexibel eingesetzt werden. Je nach eigener Schwerpunktsetzung können die Lehrkräfte dabei verschiedene Themen der Schülerfirmenarbeit in den Fokus rücken – etwa Entrepreneurship Education, Berufsorientierung oder nachhaltiges Wirtschaften.

Lizenzhinweisgenerator für Bilder

Der Lizenzhinweisgenerator soll dabei helfen, Bilder aus Wikipedia und dem freien Medienarchiv Wikimedia Commons einfach und rechtssicher nachzunutzen. Der Nutzer wird durch einen kurzen Dialog geleitet und erfährt dadurch die für den Lizenzhinweis entscheidenden Einzelheiten der individuellen Nachnutzung. Nach Beantwortung dieser wenigen Fragen kann man schnell und einfach den entsprechenden Lizenzhinweis auf verschiedene Arten kopieren und in die eigene Publikation einfügen.

Frei verfügbare Medien für den Unterricht

Das Medienportal der Siemens-Stiftung bietet Lehr- und Lernmaterialien zu naturwissenschaftlich-technischen Themen für Grund- und weiterführende Schulen in Deutsch, Englisch und Spanisch. Das Angebot umfasst sowohl Lehrmaterial für registrierte Nutzer als auch freie Unterrichtsmaterialien (OER). Es gibt einen direkten Zugang zu den freien Medien, die alle mit einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht sind. Ergänzt wird dieser Bereich durch weiterführende Informationen zu OER und Creative Commons. Zusätzlich werden Medien rund ums Experimentieren angeboten, die in einer separaten Matrix nach Thema und Altersgruppe recherchiert werden können. Des Weiteren gibt es die interaktive Sprach-Lern-Software KIKUS digital, die sowohl online als auch offline als Windows-Applikation zur Verfügung steht.

Unterrichtsmaterialien zum Einsetzen und Mitmachen

Das Projekt edulabs hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit Anderen innovative Bildungsmaterialien als Open Educational Resources (OER) zu entwickeln. Die Plattform geht der Frage nach, wie sich Lernen mit digital gestützten Methoden gestalten lässt und unterstützt und vernetzt Menschen, die neue, digitale Bildungsformate entwickeln und unter freien Lizenzen teilen.

edulabs versteht sich als überregionaler Inkubator, in dem Menschen ihre didaktischen, technischen und gestalterischen Fähigkeiten einsetzen, um zusammen innovative und nachnutzbare Bildungsmaterialien zu entwickeln. Das Projekt unterstützt die Community redaktionell, didaktisch, technisch, sowie bei der Organisation von Events.

Orientierungshilfe beim Thema OER für Lehramtstudierende

Das kostenlose Projekt OERientation ist im Rahmen der Hamburg Open Online University (HOOU) entstanden und möchte sowohl Lehramtstudierenden und Lehrenden als auch anderweitig Interessierten ein Kompass im weiten Bereich der Open Educational Resources sein.

OERientation informiert über den Einsatz von digitalen Medien in der Lehre und begleitet Schritt für Schritt durch die Erstellung eines eigenen offenen Bildungsmaterials. Das Projekt richtet sich an Lehramstudierende und Lehrende, die an der Verwendung und Erstellung von OER interessiert sind.

Digitale Unterrichtsbausteine

Das digital.learning.lab versteht sich als Webplattform zum Lernen und Ausprobieren für Lehrkräfte. Das Projekt wird gemeinsam von der Hamburger Schulbehörde, der Joachim Herz Stiftung und der Technischen Universität Hamburg (TUHH) realisiert und hat sich zum Ziel gesetzt, allen Hamburger Lehrkräften ab dem Schuljahr 2018/19 neu entwickelte “digitale Unterrichtsbausteine” zur Verfügung zu stellen. Die Bausteine umfassen Unterrichtskonzepte sowie vielfältige digitale Unterrichtsmaterialien für zahlreiche Themengebiete in allen Schulfächern der weiterführenden Schulen. Sie sollen von Lehrkräften über das neue Internetportal digital.learning.lab als open educational resources (OER) kostenlos heruntergeladen und im Unterricht in allen weiterführenden Schulen eingesetzt werden können. Dabei orientieren sich die digitalen Unterrichtsbausteine an den Kompetenzbereichen der Strategie “Bildung in der digitalten Welt” der Kultusministerkonferenz (KMK). Das heißt, dass alle Unterrichtsmaterialien konkret ausweisen, welche Kompetenzen wie z.B. “Suchen, Verarbeiten & Aufbewahren” in diesen fachbezogenen Unterrichtsbausteinen erworben werden können.

Die Webpräsenz beinhaltet vier Inhaltskomponenten: Best Practice-Beispiele, aktuelle Forschungsergebnissen und -trends zu mediengestützten Lehr-und Lernszenarien, eine Toolbox mit digitalen Lerntools und dazu passende Weiterbildungsangebote.
Der Zugang in das digital.learning.lab ist öffentlich und steht damit nicht nur Lehrkräften offen. Der Zugang soll von jeder beliebigen Stelle aus erfolgen. Das digital.learning.lab und die digitalen Unterrichtsbausteine sind freie Bildungsmedien und werden auch von anderen Autoren erstellte Materialien aus anderen Quellen integrieren.

Die Inhalte durchlaufen einen Qualitätszyklus und werden unter entsprechenden CC-Lizenzen als OER bereitgestellt.

OER an Schulen in Schleswig-Holstein

Das Projekt LOERSH (Europa-Universität Flensburg) möchte unterschiedliche Akteure im Kontext Schule und Lehrerbildung ansprechen. Hierfür gibt es fünf Teilvorhaben:

  • schulinterne und -übergreifende Fortbildungen und Multiplikator*innen-Schulungen für Lehrkräfte und weitere schulische Mitarbeiter*innen
  • Multiplikator*innen-Schulungen für im Kontext Schule und Lehrerbildung tätiges Bildungspersonal
  • OER in die Ausbildung und Arbeit von »Schüler-Medienscouts«
  • OER-Workshops im Rahmen der »Flensburg Winter School«
  • Instituts- und hochschulübergreifende Seminare für Studierende des Lehramts sowie Fortbildungen für Dozent*innen der Lehramtsstudiengänge an der Europa-Universität Flensburg

Open Educational Resources: Vier Debatten – vier Antworten

Jöran Muuß-Merholz zum Thema „Schulbücher und freie Bildungsmaterialien sind keine Gegensätze“

OER: vier Debatten – vier Antworten.
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, CC-BY-SA 4.0

OER managen in der Schulpraxis

Wie stellt sich die Arbeit mit freien Lizenzen und der Nutzung offener Bildungsmaterialien in der Praxis dar? Das Saarländische Ministerium für Bildung und Kultur und das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) haben zur Beantwortung dieser Frage die Handreichung Lizenzierung und Nutzung offener Bildungsmaterialien herausgegeben. Die Handreichung behandelt rechtliche Fragen, die praktische Anwendung von OER und Fundstellen im Netz. Die Handreichung steht unter CC BY SA 3.0 DE. Wir stellen die Broschüre (PDF) und den zugehörigen Einleger (PDF) zum Download zur Verfügung.

OER erfolgreich für die Arbeit im Schulalltag organisieren

Die meisten Lehrkräfte, die sich mit dem Thema OER bereits auseinander gesetzt haben, beschäftigt die Frage, wie man OER gewinnbringend im Unterricht einsetzen kann. Es gibt mittlerweile vor allem im Bereich Schule eine Vielzahl hochwertiger und vielseitiger frei verfügbarer Bildungsmaterialien, die den Unterricht bereichern können. Eine stetig wachsende Community trägt dazu bei, dass es den Beteiligten leichter fällt, OER zu managen und deren Einsatz im Unterricht Schritt für Schritt auch in deutschen Klassenzimmern bekannter wird. Um Fragen und Unsicherheiten – vor allem beim Thema Urheberrechte und deren mögliche Verletzungen – beantworten und beheben zu können, existieren eine Vielzahl von Ratgebern und Leitfäden. An dieser Stelle sei nur auf einige davon hingewiesen. Eine umfangreiche Linkliste, wo man OER im Internet finden kann, befindet sich in unserem Dossier OER finden – Informationen für die Schule.

Szenarien für OER-Schulbücher

Der Einsatz von Schulbüchern ist für Lehrkräfte – auch wenn sie neuen Bildungsmaterialien aufgeschlossen gegenüber stehen – nicht wegzudenken. Wie man dieses klassische Medium mit den Ansprüchen und Vorteilen frei verfügbarer Bildungsmaterialien vereinen könnte, haben jüngst österreichische Forscher untersucht: Im Dezember 2017 ist die Machbarkeitsstudie zu OER-Schulbüchern in Österreich erschienen. Diese Studie wurde von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft m.B.H. in Kooperation mit der Universität Innsbruck und der Technischen Universität Graz im Auftrag des Bundeskanzleramts und des Bundesministeriums für Bildung durchgeführt.

OER-Schulbücher bieten unter anderem die Möglichkeit der rechtssicheren Nutzung, des kostenlosen Zugangs auf die digitale Version sowie die Möglichkeit der Modifikation und Wiederveröffentlichung der Materialien. Die Machbarkeitsstudie zu OER-Schulbüchern in Österreich zeigt potentielle Veränderungen, Chancen und Herausforderungen sowie mögliche Szenarien für die Einführung von OER-Schulbüchern auf. In der Machbarkeitsstudie werden dazu sechs Szenarien für OER-Schulbücher in Österreich, ausgehend von möglichen Aktivitäten der zuständigen österreichischen Bundesministerien, beschrieben. Darauf aufbauend geben die Autorinnen und Autoren der Studie auch Empfehlungen für eine nationale Strategie zur Umsetzung von OER-Schulbüchern und OER allgemein.

Obwohl sich die vorliegende Studie auf die Situation und Perspektiven für die Entwicklung von OER-Schulbüchern in Österreich bezieht, lassen sich zahlreiche Aspekte auf die Situation in Deutschland ableiten, vor allem was den Gesichtspunkt des OER-Managements betrifft, also den organisatorischen Umgang mit OER. Somit ist das Dokument, auch für Lehrkräfte und Beschäftigte im Bildungsbetriebe bzw. in Behörden in Deutschland eine mehr als lohnende Lektüre.

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christina König, FWU Institut für Film und Bild für OERinfo – Informationsstelle OER.





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